Geschlossene Verkaufsstände und kaum Touristen an den Landungsbrücken in Hamburg. © NDR Foto: Anja Deuble

Ein Jahr Corona-Krise: Was im März 2020 in Hamburg los war

Stand: 11.03.2021 12:38 Uhr

Am 11. März 2020 erklärt die WHO den Covid-19-Ausbruch offiziell zur Pandemie. In Hamburg sind da gerade Frühjahrsferien. Zu diesem Zeitpunkt sind 35 Hamburgerinnen und Hamburger mit Corona infiziert.

Keine Menschen während der Corona Krise am Flughafen Hamburg © imago images Foto: Waldmüller
Weltweite Reisewarnungen lassen den Hamburg Airport verwaisen.

Der erste bestätigte Coronavirus-Fall in Hamburg ist ein Mitarbeiter des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). Gemeldet wird der Fall am 28. Februar. Ab diesem Zeitpunkt wird sich das Leben der Hamburgerinnen und Hamburger gravierend verändern. Die Klinik-Leitung betont: "Das UKE ist weiterhin voll handlungsfähig". Als die WHO die Pandemie ausruft, beschließt der Hamburger Senat noch am selben Tag, Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen abzusagen. Das betrifft auch Theateraufführungen, Konzerte und größere Demonstrationen. Einen Tag später wird der Frühlingsdom abgesagt, Kulturbetriebe stellen den Spielbetrieb ein. Fußballspiele finden zukünftig ohne Publikum statt.

Wenige Tage später stellen Hamburgs Schulen und Kitas den Regelbetrieb ein. Der Fischmarkt wird abgesagt: "Zum ersten Mal seit über 300 Jahren", betont das Bezirksamt Altona. Auch die Elbphilharmonie schließt ihre Türen, viele Kreuzfahrten können nicht stattfinden oder müssen abgebrochen werden. Urlauberinnen und Urlauber werden aufgefordert, ihre Rückreise anzutreten, einige müssen in der Folgezeit von der Bundesregierung aus dem Ausland zurückgeholt werden.

Schrittweise Schließungen, viele Absagen

Vor einem Spielplatz in Hamburg hängt ein Schild mit der Aufschrift "Der Spielplatz ist bis auf Weiteres gesperrt".  Foto: Ingmar Schmidt
Spielplätze werden gesperrt.

Am 17. März verkündet Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) einen Tag nach Verhandlungen von Bund und Ländern, dass auch die meisten Geschäfte des Einzelhandels schließen müssen: "Wir wollen die Ausbreitung des Virus verlangsamen", sagt er. Ausgenommen sind Supermärkte und andere Läden, die zur Versorgung der Menschen dienen. Die Hamburgerinnen und Hamburger fangen an zu hamstern: Klopapier, Hefe, Mehl und Nudeln sind in den kommenden Tagen schwer zu bekommen. Restaurants und Gaststätten dürfen nur noch von 6 bis 18 Uhr geöffnet werden, Spielplätze werden geschlossen. Alle Veranstaltungen werden abgesagt. Auch Hamburgs Finanz- und Bezirksämter schließen bis auf Weiteres für den allgemeinen Publikumsverkehr. An den Hamburger Gerichten werden außerdem viele Verhandlungen verschoben. Auch der 831. Hamburger Hafengeburtstag wird abgesagt. Hamburger Clubs sorgen sich um ihre Existenz.

Der Arztruf Hamburg ist schnell überlastet

Nur wenige Eltern schicken ihre Kinder in die Notbetreuung der Kitas, die Angst vor dem neuen Virus ist groß. Der Arztruf Hamburg ist Mitte März überlastet, zu viele Menschen rufen an: über 20.000 sind es täglich zu Spitzenzeiten. Die Kassenärztliche Vereinigung bittet darum, den Notruf nur bei ernsten Symptomen anzuwählen. Für Unternehmen werden die ersten Finanzhilfen angeschoben. Die Hamburgerinnen und Hamburger stehen abends auf ihren Balkonen und klatschen für das Pflege- und Klinikpersonal.

Am 18. März wird der Eurovision Song Contest abgesagt, schließlich schließt auch Hamburgs Tierpark Hagenbeck auf unbestimmte Zeit. Auch Tierheime lassen keinen Publikumsverkehr mehr zu. Obdachloseneinrichtungen haben nur noch begrenzten Zugang. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg (KVH) ist Hamburg zu dieser Zeit mit etwa 20 Erkrankten pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner das Epizentrum der Epidemie. Deutschlandweit seien es nur etwa halb so viele. An diesem Tag meldet die Gesundheitsbehörde 102 Neuinfektionen. Im Hamburger Rathaus finden die ersten beiden Sitzungen der Bürgerschaft ohne Publikum statt. Dort kann sich niemand erinnern, dass es schon mal eine Sitzung ohne Publikum gegeben hat.

Soforthilfen und Sonderkredite

In den kommenden Tagen gibt es - bei überwiegend negativen Schlagzeilen - auch mal gute Nachrichten: Einige Grundeigentümerinnen und -eigentümer verzichten auf die Miete, das Jobcenter baut seine Hotlines aus. Für die Kultur wird eine Soforthilfe beschlossen, Vereine können Sonderkredite aufnehmen.

Die Hamburger Polizei ahndet Verstöße gegen die Corona-Regeln, der Fahrdienst Moia stellt am 20. März den Betrieb ein. Die erste Drive-In-Teststation wird eröffnet, die Zahl der Corona-Infizierten liegt nun bei 664. Ansammlungen von mehr als sechs Personen werden untersagt, alle Restaurants geschlossen, Bund und Länder denken über Ausgangssperren nach. Hamburgs Gesundheitsämter stocken ihr Personal auf.

Videobotschaften von der Kirche

Erste Kirchengemeinden übertragen ihre Predigten per Video - um ihren Mitgliedern seelischen Beistand zu geben, zum Beispiel macht es so am 22. März die St. Martinus Gemeinde in Eppendorf. Und Hamburgs evangelische Bischöfin Kirsten Fehrs hat es kurz voher in einer Video-Botschaft als "Gottesdienst im Alltag" bezeichnet, Achtsam zu sein und sich andere vor einer Infektion mit dem Corona-Virus zu schützen und denen im persönlichen Umfeld zu helfen, die jetzt Unterstützung brauchen.

Restaurants müssen schließen

Eine geschlossene Strandbar am Elbstrand bei Övelgönne. © picture alliance/dpa Foto: Daniel Bockwoldt
Im März müssen Gastronomie-Betriebe schließen.

Am 23. März werden die Einschränkungen verschärft: Nun werden Versammlungen von mehr als zwei Personen in ganz Deutschland verboten. Ausgenommen werden Angehörige, die im eigenen Haushalt leben. Gastronomie-Betriebe werden geschlossen. Davon ausgenommen ist die Lieferung und Abholung mitnahmefähiger Speisen für den Verzehr zu Hause. Auch Dienstleistungsbetriebe im Bereich der Körperpflege wie Friseure, Kosmetikstudios, Massagepraxen, Tattoo-Studios und ähnliche Betriebe werden geschlossen. Bestattungen können nur noch im engsten Kreis stattfinden. Insgesamt gibt es nun 1.200 Corona-Fälle in Hamburg. "Wir machen diese sehr weitreichenden Maßnahmen, damit wir diejenigen, die schwer erkranken gut in den Krankenhäusern behandeln können", begründet Bürgermeister Tschentscher die erneuten Verschärfungen im Hamburg Journal. Erster Corona-Toter, freiwillige Helfer in Kliniken

Am 25. März wird der erste Todesfall in Zusammenhang mit dem Coronavirus in Hamburg bestätigt. Bei den Krankenhäusern melden sich mehr als 1.000 freiwillige Helferinnen und Helfer, die Kliniken rüsten sich für weitere Corona-Fälle. Im Elbschlosskeller werden Bedürftige versorgt und Hamburg beschließt, dass Abiturprüfungen stattfinden. Erst am 20. April werden diese Maßnahmen wieder gelockert. Bis heute beschäftigt die Corona-Pandemie die Menschen weltweit.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 11.03.2021 | 11:20 Uhr

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