Coronavirus: Wie sich Langzeitfolgen auswirken können

Stand: 15.04.2021 20:55 Uhr

Am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) werden Spätfolgen von Covid-19-Infektionen untersucht. Das Hamburg Journal hat Betroffene besucht.

Eine 14-Jährige sitzt nach einer Covid-19-Infektion mit ihrer Mutter auf einem Sofa.
Mit ihrer Mutter aus dem Sofa: Die 14-jährige Charlotte ist häufig müde.

Charlotte ist 14 Jahre alt und war immer sportlich. Ihre Leidenschaft ist Hockey. Dass es sie mal anstrengen würde, mit dem Hund durch den Garten zu gehen, hätte sie nie gedacht. Doch vor einem Jahr erkrankte sie an Corona, seitdem ist alles anders: "Ich habe durchgehend Kopf- und Bauchschmerzen. Ich kann mich nicht konzentrieren, kann Leuten nicht zuhören und bin die ganze Zeit müde", sagt die 14-Jährige. 18 Stunden habe sie am Anfang geschlafen, nun zwinge sie sich täglich, drei Stunden für die Schule zu arbeiten und dabei ihre Dauerschmerzen auszuhalten. All das strenge sie stark an, genau wie ein Buch zu lesen. "Wenn ich einen Absatz lese, muss ich ihn wiederholen, damit ich weiß, was damit gemeint ist. Ich habe vor Kurzem ein Buch angefangen und weiß jetzt schon nicht mehr, was darin vorkommt."

Spätfolgen durch Corona werden gerade erst entdeckt und erforscht. Entsprechend schwierig war es für Charlottes Mutter, mit den Beschwerden ihrer Tochter ernst genommen zu werden. "Es gab keinen Arzt, der gesagt hat: 'Ich kriege raus, was dieses Kind hat und mache es wieder gesund'", erzählt sie. "Ganz viele Fachärzte haben irgendwann gesagt: 'Sie ist organisch gesund, dann ist es wohl psychosomatisch'."

"Zigarettenrauch gerochen, wo keiner war"

Die Anästhesistin Silke von Witzendorff spricht über Lanzeitfolgen einer Covid-19-Infektion.
Anästhesistin Silke von Witzendorff hat Fehlwahrnehmungen.

Mit Corona-Spätfolgen kämpft auch Silke von Witzendorff. Die Anästhesistin war nach der Covid-19-Infektion noch Monate lang kurzatmig, dann kamen andere Probleme dazu: "Ich habe Zigarettenrauch gerochen, wo keiner war." Fehlwarnehmungen des Geruchssinns würden jetzt dafür sorgen, dass sie Dinge verfremdet riechen würde, die sie früher gern mochte. Gerüche beispielsweise von Paprika oder Cola würde sie jetzt als "unangenehm bis ekelhaft" wahrnehmen.

Entlassene Patienten haben häufig Symptome

Hans Klose leitet aktuell eine Studie am UKE zu Spätfolgen. "Wenn wir Covid-Patienten aus Krankenhausentlassungen nachverfolgen, dann haben mindestens 50 Prozent davon in den ersten Monaten ein Symptom", sagt der Lungen-Facharzt. "Und wir haben gelernt: Je schwerer die Erkrankung war, desto häufiger sind die Spätfolgen."

Geringes Risiko bei leichten Verläufen

Allerdings würden Patientinnen und Patienten mit leichten Verläufen nur zu fünf Prozent Spätfolgen entwickeln. "Wir haben jetzt einen Überblick über die ersten sechs Monate und können sagen: Erfreulicherweise nehmen die Beschwerden im Verlauf ab. Der Großteil der Patienten berichtet über eine deutliche Besserung." Wie schnell diese eintritt, sei jedoch bei jedem anders.

Corona-Spätfolgen, vor allem die Unterscheidung zu anderen Erkrankungen, werden am UKE weiter erforscht. Betroffene sollten sich nicht überfordern, um in kleinen Schritten zum Ziel zu kommen.

Weitere Informationen
Hans Klose, Chefarzt der Abteilung für Lungenkrankheiten am UKE im Interview mit dem Hamburg Journal

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 15.04.2021 | 19:30 Uhr

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