Corona in Hamburg: Wie geht es weiter in der Pandemie?

Stand: 10.06.2021 09:51 Uhr

Mehrere Hundert Fragen rund um das Thema Corona-Pandemie: Das Interesse am Video-Chat am Mittwochabend mit Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) war groß. Die meisten Fragen drehten sich rund um das Thema Impfen.

Die Impfbereitschaft sei weiterhin sehr groß, sagte Leonhard: "Wir haben viel, viel mehr Anfragen von Menschen, die sich gerne impfen lassen wollen, als wir im Moment bedienen können, was uns sehr betrübt." Hamburg bekomme verglichen mit seiner Bevölkerung noch sehr wenig Impfstoff. "Das haben wir auch bei der Bundesregierung schon mehrfach angemerkt", so Leonhard. Nun gebe es eine Zusage, dass das ausgeglichen werde, damit Hamburg auch eine Chance habe, zu einer besseren Impfquote zu kommen.

Keine Wartelisten

Viele Userinnen und User beklagten, dass es schwer sei, an einen Impftermin zu kommen. Die Senatorin erklärte, sie sei sich sicher, dass alle in einer Priorisierungsgruppe einen Termin erhielten. Wegen des Mangels an Impfstoff halte man ja darum auch an der Priorisierung im Impfzentrum fest. "Wartelisten führen wir nicht. Einfach aus dem Grund, weil wir jeden Termin, der nicht wahrgenommen wurde, wieder ins System eingeben, damit der neu gebucht werden kann." Durch Wartelisten gehe wertvolle Zeit verloren. Doch wenn die Impfpriorisierung auch in den Messehallen aufgehoben werden könne, kämen auch die Menschen dran, die keinen Hausarzt hätten und sich nicht anderweitig einen Termin besorgen konnten. Wenn die Impfstoffmenge insgesamt wachse, könnten auch die Betriebsärzte mehr Impfstoff bekommen. Ob nach einer Zweitimpfung zu einem späteren Zeitraum eine Auffrischungs-Impfung nötig sei, werde noch sehr intensiv erforscht. "Perspektivisch soll es aber so sein wie bei allen anderen Impfungen auch. Dass man die dann in den normalen Impfzentren der Stadt, bei den Gesundheitsämtern oder bei den niedergelassenen Ärzten irgendwann ganz selbstverständlich bekommt", sagte Leonhard.

Geimpft mit AstraZeneca: Was nun?

Viele Fragen stellten Userinnen und User zum Thema Kreuzimpfungen. Leonhard erklärte, es habe bei Menschen unter 60 Jahren zum Teil zu schwere Nebenwirkungen gegeben. Das seien zwar sehr wenige Einzelfälle, dennoch hätten sich die Zulassungsbehörden und auch die Ständige Impfkommission (Stiko) sowie das Paul-Ehrlich-Institut in Berlin noch einmal genau mit den Impfstoffen auseinandergesetzt. Dabei sei empfohlen worden: Wer unter 60 Jahre alt ist, soll seine zweite Impfung dann nicht mehr mit AstraZeneca bekommen, sondern mit einem mRNA Impfstoff. "Das hat eine gleich gute Schutzwirkung und schützt eventuell besser vor unerwünschten Nebenwirkungen", so die Senatorin. Wer sich im Impfzentrum impfen ließe, könne sich den Impfstoff für die Zweitimpfung nicht aussuchen. Bei niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten könne nach einem Gespräch entschieden werden, was die beste Lösung sei.

Digitaler Impfpass bald verfügbar

Ab der kommenden Woche sei auch im Impfzentrum ein digitales Zertifikat vorhanden, also ein digitaler Impfpass. "Für alle anderen wird es eine nachträgliche Übertragungslösung geben, die hoffentlich sehr bequem wird. Da warten wir noch auf so ein paar Daten vom Bundesgesundheitsministerium", sagte Leonhard. Menschen, die nicht im Impfzentrum geimpft wurden, könnten das zum Teil sowohl bei den Ärztinnen und Ärzten, als auch bei den Apothekerinnen und Apothekern nachtragen lassen. Man solle der Sache ein wenig Zeit geben. "Der Impfpass geht zum Reisen ganz wunderbar, der ist überall anerkannt. Das ist nicht umsonst ein internationaler", sagte Leonhard. Wenn man Reisen wolle, sei es wichtig, sich beim Robert-Koch-Institut und auch beim Auswärtigen Amt darüber zu informieren.

Kinder und Jugendliche in der Pandemie

"Natürlich leiden junge Menschen extrem. Die haben vor allen Dingen unter den Kontaktbeschränkungen extrem gelitten. Ganz viel an Freizeitvergnügen konnte nicht stattfinden. Das ist aber wichtig beim Aufwachsen", sagte Leonhard. Für sie gebe es passgenaue Angebote. "Nicht alle brauchen auch eine Therapie beim Therapeuten." Es gebe Angebote, die einer Therapie vorgeschaltet sind, zum Beispiel über die regionalen Bildungs- und Betreuungszentren. "Wir kriegen häufig gespiegelt, dass jungen Menschen der Wiedereinstieg in die Schule schwer fällt und zwar nicht aus Lärmschutzgründen, sondern einfach, weil sie mit der sozialen Umgebung plötzlich überfordert sind", sagte die Senatorin. Die Jugendhilfe in Hamburg habe auch hierzu Angebote, die einen guten Übergang zur Therapie böten. "Es gibt was für junge Menschen", sagte Leonhard. Das müsse aber nicht immer die Therapie sein. "Viele brauchen jetzt erstmal Freiheit, Sicherheit und Lebensfreude."

Impfungen für Kinder: Vorerst kein zentrales Impfangebot

Zu Impfungen für Kinder und Jugendliche sagte Leonhard, man halte sich streng an die Empfehlungen der Stiko. Bei Impfungen für vorerkrankte Kinder sei ein Gespräch beim Kinderarzt oder dem Facharzt erforderlich. "Das ist der Grund, warum wir im Moment nicht zentral impfen werden." Sollte es von der Stiko eine Impfempfehlung geben, "kann ich mir gut vorstellen, dass wir auch staatlicherseits ein zentrales Impfangebot machen", so Leonhard.

Kitas und Schulen: Was ist geplant?

Für Schulen und Kitas gebe es ein Budget für Hygienemaßnahmen. "Daraus finanzieren wir zum Beispiel diese Antigen-Schnelltests, die jetzt überall zum Einsatz kommen. Das ist eine eine wichtige Sache. Dann gibt es zum Beispiel Masken fürs Lehrpersonal und andere Dinge", so Leonhard. Lolli-Tests eigneten sich nur bedingt für unter Dreijährige. Wofür man das Budget für Hygiene-Maßnahmen einsetze, "entscheidet man dann am besten zu dem Zeitpunkt." Je nachdem, "was es gerade am Markt für gute, sichere und vor allen Dingen ordentlich anwendbare Produkte gibt".

Hilfe für ärmere Stadtteile

Die Pandemie hat gezeigt, wie groß die Unterschiede zwischen sozial benachteiligten Vierteln und wohlhabenderen Gegenden ist. "Wir wussten immer, dass Gesundheit etwas ist, was auch ein bisschen davon abhängt, in was für einer Lebenssituation man sich befindet. Das hat uns nicht erst die Pandemie gezeigt", sagte Leonhard. Es gebe große Bemühungen, zum Beispiel durch verstärkte Aufklärungsaktionen von Gesundheitsämtern vor Ort und durch besondere Gesundheitsförderungsangebote, wie die frühen Hilfen für junge Eltern, in Stadtteilen die Lage zu verbessern. Arztpraxen in Stadtteilen, wo es nicht so viele Ärztinnen und Ärzte gebe, würden mit zusätzlichem Impfstoff ausgestattet. "Was wir auch machen, ist, dass wir zum Beispiel mit solchen Projekten wie Impfen im Jobcenter nochmal besonderen Zielgruppen besondere Impfangebote machen." Auch gebe es mobile Impfteams, um bestimmte Zielgruppen noch einmal ganz besonders zu erreichen und ihnen ein Impfangebot zu machen.

Sorge wegen der Virus-Varianten

Zu den Coronavirus-Varianten sagte Leonhard, sie sei etwas angespannt, wenn man sehe, wie es gerade in Großbritannien zugehe. Man könne nicht ausschließen, dass sich die Lage wieder verschlechtert. Eine einzige Impfung schütze noch nicht richtig vor Ansteckung, man brauche einen vollständigen Impfschutz. "Und jetzt können wir ja alle rechnen, wie wir so vorankommen", sagte Leonhard.

Weitere Informationen
Dirk Heinrich, ärztlicher Leiter des Impfzentrums Hamburg. © picture alliance/dpa | Georg Wendt Foto: Georg Wendt

Video-Chat mit Dirk Heinrich vom Hamburger Impfzentrum

Der ärztliche Leiter des Hamburger Impfzentrums Dirk Heinrich hat Ihre Fragen rund um die Corona-Impfung beantwortet. mehr

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Finanzsenator Dressel über Hilfen in der Corona-Pandemie

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 10.06.2021 | 20:15 Uhr

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