Stand: 16.07.2020 16:24 Uhr  - NDR 90,3

Corona-Krise: Bordelle wollen wieder öffnen

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Seit Monaten herrscht auf dem Kiez wegen der Corona-Pandemie abends nur wenig Betrieb.

Bei einem Tag der offenen Tür haben Hamburger Sexarbeiterinnen aus der Herbertstraße auf St. Pauli ein eigenes Konzept für die Corona-Zeit vorgestellt. Mit Masken, Kondomen, strikten Hygieneregeln und abstandswahrenden Sexstellungen könnten ihre Dienstleistungen ohne erhöhtes Infektionsrisiko angeboten werden, sagten am Donnerstag Mitglieder der Gruppe "Sexy Aufstand Reeperbahn", die eine Wiederzulassung des Bordellbetriebs fordern. Bundesweit wollten Bordelle sowie Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter am Donnerstag dafür werben, dass die Prostitution trotz der Corona-Pandemie wieder erlaubt wird. In Hamburg gilt zunächst bis Ende August noch ein Verbot.

Bezirksamtsleiter Droßmann zeigt Verständnis

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Der Leiter des Bezirksamts Mitte, Falko Droßmann (SPD), äußerte Verständnis. Durch das coronabedingte Verbot verlagere sich das Sexgeschäft in die Illegalität. "Aber die einzigen, die es sauber machen, die es legal machen, die sozialversichert sind und es freiwillig machen, die dürfen nicht", sagte Droßmann.

Bordelle wollen unter Auflagen wieder öffnen

In Hamburg sind nach Angaben der Sozialbehörde rund 2.100 Personen nach den Bestimmungen des Prostituiertenschutzgesetzes angemeldet. Experten gehen von einer doppelt so großen Anzahl aus. In der Sozialbehörde wird bereits über mögliche Konzepte für eine Wiedereröffnung von Prostitutionsstätten nachgedacht. Anfang September könne voraussichtlich eine angepasste Verordnung in Kraft treten, heißt es. In anderen EU-Staaten wie Österreich oder Belgien dürfen Bordelle bereits wieder arbeiten.

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Mit Plakaten am Eingang der Herbertstraße demonstrierten Sexarbeiterinnen am Donnerstag für eine Lockerung der Corona-Einschränkungen.
St. Pauli: Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter protestieren

Bereits am vergangenen Sonnabend hatten auf St. Pauli etwa 400 Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter sowie Bordellbetreibende für eine Wiedereröffnung der Prostitutionsstätten demonstriert. Die Betroffenen forderten, in genehmigten Betriebsstätten mit Hygienekonzepten wieder arbeiten zu dürfen. Denn Berufsverbände fürchten, dass viele Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter aus Existenznot illegal weiter arbeiten, ohne Hygienevorschriften einzuhalten. Johanna Weber vom Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen sagte, die Betroffenen seien besonders mit Hygiene- und Schutzmaßnahmen vertraut. Dennoch werde ihnen hierzulande scheinbar kein verantwortungsvoller Umgang mit Corona-Schutzmaßnahmen zugetraut.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 16.07.2020 | 08:00 Uhr

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