Eine Spritze holt Flüssigkeit aus einem Behälter dahinter sind Symbole von Viren. © picture alliance Foto: Klaus Ohlenschläger

Corona-Impfstoff: Erprobung am UKE geht in heiße Phase

Stand: 02.10.2020 20:10 Uhr

Am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) geht die Erprobung eines Corona-Impfstoffes in die heiße Phase. Zunächst soll der Wirkstoff an wenigen gesunden Freiwilligen getestet werden.

Entwickelt wurde der Impfstoff in Marburg vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung und einem Pharma-Unternehmen aus Sachsen-Anhalt. Getestet wird er aber in Hamburg.

Test an 30 Freiwilligen

Erst einmal geht es darum, an 30 Freiwilligen im Alter von 18 bis 55 Jahren zu prüfen, wie sicher und wie verträglich der Wirkstoff ist und ob das Immunsystem überhaupt auf den Impfstoff reagiert. Sollte dieser erste Durchlauf erfolgreich sein, wird der Impfstoff in zwei weiteren Phasen getestet - Beginn dafür könnte schon Ende des Jahres sein. Erst danach kann er zugelassen werden.

VIDEO: Corona-Impfstoff: UKE führt Tests an 30 Freiwilligen durch (6 Min)

Immunsystem soll Abwehrstoffe bilden

Der Wirkstoff, der jetzt am UKE getestet wird, ist ein sogenannter Vektor-Impfstoff. Er basiert auf Viren, die für den Menschen harmlos sind. Sie sollen Teile des Erbmaterials des Coronavirus in die menschlichen Zellen einschleusen, damit das Immunsystem Abwehrstoffe entwickeln kann. Marylyn Addo, Leiterin der Infektiologie des UKE, leitet die klinische Studie als verantwortliche Prüfärztin.

Fegebank gratuliert zu "Meilenstein"

Es ist schon die dritte klinische Studie für einen Corona-Impfstoff in Deutschland, die jetzt am UKE beginnt. Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) sagte: "Ich gratuliere Frau Professorin Addo und ihrem gesamten Team am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zu diesem ersten Meilenstein auf dem Weg zu einem wirksamen Corona-Impfstoff. Es freut mich außerordentlich, dass Hamburger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit ihrer herausragenden Forschungsarbeit einen entscheidenden Beitrag dazu leisten können, die Pandemie wirksam zu bekämpfen."

Größere Studie soll folgen

In der zweiten, umfangreicheren Studienphase sollen weitere Probandengruppen - darunter auch ältere Menschen - in die Tests einbezogen werden, erklärte Addo. An diesen Studien werden neben dem UKE unter anderem auch die Unikliniken in Tübingen, Marburg und München beteiligt sein.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 02.10.2020 | 12:00 Uhr

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