Corona: Hamburg weitet 2G-Modell ab Sonnabend aus

Stand: 17.11.2021 13:03 Uhr

Hamburg verschärft die Corona-Regeln: Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) erklärte am Dienstag, dass das 2G-Modell ab kommenden Sonnabend ausgeweitet werde.

"Dort wo die Infektionsgefahr einfach höher ist, als sonst, dort muss jetzt die 2G-Regelung greifen", sagte Tschentscher in der Landespressekonferenz. Ab kommenden Sonnabend müsste die Gastronomie den 2G-Modus wählen, dies gelte für Restaurants, Clubs und Bars und Bordelle, außerdem für die gastronomischen Bereiche in Einrichtungen und auf Weihnachtsmärkten.

Keine 2G-Regelung beim Friseur

Auch körpernahe Dienstleistungen mit Ausnahme von medizinischen Behandlungen und Friseurinnen und Friseuren könnten dann nur noch nach dem 2G-Modell genutzt werden. Dies gelte auch für Sport in geschlossenen Räumen. "Überall dort, wo starke körperliche Aktivität zu viel Atemarbeit, zu viel Aerosolbildung führen können, wollen wir und müssen wir jetzt diese 2G-Regelung treffen", so Tschentscher. Freizeit-Chöre und Orchester seien ebenfalls nur noch unter dem 2G-Modell möglich. Keine Verschärfungen gibt es vorerst im Einzelhandel und im öffentlichen Nahverkehr.

Kinos und Theater: Wo am Platz verzehrt wird, soll 2G gelten

Auch sogenannte Verzehr-Theater oder Verzehr-Kinos, also Kultureinrichtungen, wo am Platz gegessen und getrunken wird, müssen laut Enno Isermann, dem Sprecher der Hamburger Kulturbehörde, ab Sonnabend auf 2G umstellen: "2G ist nur da verpflichtend, wo auch konsumiert wird. Das gilt auch für Kinos, die Popcorn, Cola oder Bier zum am Platz Konsumieren verkaufen." Falls nichts verzehrt werde, könnten die Einrichtungen auch weiter 3G anwenden. "Es ist aber so, dass schon heute die allermeisten Kultureinrichtungen freiwillig 2G machen", betont Isermann. "Und nach allem, was wir hören, werden dies noch mehr Betriebe umsetzen."

Ausnahmen für Kinder und Jugendliche

Das 2G-Modell gelte für fast alle - nur Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren und Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen könnten, seien davon ausgenommen. Beim 2G-Modell dürfen nur Geimpfte und Genesene eingelassen werden. Rund 2.000 Einrichtungen nutzen es in Hamburg bereits. "Das 2G-Modell ist etabliert, es funktioniert", sagte Tschentscher. Die Erfahrung sei, dass es damit nur sehr selten zu Corona-Ausbrüchen komme.

Hamburg hat niedrigste Hospitalisierungsrate

Hamburg habe die niedrigste Hospitalisierungsrate von allen Bundesländern. "Wir sind noch in einer stabilen, moderaten Lage, aber wir müssen vorsichtig sein", so Tschentscher. Deshalb habe der Senat beraten, dass er weiterhin auf den Impfschutz setze. Die meisten Infektionen gebe es bei Menschen ohne vollständigen Impfschutz. Impfdurchbrüche gebe es zwar auch, doch sie seien "sehr selten". Auch wenn das Impfzentrum geschlossen sei, die Impf-Aktivität der Stadt sei nicht eingestellt worden, sagte Tschentscher. "Wir haben wirklich im Impfen ein Bundesland nach dem anderen überholt."

Tschentscher wirbt weiter für Corona-Impfungen

Das liege auch daran, dass Hamburg "eine gute Impfkampagne" hatte. "Diese hohe Impfquote ist der Deich, der uns vor der vierten Welle schützt", sagte Tschentscher. Das sei das Entscheidende in der Pandemie-Bekämpfung - "nicht das Testen, sondern die Impfung schützt vor Infektionen und vor schweren Erkrankungen", so der Bürgermeister. Er appellierte: "Nehmen Sie die Impfangebote in Anspruch, entscheiden Sie sich für diese Impfung. Sie bietet den bestmöglichen Schutz in dieser Phase der Pandemie und sie schützt vor allem uns in unserem Gesundheitswesen vor einer Überlastung."

2G in der Gastronomie seit August

Hamburg hatte das 2G-Optionsmodell im August als erstes Bundesland für sogenannte Publikumseinrichtungen wie Restaurants, Bars, Kinos oder Theater eingeführt. Später kamen der Einzelhandel und körpernahe Dienstleistungen wie Friseursalons hinzu. Ausgenommen vom Optionsmodell sind Angebote des täglichen Bedarfs wie Supermärkte, Drogerien oder Apotheken sowie Bildungsstätten und Einrichtungen der sozialen Teilhabe.

Grundsätzliches Verständnis bei Oppositionsparteien

Die oppositionelle CDU trägt den Kurs des rot-grünen Senats grundsätzlich mit. Fraktionschef Dennis Thering fordert aber mehr Tempo bei den sogenannten Booster-Impfungen. "Jeder, der möchte, muss jetzt eine Impfung bekommen durch viele niedrigschwellige Angebote in den Stadtteilen, dafür werden wir uns auch weiterhin einsetzen", so Thering am Dienstag. Das sieht auch die Linke so: Der Senat liege aber falsch, wenn er allein auf die schärferen 2G-Regeln setze, um die vierte Welle zu brechen, sagt ihr Gesundheitspolitiker Deniz Celik. Aus Sicht der AfD sind Ungeimpfte dagegen der Sündenbock in der Pandemie.


16.11.2021 17:21 Uhr

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, dass auch für Kinos und Theater die 2G-Regel verpflichtend eingeführt wird. Dies ist jedoch nicht der Fall.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 16.11.2021 | 15:00 Uhr

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