Peter Tschentscher (SPD),  Hamburgs Erster Bürgermeister, spricht über neue Corona-Beschlüsse. © Pressestelle des Senats

Corona-Gipfel: Hamburg trägt Lockerungen trotz Bedenken mit

Stand: 04.03.2021 08:04 Uhr

Der Lockdown zur Bekämpfung der Corona-Pandemie wird grundsätzlich bis zum 28. März verlängert, allerdings mit vielen Öffnungsmöglichkeiten je nach Infektionslage. Das haben Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder am Mittwoch vereinbart.

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sprach nach den rund neunstündigen Beratungen in einer ersten Stellungnahme im Hamburger Rathaus von einem "großen Schritt in Richtung Öffnung." Er fügte hinzu: "Ich bleibe bei meiner sehr skeptischen Haltung, dass wir die Auswirkung der Mutationen noch nicht in vollem Umfang erkennen". Deshalb brauche es für die "auf besonderen Wunsch einiger Länder" beschlossenen Lockerungen noch mehr Disziplin bei der Einhaltung der bestehenden Maßnahmen. Ein "Rückfall" und wieder eskalierende Infektionszahlen müssten dringend verhindert werden. "Alle müssen wissen, dass wir nicht am sicheren Ufer sind", warnte Tschentscher. Es sei aber zum ersten Mal ein umfassendes Konzept mit mehreren Stufen erörtert worden, bei dem ein Schritt zum anderen passe.

Im Interview mit NDR Info am Donnerstagmorgen bezeichnete Tschentscher den Stufenplan als "ein gutes Konzept in einer Zeit, in der wir noch nicht ausreichend geimpft haben".

Begrenzungen privater Kontakte werden gelockert

Die strenge Begrenzung privater Kontakte im Kampf gegen die Corona-Pandemie soll ab dem 8. März gelockert werden. Vom kommenden Montag an sollen wieder private Zusammenkünfte des eigenen Haushalts mit einem weiteren Haushalt möglich sein, jedoch beschränkt auf maximal fünf Personen plus Kinder bis 14 Jahre. Darauf haben sich Bund und Länder in ihren Beratungen am Mittwoch verständigt. Steigt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner innerhalb von sieben Tagen (Inzidenz) an drei aufeinander folgenden Tagen auf über 100, werden die Kontakte wieder auf einen Haushalt und eine weitere Person beschränkt. Diese Notbremse bei einer Inzidenz über 100 soll auch für alle anderen Öffnungsschritte gelten.

Buchhandlungen, Blumengeschäfte und Baumärkte

Eine Grafik zeigt die Öffnungsschritte für die nächsten Wochen. © Niedersächsischen Staatskanzlei
Bund und Länder sehen in ihrem Beschluss fünf Öffnungsschritte vor - die Umsetzung in den Ländern kann abweichen.

Nachdem in den vergangenen Wochen in einigen Bundesländern eine schrittweise Öffnung von Baumärkten oder Blumengeschäften eingeleitet wurde, soll dies nun bundesweit ab 8. März möglich sein. Dann sollen neben den Friseurläden auch in Hamburg Baumärkte, Blumengeschäfte, Gartencenter und Buchläden wieder öffnen dürfen.

Einzelhandel, Zoos und Museen

Weitere Lockerungen sollen von der Entwicklung der Infektionslage abhängig gemacht werden. So könnten schon bei einer stabilen Inzidenz unter 100 der Einzelhandel, Museen, Zoos, botanische Gärten und Gedenkstätten unter Auflagen wieder öffnen. Der Besuch soll hier ausschließlich mit Terminvergabe wieder möglich sein. Bei einer Inzidenz unter 50 soll es weitere Lockerungen in diesen Bereichen geben.

Gastronomie, Theater, Konzerthäuser, Kinos

Bei einer Inzidenz unter 50 und frühestens ab dem 22. März sollen Außengastronomie, Theater, Konzert- und Opernhäuser sowie Kinos begleitet von Vorsichtsmaßnahmen wieder öffnen können. Bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 soll die Außengastronomie nur mit Terminbuchung gestattet werden. Für den Besuch von Theatern, Konzert- und Opernhäusern sowie Kinos würden tagesaktuelle Schnell- oder Selbsttests vorgeschrieben. Bei einer Inzidenz über 100 soll auch hier die Notbremse greifen.

Sport im Außenbereich

Bei einer Inzidenz unter 100 soll auch Individualsport alleine oder zu zweit sowie Sport in Gruppen von bis zu zehn Kindern bis 14 Jahren im Außenbereich wieder erlaubt werden. Bei einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz von unter 50 fallen die Auflagen weg oder werden abgeschwächt. Dann soll auch kontaktfreier Sport in kleinen Gruppen im Freien wieder möglich sein.

Inzidenz: Richtwert von 35 wieder auf 50 gesetzt

Mehrere Länder hatten vorab gefordert, den beim letzten Treffen ausgehandelten Richtwert bei der Inzidenz von 35 wieder gegen einen Richtwert von 50 auszutauschen. Aufgrund der neuen Möglichkeiten zur vermehrten Durchführung von Schnell- und Selbsttests sowie der zunehmenden Verfügbarkeit von Impfstoffen hat man sich bei den Gesprächen darauf geeinigt, einen Inzidenzwert von 50 für weitere Öffnungsschritte zugrunde zu legen. Tschentscher sprach hier von "einer Unsicherheitsstufe mehr".

Corona-Impfungen ab April in Hausarztpraxen

Bund und Länder haben sich zudem darauf geeinigt, dass Hausarztpraxen in wenigen Wochen in die Impfstrategie einbezogen werden sollen. Die rund 60.000 Hausärzte sollen demnach spätestens im April Impfungen durchführen, wenn ausreichend Impfstoff für die Verteilung auch in der Fläche zur Verfügung steht. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will ab der kommenden Woche eine Pilotphase starten. Das Gesundheitsministerium hatte zuvor betont, dass die Länder selbst über den Einsatz von Hausärzten zum Impfen entscheiden könnten.

Nächster Corona-Gipfel am 22. März

Die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten wollen am 22. März über weitere Schritte beraten. Wie genau die am Mittwoch vereinbarten Beschlüsse in Hamburg umgesetzt werden, will Bürgermeister Tschentscher nach einer Senatssitzung am Donnerstag erläutern.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 04.03.2021 | 06:00 Uhr

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