Stand: 02.08.2020 06:47 Uhr  - NDR 90,3

Corona: Alkoholverbote in Hamburg zeigen Wirkung

Polizisten gehen im Schanzenviertel durch das Schulterblatt. © picture alliance/dpa Foto: Daniel Bockwoldt
Weniger feiernde Menschen auf den Straßen: Die Polizei zeigt sich zufrieden.

Weniger Alkohol, weniger Gruppen von Feiernden und dadurch ein besserer Schutz vor dem Coronavirus: Diese Formel ist nach ersten Erkenntnissen von Polizei und Behörden am Wochenende aufgegangen. Wie schon in der Nacht zuvor waren auch in der Nacht zum Sonntag weniger Feiernde in St. Pauli, im Schanzenviertel oder in Ottensen unterwegs als an den Wochenenden zuvor. Zwar zog das warme Sommerwetter wieder zahlreiche Menschen auf die Straßen, doch die hielten sich in den Ausgehvierteln besser an die Corona-Abstandsregeln.

Alfred Behrnd vom Bezirksamt Altona sagte NDR, 90,3 am Samstagabend: "Wir sind heute wirklich erstaunt, wie wenig Publikum da ist. Offensichtlich scheint die Allgemeinverfügung Früchte zu tragen." Weder an Kiosken noch an Supermärkten oder Tankstellen gab es auf dem Kiez, im Schanzenviertel oder in Ottensen Alkohol zu kaufen. Nutznießer der Alkohol-Verkaufsverbote waren viele Gastwirte. Denn gefeiert wurde trotzdem - allerdings weniger wild auf der Straße, stattdessen mehr in Bars, Kneipen und Cafés.

Polizei registriert Verstöße

Die Polizei registrierte bei ihren Kontrollgängen im Stadtteil St. Pauli allerdings auch zahlreiche Verstöße gegen die Corona-Regeln, wie das Hamburg Journal im NDR Fernsehen berichtete. In vielen Betrieben wurde die Maskenpflicht für das Personal nicht befolgt, außerdem wurden die vorgeschriebenen Gästelisten nicht gepflegt.

Feiernde Menschenmassen in den vergangenen Wochen

An den vergangenen Wochenenden hatten sich in St. Pauli, im Schanzenviertel und in Altona an einigen Plätzen Hunderte Menschen versammelt, oft ohne auf den Sicherheitsabstand zu achten. Daraufhin hatten die Bezirke Altona, Eimsbüttel und Hamburg-Mitte am Donnerstag per Allgemeinverfügung ein Verkaufsverbot für Alkohol zum Mitnehmen erlassen. Freitag, Sonnabend und Sonntag - jeweils von 20 Uhr bis 6 Uhr - durften und dürfen Kneipen, Bars, Cafés, Kioske, Tankstellen und Supermärkte keinen Alkohol zum Mitnehmen verkaufen. Das mindere die Attraktivität des öffentlichen Raums für solche Zusammenkünfte und verringere so das Risiko, dass sich überhaupt große Ansammlungen bildeten, heißt es in der Allgemeinverfügung.

Fegebank verteidigt Auflagen

Videos
Die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank
4 Min

Fegebank: Lage hat sich etwas entspannt

"Die Lage hat sich nicht verschärft": Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank bewertet die Folgen des Alkohol-Verkaufsverbots positiv. 4 Min

Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) zeigte sich am Sonnabend erleichtert. Im Hamburg Journal des NDR Fernsehens sagte Fegebank, die Lage habe sich nicht verschärft, im Gegenteil. Die strikteren Auflagen seien notwendig, um die Hamburgerinnen und Hamburger in der Corona-Pandemie zu schützen. Es handle sich zwar um Einschnitte in die Freiheitsrechte, die Gesundheit sei aber das höchste Gut.

Montag wird Bilanz gezogen

"An den letzten Wochenenden war es einfach zu viel im öffentlichen Raum", sagte Falko Droßmann, Leiter des Bezirksamtes Hamburg-Mitte, am Freitagabend. "Deshalb haben wir dieses Mal gesagt, wir schränken den sogenannten Gassenverkauf ein. Das ist ein Tritt vors Schienbein und ich hoffe, dass es dabei bleibt." Erstmal gilt die Allgemeinverfügung nur für dieses Wochenende. Am Montag soll dann Bilanz gezogen werden, was das Alkohol-Verkaufsverbot am Wochenende gebracht hat. Ob die Verbote danach beibehalten oder sogar noch ausgeweitet werden, soll in der kommenden Woche entschieden werden.

 

Weitere Informationen
Polizisten mit Mund-Nasenschutz im Hamburger Schanzenviertel. © picture alliance / dpa Foto: Axel Heimken

Hamburger Bezirke dürfen Alkoholverkauf verbieten

Der Hamburger Senat hat die rechtlichen Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die Bezirke Alkohol-Verkaufsverbote aussprechen können. Anlass sind feiernde Menschenmengen trotz Corona. (28.07.2020) mehr

Bezirksamtleiter Hamburg-Mitte Falko Droßmann.

Droßmann: Alkohol-Verkaufsverbot "nicht zu spät"

Nach den Feier-Wochenenden trotz Corona soll es wohl ein Alkohol-Verkaufsverbot auf Bezirksebene in Hamburg geben. Falko Droßmann, Bezirksamtsleiter in Hamburg-Mitte, sprach darüber mit dem Hamburg Journal. (27.07.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 02.08.2020 | 08:00 Uhr

Ein Virus schwebt vor einer Menschenmenge (Fotomontage) © panthermedia, fotolia Foto: Christian Müller

Coronavirus in Hamburg: Nachrichten und Hintergründe

Wie geht es Hamburg mit der Corona-Pandemie? Welche Beschränkungen gibt es, welche Lockerungen? Hier finden Sie die aktuellen Zahlen, Nachrichten, Videos und Hintergründe. mehr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

Teilnehmer der "Fridays for Future"-Großdemonstration laufen durch die Hamburger Innenstadt. © picture alliance/dpa Foto: Axel Heimken

Tausende Menschen bei "Fridays for Future" in Hamburg

Drei Protestzüge und massive Staus in der Innenstadt: Tausende Menschen sind mit "Fridays for Future" in Hamburg auf die Straße gegangen. Die Veranstalter sprechen von 16.000 Teilnehmenden. mehr

Ein Virus schwebt vor einer Menschenmenge (Fotomontage) © panthermedia, fotolia Foto: Christian Müller

119 neue Corona-Fälle in Hamburg gemeldet

Es ist der größte Anstieg an Corona-Fällen innerhalb eines Tages seit Mitte April: Seit Donnerstag sind in Hamburg 119 neue Corona-Fälle registriert worden. mehr

Ein umgekippter Kranwagen blockiert die A23 bei Eidelstedt. © TV Elbnews

Autokran auf der A23 umgekippt

Auf der Autobahn 23 ist ein 60 Tonnen schwerer Autokran umgekippt. Die Aufräumarbeiten gestalteten sich schwierig. Die Fahrbahn bei Hamburg-Eidelstedt wurde gesperrt. mehr

Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD), DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla und Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) bei einem Pressetermin zur Fortsetzung der 2017 vereinbarten Smart-City-Partnerschaft. © NDR Foto: Reinhard Postelt

Ziel Modellstadt: Hamburg weiter mit Partner Bahn

Hamburg und die Deutsche Bahn wollen den Nahverkehr digitalisieren. Bürgermeister Tschentscher und Bahn-Vorstand Pofalla unterzeichneten die Smart-City-Partnerschaft. mehr