Abgehängt in der Pandemie: Hamburger Therapiezentrum für Kinder schlägt Alarm

Stand: 15.05.2021 06:26 Uhr

Auch für Kinder sind während der Corona-Pandemie zahlreiche Therapien ausgefallen. Im sozialpädiatrischen Zentrum Billstedt befürchten Ärztinnen und Ärzte, dass diese Kinder abgehängt werden.

Eätoo hat seit frühester Kindheit eine Lernschwäche. Susanne Epplée im sozialpädiatrischen Zentrum Billstedt testet seine Koordination. Nach über einem Jahr Pandemie merkt der 14-Jährige, dass vieles einfach nicht mehr läuft - vor allem, wenn's an Schulaufgaben geht: "Manchmal hat man da gar keine Disziplin und keine Lust. Meine Eltern geben mir sozusagen den Arschtritt, weil ich nicht weiterkomme."

Rückschritte durch Homeschooling

Ärztin Susanne Epplée merkt im Alltag: Ihre Patientinnen und Patienten werden abgehängt. Eätto ist ihr Patient,ich bin seit er klein war, wäre eigentlich nur noch selten zur Kontrolle gekommen. Doch nun spürt er die Rückschritte - im Homeschooling kann die Schule seine Lese- und Rechtschreibschwäche nicht mehr auffangen: "Wenn man zwei Wochen nur vorm Computer saß, dann muss man schon mal nachdenken, wie der Buchstabe war. Das passiert mir in letzter Zeit öfters", sagt Eätto.

Antriebslos in der Pandemie

Auch sein Bruder Emmreä ist heute zur Untersuchung gekommen - denn die Mutter macht sich Sorgen. Sie kann ihre Jungs nur noch schwer motivieren, vor allem der jüngere Sohn wird seit der Pandemie antriebslos, reagiert laut und gestresst auf Ermahnungen. Genau das will sie vermeiden: "Wir sind am Ende und wissen nicht mehr weiter. Wir brauchen jemanden, der uns sagt, wie man Emmreä helfen kann. Corona ist für alle schwer, für ihn ist es besonders schwer, weil er seine Schule nicht besuchen kann", sagt Muttler Kaluy Morales-Garza.

Therapien sind ausgefallen

Das sieht der Elfjährige genau so: "Ich merke, ich hatte dort viel Bewegung, hab richtig abgenommen. Aber jetzt, wo es keinen Sport mehr gibt, ist es so, dass ich schwerer wurde. Hab mich kaum bewegt. Ich mag mein Übergewicht nicht, ich hasse das eigentlich". Ergo- und Lerntherapie sind Corona-bedingt seit dem Frühling 2020 weitgehend ausgefallen. Doch die Brüder wollen etwas an ihrer Situation ändern - jetzt.

Etappenziele vereinbart

Eätto sagt: "Ich will besser und stärker werden im Lesen und Schreiben. Aber alleine schaffe ich das nicht. Darum bin ich auf fremde Hilfe angewiesen". Emmreä hat heute schon sein erstes Etappenziel vereinbart: Er will sich mehr bewegen - ein erster Schritt gegen die Pfunde und für mehr Motivation.

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 14.05.2021 | 19:30 Uhr

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