2G-Optionsmodell in Hamburg gilt: Geteilte Meinungen

Stand: 29.08.2021 12:59 Uhr

In Hamburg zeichnet sich ein geteiltes Echo auf das seit Sonnabend mögliche 2G-Modell ab. Viele Restaurant- und Kneipenwirtinnen und -wirte in Hamburg setzen weiterhin auf 3G. In der Innenstadt freut man sich über den Wegfall der Kontaktverfolgung.

Seit Sonnabend können Gastronominnen und Gastronomen zwar das 2G-Modell anbieten, doch das geht nur dann, wenn die komplette Belegschaft geimpft ist. Viele Restaurant- und Kneipenbetreibende in St. Pauli wollen vorerst beim 3G-Modell bleiben. Ganz anders denken Bar- und Clubbesitzende. Sie wollen, dass die Sperrstunde entfällt, damit wieder getanzt werden kann. Aber: Es tut den meisten leid, dass sie Ungeimpfte jetzt aussperren müssen. Doch die Kassen sind leer, durch das 2G-Modell erhoffen sich die Bar- und Clubbesitzenden Überlebenschancen. 187 Anmeldung seien bislang auf der Anmelde-Plattform registriert worden, schrieb Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) am Sonntagmorgen auf Twitter.

Mitmachen oder nicht?

"Nur mit einer vollen Auslastung funktioniert es für uns wirtschaftlich", sagt auch Julius Horn von der Bar "Freundlich + Kompetent" in Hamburg-Barmbek. Ein Großteil seiner Gäste und die komplette Crew seien geimpft, denen wolle man eine Rückkehr zur Normalität ermöglichen. "Jetzt darf auch wieder getanzt werden - wenn auch nur mit Maske."

Bundesweit einzigartig

Das seit Sonnabend in Hamburg geltende 2G-Optionsmodell ist bislang bundesweit einmalig. Veranstaltende, Wirtinnen und Wirte können damit selbst entscheiden, ob sie nur Geimpfte und Genesene einlassen, die dann weitgehend von den Corona-Einschränkungen befreit sind, oder ob sie weiter das 3G-Modell nutzen wollen - also auch aktuelle Tests akzeptieren. Wer die 2G-Variante nutzen möchte, muss sich über eine Webseite anmelden.

Zu wenig Zeit für die Umsetzung

Café-Betreiberin Fatima Da Silva aus Eimsbüttel, muss mit den Neuerungen für Genese und Geimpfte noch warten. "Am 25. August wird es publik gemacht und am 28. - zack - gilt es schon", sagt Da Silva vom Café Delice. Das sei nicht machbar. "Im Winter ohne Terrasse muss ich mich entscheiden für die 2G-Regelung - ob ich will oder nicht, sonst kann ich nicht überleben."

Keine Kontaktverfolgung mehr im Einzelhandel

In der Innenstadt waren die Neuerungen deutlich spürbar. Denn seit Sonnabend fällt auch die Kontaktnachverfolgung beim Shoppen weg. Das heißt kein Einchecken mehr per Luca-App um ein Geschäft zu betreten, kein Hinterlassen undeutlich geschriebener Adressen mehr. Damit können nicht nur die Shoppenden, sondern auch der Einzelhandel aufatmen. Denn viele Einkaufsfreudige blieben in den letzten Monaten weg. Sie kauften lieber in Städten in der Umgebung ein, in denen keine Kontaktnachverfolgung nötig war, beispielsweise in Lübeck oder Lüneburg. Brigitte Engler vom City Management sagt dazu: "Wir sind froh, der Einzelhandel ist kein Infektionstreiber." Dass die Maßnahme nun zurückgenommen sei, bedeute, "wir haben keinen Wettbewerbsnachteil mehr zu anderen umliegenden Städten".

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Ausnahmen nur für Kinder und Jugendliche

Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre können zunächst noch unabhängig von ihrem Impfstatus an 2G-Angeboten teilnehmen. Diese Ausnahme gilt aber nur sechs Wochen lang, anschließend dann nur noch nur für alle Kinder unter zwölf Jahren. Keine Ausnahmen gibt es dagegen für erwachsene Menschen, die sich wegen einer Vorerkrankung oder etwa einer Schwangerschaft nicht impfen lassen.

Auch private Feiern mit 2G möglich

Private Veranstaltungen und Feiern wie zum Beispiel Hochzeiten können auch mit der 2G-Option stattfinden. Sie müssen nicht angemeldet werden. Dort fällt dann das Abstandsgebot weg. Es gibt keine Begrenzungen der Teilnehmerzahl, es sei denn, es soll getanzt werden. Dann gilt eine Höchstgrenze von 150 Personen und eine Maskenpflicht beim Tanzen. Draußen dürfen unter 2G-Regeln 750 Personen im privaten Rahmen feiern.

Restaurants und Kneipen: Keine Sperrstunde mehr mit 2G

In Gaststätten, in denen die 2G-Option gilt, können Tische wieder beliebig platziert werden, Masken müssen an festen Steh- und Sitzplätzen nicht mehr getragen werden und auch die Abstandspflicht entfällt. Es gibt keine Testpflicht mehr und die Sperrstunde ist für solche Betriebe aufgehoben.

Kulturelle Einrichtungen wie Theater, Kinos, Museen, Bibliotheken und Tierparks dürfen unter der 2G-Option wieder alle Plätze anbieten, in Inneneinrichtungen muss aber eine medizinische Maske getragen werden - ebenso beim Tanzen.

Mehr Menschen dürfen zu Veranstaltungen kommen

In Musikclubs, bei Livemusik-Veranstaltungen und bei Sport-Events sind in geschlossenen Räumen 1.300 Menschen erlaubt, draußen bis zu 2.000. Wenn getanzt wird, liegen die Höchstgrenzen draußen bei 750 und drinnen bei 150 Menschen.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 29.08.2021 | 19:30 Uhr

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