Stand: 10.04.2019 21:34 Uhr

Zukunft der Zinnwerke als Kulturort gesichert

von Daniel Kaiser

Der Streit um die künftige Nutzung der alten Fabrikhallen am Vehringkanal im Stadtteil Wilhelmsburg ist vorerst beigelegt. Die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte hat beschlossen, gemeinsam mit den aktuellen Nutzern der Zinnwerke ein Betreibermodell zu entwickeln.

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So wie in dieser Visualisierung könnten die Zinnwerke einmal aussehen.

Endlich kann es losgehen. Die Zukunft der Zinnwerke im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg als Kulturort ist erst einmal gesichert. Nach monatelangen Diskussionen und hat die Bezirksversammlung jetzt 250.000 Euro von der Bürgerschaft angefordert, um konkret zu planen, wie aus dem alten Fabrikgebäude am Vehringkanal dauerhaft ein kreativer Kultur-Hotspot werden kann. "Ich bin wirklich froh, dass wir die Kuh so weit vom Eis gekriegt haben, dass es weiter gehen kann", sagt Klaus Lübke (SPD).

"Kristallisationspunkt für ganz Wilhelmsburg"

Erste Planungen sehen vor, dass in die eine Halle Container eingebaut könnten, um dort Arbeits- oder Probenräume entstehen zu lassen. Die andere Halle soll für große Veranstaltungen, Konzerte und Events fit gemacht werden. Im Außenbereich sollen die Zäune abmontiert werden, um den Zugang zu den Hallen und zum Kanal leichter zu machen. "Wir hoffen, dass das hier ein wirkliches Kulturzentrum und ein Kristallisationspunkt für ganz Wilhelmsburg wird", sagt Michael Osterburg, Grünen-Fraktionschef im Bezirk Hamburg-Mitte.

Das Beste aus zwei Konzepten

Die Nutzer, die die Hallen schon jetzt mit Leben und Kulturprogrammen füllen, hatten befürchtet, dass man sie und ihr Konzept einfach links liegen und fallen lassen könnte. Die Politik hatte nämlich bei der Kreativgesellschaft ein eigenes Nutzungskonzept bestellt. Es sah einige Zeit tatsächlich so aus, als würde die Politik diesen externen Ideen den Vorzug geben. Das Bezirksparlament hat aber nun beschlossen, das ihrer Meinung nach Beste aus den zwei vorliegenden Konzepten auf den Weg zu bringen.

"Abgerechnet wird am Ende"

Dieser Beschluss ist die Wende. "Es ist schon irre, dass zum Ende der Legislaturperiode so tolle Sachen passieren", sagt Marco Antonio Reyes Loredo lachend. Er ist einer der kreativen Motoren der Zinnwerke. "Jetzt geht die Arbeit aber erst richtig los. Abgerechnet wird am Ende. Und dann muss man schauen, ob sich aus den Träumen, den warmen Worten und dem Geld, das am Anfang versprochen wurde, auch Ergebnisse zeitigen", so Loredo - auf die aktuellen Probleme bei der Entwicklung des Palomaviertels an der Reeperbahn anspielend.

Platz für Utopien

Wenn man mit Loredo übers Gelände geht, dann kann man nicht anders, als in dieser alten Fabrik die Kulisse für kreative Feuerwerke zu sehen. Hier finden schon jetzt so erfolgreiche Formate wie der Flohmarkt "Flohzinn" statt. Jetzt müssen wichtige Dinge wie Brandschutz und Fluchtwege noch mal auf den Prüfstand, um den Flohzinn aber auch Kultur-Veranstaltungen wie Kino-Festivals in der Halle weiterhin zu ermöglichen. "Man muss sich immer noch mal vor Augen halten, dass Wilhelmsburg ein aufstrebender, wachsender Stadtteil mit 50.000 Einwohnern aber ohne Theater oder Kino ist", sagt Loredo. "Da ist noch viel Platz für Ideen und Utopien."

Die Entscheidung der Bezirksversammlung zeigt, dass die Politik an der Idee vom Kulturkanal an diesem Ort festhält - die marode Soul Kitchen am anderen Ufer des Vehringkanals erinnert wie ein Mahnmal an diese Vision. Die Zinnwerke dafür komplett zu sanieren, könnte etwa sieben Millionen Euro kosten. Der Senat würde wohl investieren, wenn sich die Zinnwerke danach selbst tragen.

Flohmarkt an den Zinnwerken

Wilhelmsburg: Kreative Projekte in den Zinnwerken

Rund um den Michel -

In den früheren Zinnwerken auf Hamburgs Elbinsel Wilhelsmburg haben sich Kreative und Künstler angesiedelt. Zwei Designerinnen arbeiten daran, den Ort für alle zu öffnen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 10.04.2019 | 19:00 Uhr

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