Stand: 04.05.2020 13:05 Uhr  - NDR Info

Zollfahnder stoppen Kokainlieferung

von Benedikt Strunz, Volkmar Kabisch, Jan Strozyk
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Auf dem Frachter wurden rund 500 Kilogramm Kokain sichergestellt.

Mitarbeitern der Zollfahndung Hamburg ist ein Schlag gegen den internationalen Drogenhandel gelungen. Am Sonnabendmorgen durchsuchten die Zöllner einen Massengutfrachter und stellten dabei etwa eine halbe Tonne Kokain sicher.

Die Drogen waren in einer sogenannten Mann-Luke auf dem Schiff versteckt. In einer weiteren Luke fanden die Beamten Seile, einen GPS-Sender und leere Kanister. Ein Matrose aus Montenegro wurde festgenommen. Nach NDR Informationen befanden sich die Drogen in unmittelbarer Nähe zu seiner Kajüte, zudem wurde bei der Durchsuchung seiner Kabine belastendes Material gefunden.

Drogen sollten von Bord geworfen werden

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Die Drogen waren in einer sogenannten Mann-Luke auf dem Schiff versteckt

Das Kokain sollte offenbar vor dem Einlaufen im Hafen über Bord geworfen werden. Bei der unter Drogenfahndern als "Drop-Off" bekannten Methode sammeln Mittäter mit Schnellbooten die Drogen auf dem Wasser ein. Auf diese Weise sollen die Zollkontrollen im Hafen umgangen werden.

Schiff wurde vom Zoll eskortiert

Der Zoll hatte von ausländischen Behörden einen Tipp bekommen. Das Schiff kam aus Brasilien über Großbritannien. Da die Einsatzkräfte von einem möglichen "Drop-Off" ausgingen, entschlossen sie sich dazu, den Frachter über mehrere Tage in Sichtweite zu eskortieren. An der Aktion waren Schiffe des Zolls und der Bundespolizei beteiligt. Als der Frachter seinen Weg elbaufwärts nahm, unterstützten auch mobile Gruppen an Land die Überwachung. "Das Risiko war schlichtweg zu groß, dass die Drogen doch noch verloren gehen", sagte der Leiter der Zollfahndung Hamburg, René Matschke, dem NDR. Im Hamburger Hafen wurden auch Polizeitaucher eingesetzt, um die Kontrolle abzusichern und um das Schiff auf mögliche weitere Drogenverstecke zu untersuchen. Die nun sichergestellten Drogen haben einen Marktwert von mehreren Dutzend Millionen Euro.

Ermittlungen dauern an

Ermittlern gelingt es relativ selten, Mitgliedern der Schiffscrew eine Beteiligung am Drogenschmuggel nachzuweisen. Im Großteil der Fälle werden Drogen in Containern geschmuggelt, zumeist ohne Wissen der Crew. Nach Informationen des NDR zahlen Drogenbanden allein für das Bergen des Kokains aus dem Hafen in Antwerpen und Rotterdam bis zu 30 Prozent des Drogenwertes. Auf Nachfrage hieß es vom Zoll, dass die Ermittlungen zum Fall und möglichen Hinterleuten weiter andauern. Denkbar ist, dass das Kokain in deutschen, aber auch in belgischen oder niederländischen Gewässern abgeworfen werden sollte.

Corona macht sich nicht bemerkbar

Nach Informationen des NDR hat die Corona-Pandemie - zumindest aus deutscher Sicht - bisher keinen nennenswerten Effekt auf den internationalen Kokainschmuggel. "Wir sind auf gutem Wege, den Rekord vom vergangenen Jahr einzuholen", sagte Matschke auf Nachfrage. Im Jahr 2019 hatten Zoll und Polizei deutlich mehr als 10 Tonnen Kokain sichergestellt - so viel wie niemals zuvor. 

Weitere Informationen

Haftstrafen für geplanten Kokain-Schmuggel

Das Hamburger Landgericht hat zwei Männer zu fünfeinhalb und sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Sie hatten versucht, in einer Motorjacht Kokain aus Brasilien nach Deutschland zu schmuggeln. (22.01.2020) mehr

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NDR Info | Nachrichten | 04.05.2020 | 13:05 Uhr

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