Stand: 14.11.2017 17:54 Uhr

Wohnungsnot: Höchste Zeit zum Handeln!

Die Zahl wohnungsloser Menschen ist im vergangenen Jahr stark gestiegen. Wie die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe mitteilte, waren 2016 etwa 860.000 Menschen ohne Wohnung. Gegenüber 2014 sei das ein Anstieg um fast 150 Prozent. Auch in Hamburg sind davon viele Menschen betroffen. Die Caritas, das Diakonische Werk, Mieter helfen Mietern und Stattbau Hamburg haben als Bündnis für eine soziale Wohnungspolitik dem rot-grünen Senat der Stadt Versagen vorgeworfen

Ein Kommentar von Joachim Weretka, NDR 90,3

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Joachim Weretka wirft den verantwortlichen Politikern in Hamburg Tatenlosigkeit vor.

Etwa 2.000 Obdachlose machen auf Hamburgs Straßen Platte. Sie fallen ins Auge. Die Zahl Wohnungsloser ist aber um ein Vielfaches höher - man sieht sie nur nicht. Seit Jahren gibt es Warnungen aus dem kirchlichen und sozialen Umfeld. Angesichts der erneut gestiegenen Zahlen zeigen sich die Mahner enttäuscht, verärgert, zermürbt. Sie sagen, dem Senat fehle der politische Wille, dieses Problem mit der Konsequenz anzugehen, die er ansonsten gerne demonstriert. Die Elbphilharmonie wäre auf jeden Fall zu Ende gebaut worden, egal, was es am Ende gekostet hätte.

Senatoren und Bürgermeister Scholz kennen die Zahlen

Nun kennen die zuständigen Senatoren, aber natürlich auch der Erste Bürgermeister und SPD-Vize Olaf Scholz die dramatischen Zahlen. Und die Stadt gibt sich Mühe: Der soziale Wohnungsbau wird in Hamburg - bundesweit einmalig - angekurbelt.

Aber was nützt es, wenn ein Drittel aller Neubauten Sozialwohnungen sind? Das entspannt die Lage der akut, aber auch der zukünftigen Bedürftigen nicht. Denn ein Drittel-Mix kann mathematisch nicht aufgehen, wenn mehr als 50 Prozent der Hamburger Anspruch auf Sozialwohnungen haben. Außerdem werden in den kommenden Jahren mehr Wohnungen aus der Sozialbindung fallen als neu gebaut werden.

Bedarf an günstigen Wohnungen steigt

Hinzu kommt, dass der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum steigt, nicht zuletzt durch Zuwanderer. Immer mehr Flüchtlinge dürfen bleiben und haben natürlich Anspruch auf Wohnraum, als eine Voraussetzung für Integration. Aber auch das kann den Hamburger Senat nicht überrascht haben.

Senat bleibt trotz schöner Worte tatenlos

Der Senat hat dem Kampf gegen die Wohnungsnot in einem Konzept höchste Priorität eingeräumt. Aber er handelt nicht. Im Bündnis für soziale Wohnungspolitik hegt man den Verdacht, dass er die Gruppe der Wohnungslosen für nicht so wichtig hält. Sie sind nicht meinungsstark und als Wähler uninteressant und gehen - nur zum Schlafen - auf die Straße.

Dabei gebe es für den SPD-Vize eine gute Gelegenheit, beispielhafte soziale Gerechtigkeit vor der eigenen Haustür zu praktizieren. Wohnungslosigkeit ist eine der offensichtlichsten Formen von Armut. Wenn Politiker zu wenig dagegen tun, ist das - um mal im Bild zu bleiben - ein Armutszeugnis.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentare | 14.11.2017 | 17:08 Uhr

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