Obdachlose in Hamburg. © NDR Foto: Screenshot

Wohnungslos in der Kälte: Hamburger Helfer warnen vor der Gefahr

Stand: 07.02.2021 19:56 Uhr

Für obdachlose Menschen ist die aktuelle Kälte lebensgefährlich. In Hamburg warnen Sozialarbeiter:innen und Ehrenamtliche die Wohnungslosen vor Ort.

Rund 2.000 Obdachlose gibt es in Hamburg. In der stärksten Kältewelle seit Jahren ist es besonders wichtig, dass Helferinnen und Helfer sie erreichen. Denn für Menschen, die sich nicht Zuhause aufwärmen können, sind die Minustemperaturen lebensgefährlich. Seit Dezember sind bereits 12 Menschen gestorben.

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Nicht alle Wohnungslose sind tagsüber in Aufenthaltsstätten

Einer der Straßensozialarbeiter für Obdachlose ist Octavian. Er spricht neben Deutsch auch Rumänisch und Ungarisch. Das hilft, weil viele Obdachlose aus dem EU-Ausland kommen. Viele von ihnen sind tagsüber in einer der Tagesaufenthaltsstätten. "Am wichtigsten ist es, dass wir alle erreichen", sagt Octavian. Damit alle wüssten, dass es sehr kalt sei. "Deshalb verteile ich Flyer. Dann sprechen sie untereinander und dann wird das weitergegeben."

Eisige Nächte sind am gefährlichsten

Doch entscheidend ist die Nacht. Octavians Ziel ist es, dass nicht noch mehr Obdachlose in diesem Winter durch die Temperaturen ums Leben kommen. Es sei nicht leicht, alle Leute zu finden. Jeder versuche, sich einen warmen Platz zu ergattern, erzählt der Sozialarbeiter.

Schlaflager im Unterholz

Ronald Kelm hilft ehrenamtlich beim Kältebus. In diesen Tagen macht er sich zu Fuß auf, beispielsweise ins Unterholz in den Volkspark, wo sich mehrere Obdachlose unter widrigen Bedingungen aufhalten. Solche Schlafstätten werden regelmäßig genutzt, einige Menschen wohnen in Zelten, andere in selbstgebauten Unterschlüpfen.

Sorge um das Leben der Menschen

Manche von ihnen sind seit Jahren wohnungslos. Nicht alle wollen Hilfe annehmen. Ein Obdachloser etwa erklärt, die Kälte sei für ihn im Schlafsack nicht das Problem, sondern mehr bei alltäglichen Arbeiten. Kelm sorgt sich, dass nicht alle die kalten Temperaturen überleben.

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Dass die Stadt Hamburg alle wohnungslosen Menschen unterbringen möge, forderten an diesem Wochenende Teilnehmende einer Mahnwache, die auf dem Gerhard-Hauptmann-Platz stattfand. Sozialverbände sowie mehrere politische Parteien wollen, dass die Sozialbehörde obdachlose Menschen in Einzelzimmern leerstehender Hotels unterbringt. Bisher ist das noch nicht geschehen.

Übernachtungsstätten auch tagsüber auf

Am vergangenen Montag aber eröffnete die Sozialbehörde eine Notunterkunft mit 35 Plätzen in Einzelzimmern. Zudem weitete die Stadt Hamburg das Winternotprogramm für Obdachlose aus - wegen des Wintereinbruchs. Die Unterkünfte sind nun seit Freitag und noch bis Montag ganztägig geöffnet. Übernachtungsstätten wie beispielsweise das Pik As machen also nicht morgens zu und erst abends wieder auf.

Wohnungslosen aktiv helfen

Die Sozialbehörde ruft die Hamburgerinnen und Hamburger dazu auf, mit offenen Augen durch die Stadt zu laufen. Wer hilfebedürftige Obdachlose bemerkt, soll über (040) 428 28 50 00 die Sozialarbeiter der Bezirke und die Sozialbehörde informieren. Sollten Bedürftige in akuter Gefahr sein, gelten die normalen Notrufnummern 112 oder 110.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 07.02.2021 | 19:30 Uhr

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