Eine Frau fährt mit einem Fahrrad an dem Hauptgebäude der Universität Hamburg vorbei. © picture alliance/dpa Foto: Bodo Marks

Wirbel um Papier von Hamburger Professor zur Corona-Pandemie

Stand: 19.02.2021 15:04 Uhr

Die am Donnerstag veröffentlichte Studie der Universität Hamburg zu einem möglichen Laborunfall in China als Ursprung der Corona-Pandemie hat für viel Diskussion und Ärger gesorgt. Kritiker und Kritikerinnen werfen der Universität vor, fragwürdige Theorien zu veröffentlichen.

Der Physiker Roland Wiesendanger meint, zahlreiche Indizien gesammelt zu haben, die darauf hindeuten, dass ein Laborunfall in China Ursache für den Ausbruch der Corona-Pandemie sein könnte. Er weist darauf hin, dass dies Indizien und keine wissenschaftlichen Beweise seien. Kritiker und Kritikerinnen werfen ihm gerade das auf Twitter und in anderen sozialen Medien vor. Das Papier sei unwissenschaftlich, unseriös und verwende fragwürdige Quellen. Eine Studie dürfe man das nicht nennen.

Uni will keine Bewertung treffen

Die Universität Hamburg äußerte sich nicht zu der Kritik. Als öffentliche Einrichtung sei man dazu verpflichtet, Studien ihrer Wissenschaftler nicht inhaltlich zu bewerten, sondern für die Diskussion zur Verfügung zu stellen, hieß es dort.

Wissenschaftsbehörde äußert sich

Der AStA, also die Studierendenvertretung der Universität, befürchtet, dass das Papier Verschwörungstheoretikern in die Hände spielt. Die Wissenschaftsbehörde verwies auf die Freiheit der Wissenschaft. "Wissenschaftsfreiheit ist ein unverrückbares Gut. Gleichwohl gilt für alle Form wissenschaftlicher Forschung, dass bei unklarer oder unsicherer Datenlage Zurückhaltung in der Bewertung angebracht ist", sagte ein Sprecher von Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) am Freitag.

Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) sagte im Gesundheitsausschuss, sie hätte sich auf Basis der zitierten Quellen nicht getraut, diese These vom Labor-Unfall aufzustellen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 19.02.2021 | 17:00 Uhr

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