Stand: 25.11.2019 20:54 Uhr

"Wir müssen eine Kultur des Hinsehens entwickeln"

Mehr als 114.000 Frauen sind nach Angaben des Bundesfamilienministeriums im vergangenen Jahr in Deutschland Opfer von Gewalt in der Partnerschaft geworden. Angesichts dieser Zahlen hat Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) im Interview mit NDR 90,3 eine Kultur des Hinsehens gefordert.

Am Montagabend gab es zum Tag gegen Gewalt an Frauen Veranstaltungen in der Stadt. Mehrere Hundert Menschen gingen bei einer Demo in Altona auf die Straße. Vor dem Rathaus wurde am Nachmittag eine Flagge mit der Aufschrift "Frei leben - ohne Gewalt". Sie soll auf Hilfsmöglichkeiten für Betroffene hinweisen.

Mehr Unterstützung für betroffene Frauen

Häusliche Gewalt gelte häufig noch als Privatsache. Leonhard forderte, dass keiner mehr wegsehen dürfe: "Es ist wichtig, dass wir eine Kultur des Hinsehens entwickeln und Frauen unterstützen, wenn sie sich entscheiden, zum Beispiel Anzeige zu erstatten. Damit sie im Anschluss auch alles, was damit zusammenhängt, wie Gerichtsverfahren, durchhalten können", sagte die Sozialsenatorin.

Sechstes Frauenhaus nimmt bald den Betrieb auf

Dazu müsse der Staat die entsprechende Infrastruktur schaffen. Hamburg sei gut aufgestellt, so Leonhard. Bei der Unterbringung von Frauen kooperiere die Stadt mit Schleswig-Holstein. Auch die zentrale Notaufnahmestelle 24/7 könne kurzfristig Frauen aufnehmen. Zudem gehe Hamburgs sechstes Frauenhaus 2020 in Betrieb. Gleichwohl gebe es immer noch Dinge, die man zusätzlich tun könne, räumte Leonhard ein.

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Demo von Frauen in der Hamburger Innenstadt. Sie tragen Banner und Plakate auf denen steht: "Geschlechterverhältnisse angreifen! Gegen den sexistischen Normalzustand" und "#keinemehr". © JOTO Foto: Jonas Walzberg/JOTO

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Am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen gibt es heute in Hamburg viele Aktionen und Veranstaltungen. Im Mittelpunkt stehen Hilfsangebote für Opfer häuslicher Gewalt. (25.11.2019) mehr

Eine zusammengekauerte Frau schützt sich vor einem Schlag © fotolia Foto: John Gomez

Bundeshilfetelefon zu Gewalt gegen Frauen

Kostenlos, mehrsprachig und barrierefrei: Das Hilfetelefon berät unter der Nummer 08000 116 016 zu allen Formen der Gewalt gegen Frauen. Mehr Infos bei hamburg.de. extern

Ein Kind buddelt im Sand, vorne ein Dreirad © NDR Foto: Marie-Caroline Chlebosch

Schutz vor Gewalt: Frauenhäuser in Hamburg

Die Koordinierungs- und Servicestelle "24/7" bietet Frauen Hilfe bei Gewalt. Mehr Informationen gibt es bei der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 25.11.2019 | 11:00 Uhr

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