Stand: 20.10.2017 20:43 Uhr

Winternotprogramm: "Wir haben noch Reserven"

Kurz vor dem Start des Winternotprogramms hat das Hamburger Aktionsbündnis gegen Wohnungsnot am Freitag zu einem "Cold Dinner" für Obdachlose auf den Fischmarkt geladen. Unter dem Motto "Eine Brücke ist kein Zuhause" haben am späten Nachmittag rund 150 Menschen mit und zumeist ohne Wohnung eine heiße Suppe gegessen. So sollte auf die prekäre Lage der wohnungslosen Menschen aufmerksam gemacht werden, teilte der Verein "Der Hafen hilft" mit. Das "Cold Dinner" ist als Gegenentwurf des "White Dinners" gedacht und daran angelehnt: Wer kann, bringt Essen und Getränke, Tisch und Stuhl mit. Aber letztlich soll dabei niemand stehen oder hungrig bleiben.

Übernachtungsprogramm startet

In Hamburg wird es auch in diesem Winter wieder ein Übernachtungsprogramm für Obdachlose geben. Laut Sozialbehörde stehen ab dem 1. November insgesamt 760 Schlafplätze zur Verfügung. Neben dem bekannten Standort Schaarsteinweg 14 in der Innenstadt mit 360 Plätzen ist der Standort Friesenstraße 22 im Stadtteil Hammerbrook mit 400 Plätzen hinzugekommen. Eine Aufstockung sei je nach Bedarf möglich, sagte Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) dem NDR Hamburg Journal.

Hinzu kämen 113 Plätze in Wohncontainern bei Kirchengemeinden und weiteren Einrichtungen. Zudem stehe in Notfällen allen Personen eine Wärmestube in der Hinrichsenstraße 4 in Borgfelde zur Verfügung.

Diakonie fordert Not-Schlafstellen auch tagsüber zu öffnen

Dass es im Winter auch tagsüber unter Null sein kann, weiß der Obdachlose Klaus. Er beschrieb am Freitag, wie sich das anfühlt: „Man versucht sich warme Plätze zu suchen. Die sind natürlich rar, aber irgendwo findet man welche“.

Die Tagesstätten seien schon jetzt voll, kritisierte Stephan Nagel von der Diakonie am Rande der Aktion auf dem Fischmarkt. Er fordert deshalb, die Schlafstellen im Winternotprogramm sollten auch tagsüber geöffnet sein. „Aber noch viel wichtiger ist, dass wir endlich eine vernünftige Wohnungspolitik bekommen“, sagte Nagel NDR 90,3. Mit dem "Cold Dinner" wolle man darauf aufmerksam machen, "dass die Zahl der Wohnungslosen nicht immer weiter ansteigt".

Bündnis fordert Halbierung der Wohnungsnot

Nagel und viele andere aus dem Bündnis gegen Wohnungsnot zeigten sich enttäuscht und wütend, dass es seit Jahren keine Entspannung für Obdachlose und Geringverdiener gebe. Dabei sei die Halbierung der Wohnungslosigkeit innerhalb von fünf Jahren durchaus möglich, heißt es in einer Erklärung.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 20.10.2017 | 19:30 Uhr

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