Stand: 03.09.2020 18:14 Uhr

Winterhuder Fährhaus feiert erste Premiere seit Corona

von Annette Matz

Mit der Premiere von "Arthur & Claire" mit Hardy Krüger jr. in einer der beiden Hauptrollen ist das Winterhuder Fährhaus am Mittwochabend in die neue Spielzeit gestartet - mit Abstand, Maske und wenigr Publikum, aber mit großer Vorfreude bei allen Beteiligten.

"Es ist ein sehr freies Gefühl, wieder ins Theater zu kommen, egal unter welchen Umständen", sagte eine Zuschauerin. Viele solcher Stimmen hörte man im Foyer an der Hudtwalckerstraße. Britta Duah, die Leitern des Winterhuder Fährhauses, begrüßte das Publikum vor der Vorstellung: "Es ist wie es ist, geben Sie alles, lachen Sie, kommen Sie in Stimmung, bleiben Sie in Stimmung." Dieser Apell kam nicht von ungefähr: Schließlich war der Zuschauerraum nur zu gut einem Viertel besetzt. Statt 586 fanden coronabedingt nur 155 Zuschauerinnen und Zuschauer Platz.

Viel Stimmung trotz wenigen Zuschauern

Leere Sitzreihen im Winterhuder Fährhaus, auf denen Fotos verschiedener Künstler kleben. © NDR Foto: Annette Matz
Die Plätze, die frei bleiben müssen, wurden mit Fotos der vielen Gaststars des Hauses gefüllt.

Auch wenn die erste Reihe nicht besetzt werden konnte und es keine Premierenfeier gab, ist das Haus seinem Motto "Stars hautnah" auf originelle Weise treu geblieben: Über jeder freien Sitzlehne hing ein großes laminiertes Foto der vielen Gaststars des Theaters. Eine gute Idee, um die Corona-bedingte Leere ein bisschen zu füllen. "Wir dachten die Stimmung kommt nicht auf, aber wir haben gemerkt, dass die Emotionen da sind", sagte eine Besucherin.

Hardy Krüger jr. fast hautnah

Einen konnte man dann doch fast hautnah erleben: Arthur, alias Hardy Krüger jr., trifft in einem Hotel in Amsterdam zufällig auf die jüngere Claire, gespielt von Anna Grisebach. Die Geschichte ist schnell erzählt: Sie verbindet anfangs nur, dass sich beide umbringen wollen. Arthur hat Lungenkrebs, die jüngere Claire hat bei einem Autounfall Mann und Kind verloren. Beide halten sich schließlich gegenseitig vom Selbstmord ab und verlieben sich dabei ineinander. Dabei wird öfter mal Gott bemüht, der für den Nichtraucher Arthur Lungenkrebs "ausgewürfelt" habe. Und Sex und Liebe spielen eine große Rolle - zu schön, um von der Welt zu gehen.

Mit Leichtigkeit dem Thema Tod begegnen

Mit Ironie, Humor und gekonnter Leichtigkeit geht es um die Themen Selbstmord und Tod. Etwa wenn Arthur Claire rät, doch "Vorsicht Leiche" an die Hoteltür zu kleben, damit sich das Zimmermädchen nicht erschreckt. Oder Claire konstatiert, für einen "Abgang" sei Arthur aber "gut drauf".

"Das hat so etwas Erheiterndes, obwohl es ja traurig ist, es ist so wunderbar", findet eine Zuschauerin. Und ein anderer Besucher sagt: "Wir müssen alle diesen Weg gehen." Auch wenn es etwas Tragisches habe, sei es doch gut, auch darüber lachen zu können.

Auch auf der Bühne auf Abstand

Statt sich die Hand zu geben, wird auf der Bühne gefüßelt. Statt sich zu umarmen, trocknet Arthur Claire liebevoll die Füße ab. Selbst die Bettszenen sind geschickt auf Abstand inszeniert. Am Ende ist dann doch klar, dass die Sehnsucht nach Leben sehr viel größer war, als die nach dem Tod. Schön ist auch, dass es kein echtes, voraussehbares Happy End gibt. "Nur ein halbes", wie eine Zuschauerin sagte. Aber das wird an dieser Stelle nicht verraten.

Viel Applaus für eine gelungene Premiere

"Die Schauspieler sind fantastisch", "es hat Spaß gemacht", "tolle Dialoge" und "kann ich nur weiterempfehlen" - so die Zuschauerstimmen nach der Vorstellung. Auch wenn dem zweiten Teil des Abends etwas die Spannung und die Geschmeidigkeit fehlt, ist dieser Spielzeitauftakt im Winterhuder Fährhaus eine gelungene Premiere, für die es viel Applaus gab.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 03.09.2020 | 19:00 Uhr

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