Stand: 10.08.2020 06:08 Uhr  - NDR 90,3

Wieder Ärger um Flüchtlingsunterkunft in Blankenese

Um die Flüchtlingsunterkunft im Björnsonweg in Blankenese gibt es erneut Ärger. Nach Informationen von NDR 90,3 versucht das Bezirksamt Altona, einen gerichtlichen Vergleich mit den Anwohnerinnen und Anwohnern auszuhebeln.

Bezirksamt will Unterkunft dauerhaft erhalten

Nach jahrelangen Streitigkeiten hatte es 2017 vor dem Verwaltungsgericht zwischen den Anwohnerinnen und Anwohnern und der Stadt Hamburg eine Einigung auf einen Vergleich gegeben. Er besagte, dass die Unterkunft für 192 Flüchtlinge gebaut werden konnte, im April 2023 aber abgerissen werden muss. Daran fühlt sich das Bezirksamt Altona offenbar nicht mehr gebunden. Es will einen neuen Bebauungsplan aufstellen, der die Unterkunft dauerhaft erhält. Die Begründung: Der Vergleich verpflichte das Bezirksamt einzig, den "Verlust von Waldfläche orts- und funktionsnah zu kompensieren." Für den Bau der Unterkunft wurden nämlich Bäume gerodet. Die Neuanpflanzung will man in Wedel vornehmen. Außerdem heißt es, es würden "auch zukünftig in Hamburg Plätze für die Unterbringung von Geflüchteten fehlen".

Anwohner fühlen sich verschaukelt

Eine Flüchtlingsunterkunft am Hamburger Björnsonweg. © NDR Foto: Reinhard Postelt
Sorgt wieder für Streit: Die Flüchtlingsunterkunft im Blankeneser Björnsonweg.

Doch die Anwohnerinnen und Anwohner in Blankenese fühlen sich verschaukelt. Einer von ihnen sagte NDR 90,3: "Ich denke vor allem, dass sich viele Menschen fragen werden, ob sie sich zukünftig mit der Stadt noch auf Vergleiche einigen wollen, wenn man sich sagt: Die halten sich sowieso nicht daran. Das Risiko vor dem Verwaltungsgericht ist für Bürger immer ziemlich hoch." Eine neue Klage gegen den juristischen Winkelzug der Stadt hält er für wahrscheinlich.

Oder doch Wohnungsbau?

Noch eines könnte das Bezirksamt Altona stoppen: Die Stadtentwicklungsbehörde will statt der Flüchtlingsunterkunft Wohnungsbau betreiben und lehnt den geplanten Bebauungsplan ab. Der Kampf gegen die Flüchtlingsunterkunft hatte 2016 bundesweit für Aufsehen gesorgt. Einige Blankeneser hatten die Baumfällungen zuerst verhindert, indem sie die Zufahrt blockierten und Baummarkierungen manipulierten. Danach folgten mehrere Klagen, die die Bürgerinnen und Bürger für sich entscheiden konnten.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 10.08.2020 | 07:00 Uhr

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