Prof. Dr. Lena Jelinek (links) und NDR 90,3 Reporterin Anna Rüter

Wie man in der Corona-Zeit seelisch gesund bleibt

Stand: 18.02.2021 06:21 Uhr

Wie Umgehen mit Isolation im Homeoffice? Mit Schlaflosigkeit und Frust? In einem Video-Chat beantwortete Prof. Lena Jelinek vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) Fragen zur seelischen Gesundheit in Zeiten von Corona.

"Geben Sie Ihrem Tag eine klare Struktur!" Das ist einer der wichtigsten Tipps, den Prof. Lena Jelinek vom UKE für alle Menschen im Homeoffice hat. "Klare Zeiten für das Aufstehen, für Mahlzeiten und Freizeit können hilfreich sein". Denn vielen Arbeitenden fällt es schwer, am heimischen Schreibtisch genauso gut zu arbeiten, wie im Büro der Firma. "Ich schaffe es nur noch, ein bis zwei Stunden am Tag produktiv zu sein", schrieb ein Mann am Mittwochabend im Chat auf NDR.de. Die Expertin für Angst- und Zwangsstörungen antwortete: "Versuchen Sie es mit Sport, Laufen oder auch Spaziergängen". Wichtig sei es, sich zu bewegen. Vielleicht auch mit Menschen aus dem Job: "Eine Person können Sie ja draußen treffen".

Digitale Kaffeepause gegen Isolation

Eine weitere Möglichkeit aus der Isolation im Homeoffice herauszukommen ist es nach den Worten der Expertin, sich auch über Video mit den Kolleginnen und Kollegen zum Beispiel zum gemeinsamen Essen oder Kaffeetrinken zu treffen. Denn, so die Erfahrung, gerade die informellen Gespräche auf dem Flur oder in der Kantine sind das, was vielen fehlt.

Missverständnisse im Homeoffice

Die Arbeit zu Hause belastet viele Menschen. Ein Arbeitnehmer erzählte im Chat davon, dass jetzt häufiger als früher Missverständnisse in der betrieblichen Kommunikation aufträten, einfach, weil nur noch über Mail kommuniziert werde. Er öffne solche Mails inzwischen häufig nicht mehr, und könne dann aber Nachts deswegen nicht schlafen. Auch hier hatte die Expertin einen einfachen und wichtigen Tipp: Häufiger mal zum Telefon greifen und Konflikte im direkten Gespräch ausräumen, bevor sie immer größer werden.

Schlafstörungen in Corona-Zeiten

Dass das Thema Schlaf immer wieder als Problem auch in der gegenwärtigen durch Corona geprägten Lage angesprochen wurde, bestätigte Erfahrungen aus ihrer psychotherapeutischen Praxis: "Manche schlafen mehr, andere schlafen kurz und unruhig. Das ist typisch." Entscheidend sei bei solchen Problemen mit dem Schlaf, auf die sogenannte Schlaf-Hygiene zu achten: Regelmäßige Einschlaf- und Aufwachzeiten festzulegen, und zum Beispiel keine aufregenden Filme vor dem Einschlafen anzuschauen.

Grübeln und Schlafosigkeit

Für Menschen, die dazu neigen, auch Nachts fortwährend zu grübeln, könne es hilfreich sein, sich jeden Tag zu einer festgelegten Zeit 10 bis 20 Minuten mit diesen Gedanken zu beschäftigen. Dies kann es dann zum Beispiel nachts leichter machen, diese belastenden Probleme beiseite zu schieben.

Eltern sollen sich Pausen gönnen

Lena Jelinek, UKE © NDR
Prof. Dr. Lena Jelinek, leitet die Arbeitsgruppen Neuropsychologie und Angst- und Zwangsstörungen im Zentrum für Psychosoziale Medizin am UKE.

Mütter und Väter sind durch die Corona-Pandemie besonders stark belastet. Hier findet es die Psychologin wichtig, zwischendurch auch für sich selbst zu sorgen. Und wenn es nur eine Kaffeepause von fünf Minuten sei, sich solche Momente für sich zu sichern, sei sehr wichtig, um die schwierige Situation durchzuhalten: "Wir können nur gut für andere sorgen, wenn wir auch für uns gut sorgen".

Einer Frau, die davon berichtete, dass sie traurig sei über die verschobene Hochzeit, die ausgefallenen Flitterwochen und einen Jobverlust, sagte die Psychologin: Es sei richtig und wichtig, solche Verluste auch zu betrauern: "Man kann dann auch nicht immer optimistisch sein". Sie könne aber trotzdem versuchen, auch an positive Dinge aus der Vergangenheit zu erinnern. Und vielleicht sogar Pläne zu schmieden für die Zeit nach der Pandemie.

Hilfsangebote für Betroffene

Für Menschen mit seelischen Belastungen gibt es auch in Hamburg die Möglichkeit, die Telefonseelsorge zu kontaktieren. Dafür stehen zwei Telefonnummern bereit: 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222. Zudem bieten die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs) und der Verbund universitärer Ausbildungsgänge für Psychotherapie (Unith e.V.) psychologische Coronahilfen an. Expertin Lena Jelinek empfiehlt auch die Seite Psychenet: Dort gibt es Informationen zu psychologischen Hilfsangeboten in Hamburg und auch Selbsttests zu Themen wie Depressionen, Trinkgewohnheiten oder Essstörungen. Solche Tests können Menschen helfen, herauszufinden, ob sie Hilfe benötigen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 17.02.2021 | 18:40 Uhr

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