Stand: 21.05.2020 12:01 Uhr  - Hamburg Journal

Wie DESY-Forscher Zellen vor Corona schützen wollen

Bei DESY in Hamburg-Bahrenfeld wollen Forscher Substanzen finden, die menschliche Zellen vor Corona-Viren schützen. Dabei hilft eine der modernsten Röntgen-Anlagen der Welt. Ein Zwischenstand.

Proteine, also Eiweißkörper, sind die für die Vermehrung des Corona-Virus unerlässlich. Sie ermöglichen zum Beispiel die Aufnahme des Virus in die menschliche Zelle. Um diese Eiweiße besser untersuchen zu können, züchten die Wissenschaftler am DESY in Bahrenfeld daraus Kristalle und frieren sie in flüssigem Stickstoff ein. In dieser Form können sie dann im Petra III, einer der modernsten Röntgen-Quellen der Welt, untersucht werden.

Welcher Stoff wirkt?

Ein DESY-Forscher friert Protein-Kristalle in flüssigem Stickstoff ein.
Die Proteine werden in flüssigem Stickstoff eingefroren, um sie zu untersuchen.

Die Protein-Kristalle haben eine Größe von nur einigen Tausendstel Millimetern. Mit Hilfe der intensiven Röntgenstrahlung können die Wissenschaftler beobachten, wie die Virus-Proteine auf verschiedene Wirkstoffe reagieren.

Alke Meents, Biophysiker DESY "Unser Ziel ist es, einen Stoff zu finden, der die Funktion des Virus-Proteins blockiert." Nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip könne man dann die Vermehrung des Virus unterdr/fernsehen/screenshot875898_v-contentxl.jpgücken.

18 Stoffe haben Potenzial

Seit sieben Wochen laufen die Studien. Mehr als 5.600 Wirkstoffe haben die Wissenschaftler bereits getestet. Insgesamt konnten bislang 18 Stoffe gefunden werden, die an ein bestimmtes Virus-Protein binden und für einen Wirkstoff gegen das Corona Virus infrage kommen. "Wenn man so einen Stoff findet, könnte man ihn als potenzielles Medikament einsetzen", meint Meents.

Um Proteine besser untersuchen zu können züchten die Wissenschaftler am DESY in Bahrenfeld daraus Kristalle.
So sehen die Protein-Kristalle stark vergrößert aus.

Mehr als 80 Wissenschaftler vom DESY, der Universitäten in Hamburg und Lübeck sowie des Bernhard-Nocht-Instituts arbeiten zusammen an dem Projekt. "Alle Daten, die wir hier produzieren, fließen online in international zugängliche Datenbanken", erklärt Biochemiker Christian Betzel. "Die Kombination und das Know-how hier in Hamburg ergeben im weltweiten Vergleich eine einzigartige und sehr schöne Situation."

Suche geht weiter

In den kommenden vier Monaten sollen die Forschungen mit den Protein-Kristallen hier weitergehen. Die Forscher und Forscherinnen hoffen, damit einen Beitrag im Kampf gegen das Corona-Virus beizusteuern.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 21.05.2020 | 19:30 Uhr

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