Stand: 11.06.2020 20:04 Uhr

Werft-Kauf: Gibt Pella Sietas Standort Hamburg auf?

In der Pella Sietas Werft wird eine Fähre für den Bodensee gebaut. © NDR Foto: Dietrich Lehmann
Geht der Standort Neuenfelde bei einem Zusammenschluss mit der Flensburger Werft verloren?

Die Hamburger Pella Sietas Werft will neue Märkte erschließen und greift nach ihrem insolventen Konkurrenten in Flensburg: Die älteste deutsche Werft in Hamburg-Neuenfelde steht vor einem Kauf der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG). Gehen dann Jobs in Hamburg verloren? Hamburgs Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) und die Gewerkschaft IG Metall fordern eine Perspektive für die Beschäftigten an beiden Standorten.

Wird der Standort Neuenfelde aufgegeben?

Der geplante Kauf der Werft in Flensburg dürfe nicht das Aus für Pella Sietas in Hamburg sein, heißt es bei der IG Metall Küste. Die Gewerkschaft fürchtet, dass Sietas den Standort in Neuenfelde aufgeben könnte, weil er wegen des Schlicks in Elbe und Este ohnehin nur schwer zu erreichen ist. So kann ein aktueller Neubau in Neuenfelde nur dann ausgeliefert werden, wenn die Fahrrinne aufwendig freigebaggert wird. Bei dem Schiff handelt es sich - ausgerechnet - um einen Saugbagger für die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes.

Westhagemann denkt an anderen Hamburger Standort

Der Betriebsratschef appelliert an Geschäftsführung und die Stadt, den Mitarbeitern in Neuenfelde eine sichere Perspektive zu geben. Die könnte auch an einem anderen Standort im Hamburger Hafen sein, meint Wirtschaftssenator Westhagemann. Er bringt ins Gespräch, dass Pella Sietas in einem derzeit nicht benötigten Teil der Werft Blohm+Voss eine Produktion aufbaut.

350 Mitarbeiter in Hamburg

Die Sietas-Werft in Hamburg-Neuenfelde. © dpa Foto: Markus Scholz
Pella Sietas in Hamburg-Neuenfelde gilt als Deutschlands älteste Werft.

Pella Sietas gehört zur russischen Werftengruppe Pella aus St. Petersburg, die 2014 die traditionsreiche Sietas-Werft ebenfalls aus einer Insolvenz übernommen hatte. Das Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren auf den Bau von sogenannten RoRo-Fähren spezialisiert, die sowohl Autos und Lastwagen als auch ganze Züge transportieren können. An dem Standort sind gegenwärtig 350 Mitarbeiter beschäftigt.

Die FSG hatte im April einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Flensburg gestellt. Die Produktion stand wegen der Corona-Pandemie monatelang still, die Mitarbeiter waren in Kurzarbeit. Nun soll die Produktion wieder aufgenommen werden. Doch die Schwierigkeiten begannen weit vor Corona; die Werft arbeitete wohl nicht kostendeckend und wurde im vergangenen Jahr von Investor Lars Windhorst übernommen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 12.06.2020 | 06:00 Uhr

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