Stand: 23.03.2018 16:50 Uhr

Erst zum Arzt, dann in den Kiosk

In Hamburg-Billstedt ist der bundesweit erste sogenannte Gesundheitskiosk eröffnet worden. Ziel dieses neuen Beratungsangebotes sei es, die Gesundheitseinrichtungen in dem sozial belasteten Stadtteil besser zu vernetzen und die Zugänge zu sozialen Einrichtungen zu verbessern, sagte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Stocks (SPD). So könnten auch die ohnehin wenigen Ärzte im Stadtteil entlastet werden.

Wenn der Arzt in den Kiosk überweist

Finanziert wird das Projekt aus dem Innovationsfonds der Krankenkassen und für Personal- und Mietkosten sind für die nächsten drei Jahre insgesamt 1,5 Millionen veranschlagt. Beteiligt sind bislang 40 der 120 niedergelassenen Ärzte in Billstedt. Es sollen allerdings perspektivisch noch mehr werden.

Zuvor wurde die Idee in einer Pilotphase getestet. Ein Klassiker während dieser Zeit sei gewesen, dass beispielsweise übergewichtige Menschen mit Rückenschmerzen einen Arzt aufgesucht hätten, sagte Gerd Fass, Vorsitzender des Ärztenetzes Billstedt-Horn bei der Eröffnung. Nach einer Erstuntersuchung durch einen Arzt wird der Patient dann zur weiteren Beratung an den Gesundheitskiosk vermittelt. Dort wird der Betroffene beraten, wie er sein Übergewicht und dadurch die Rückenschmerzen langfristig loswerden kann.

Kostenlose Beratung in vielen Sprachen

In der Region Billstedt, Horn und Mümmelmannsberg leben 108.000 Menschen. Die Arbeitslosigkeit liegt mit 8,7 Prozent zwei Prozentpunkte über dem Hamburger Durchschnitt. Jeder dritte Haushalt wird von einer Alleinerziehenden geführt. 21 Prozent der Senioren über 65 Jahren leiden unter einer Depression, jeder dritte Senior ist wegen einer Diabetes in Behandlung. "Es ist erwiesen, dass Menschen in ärmeren Stadtteilen rund zehn Jahre früher an Diabetes, Asthma, Herz- oder Lungenkrankheiten erkranken", sagte Matthias Mohrmann, Vorstandsmitglied der AOK Rheinland/Hamburg, die den Kiosk mit aufgebaut haben. Der Gesundheitskiosk sei auch ein Ausdruck von Solidarität.

Rund 50 Prozent der Billstedter haben einen Migrationshintergrund und stoßen daher immer wieder auf Probleme im Gesundheitswesen, das nicht auf Vielsprachigkeit eingestellt ist. Die sieben Beschäftigten des Gesundheitskiosks sind medizinisch ausgebildet und sprechen unter anderem türkisch, farsi (persisch), polnisch, russisch und spanisch. Künftig sollen sie Menschen kostenlos zu Gesundheitsfragen beraten und Hilfe vermitteln.

Weitere Informationen

Hamburg legt Modellprojekt gegen Ärztemangel auf

In Billstedt und Horn sind die Menschen ärmer und kränker im Hamburger Durchschnitt, gleichzeitig fehlen Fachärzte. Jetzt will die Gesundheitsbehörde die Patienten besser versorgen. (25.11.2015) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 29.09.2017 | 07:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

02:50
Hamburg Journal

Royale Hochzeit: Hamburg fiebert mit

19.05.2018 19:30 Uhr
Hamburg Journal
02:37
Hamburg Journal

Discomove: Party-Karawane zieht durch Harburg

19.05.2018 19:30 Uhr
Hamburg Journal
02:11
Hamburg Journal

Bramfeld wird zum Parkplatz der Träume

19.05.2018 19:30 Uhr
Hamburg Journal