Stand: 25.03.2019 16:15 Uhr

Weinberg ist Hoffnungsträger der Hamburger CDU

Die Suche der CDU in Hamburgs nach einer Spitzenkandidatin oder einem Spitzenkandidaten für die Bürgerschaftswahl im kommenden Jahr ist beendet. Nach mehreren Absagen soll nun der Bundestagsabgeordnete Marcus Weinberg in den Wahlkampf um das Bürgermeisteramt gehen. Der Vorstand steht hinter ihm, beim Parteitag im Sommer soll die Spitzenkandidatur offiziell werden. Hat Weinberg das Potenzial, zusammen mit seiner Partei die Vormachtstellung der SPD in der Hansestadt zu beenden?

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Marcus Weinbergs Kandidatur verdiene Respekt, meint Gerd Wolff in seinem Kommentar.

Marcus Weinberg kann einstecken. Er weiß, wie sich Niederlagen anfühlen. Nach der historischen Klatsche von 2015 nahm er als Vorsitzender des Hamburger CDU-Verbandes seinen Hut und verabschiedete sich endgültig Richtung Bundestag. Nun holt ihn seine Partei nach Hamburg zurück - und das hat auch mit seinen Nehmerqualitäten zu tun. Da ist einer bereit, noch einmal den Kopf hinzuhalten.

Die Aussichten der CDU sind mäßig

Das verdient Respekt. Auch wenn manche unken, Weinberg komme schließlich gut versorgt aus Berlin zurück und werde im kommenden Wahlkampf nur eine Art Zählkandidaten geben. In Wahrheit ist der Lehrer aus Altona so ziemlich die einzige Hoffnung für eine lange mutlose Partei, die dringend aufgerichtet werden muss.

Die Aussichten, das Schicksal der CDU zu wenden, sind aber mäßig. Seit dem Rücktritt Ole von Beusts steckt der Landesverband in einem sehr tiefen und sehr schwarzen Loch. Personell wie inhaltlich haben die Christdemokraten seit 2011 wenig zustande gebracht.

Die wagemutige Idee, dass die CDU in Hamburg von einer Muslima mit türkischen Wurzeln als Spitzenkandidatin zurück an die Macht geführt würde, muss sich nun keinem Praxistest mehr stellen. Es wird einige in der Partei geben, die auf die Personalie Weinberg erleichtert mit einem, "Da weiß man wenigstens, was man hat" reagieren.

Weinbergs Machtanspruch ist flexibel

Die Hamburger SPD war seinerzeit von Olaf Scholz revitalisiert worden, der ebenfalls aus Berlin in die Niederungen der Hamburgischen Landespolitik zurückkehrte. Doch ist Weinberg der schwarze Scholz?

Von der Art, Politik zu machen, sicher nicht. Der familienpolitische Fachman, der nun erst einmal "zuhören, Gräben überwinden und die Kluft zwischen Bürgern und Politik schließen will", ist keiner, der einen Führungsanspruch rigoros durchsetzen würde.

Weinberg ist kein Generalist wie Scholz. Spitzenkandidat und Ellbogen muss er nun erst einmal lernen. Allerdings formuliert er seinen Machtanspruch - und ist dabei sehr flexibel. Das ist die Chance der Personalie Weinberg: Er kann rot wie grün.

Keine SPD-Hochburg ist mehr sicher

Damit erhöht er die Wahrscheinlichkeit für seine CDU, nach der Wahl im Februar in Hamburg wieder zu regieren, wenn auch wohl maximal als kleiner Koalitionspartner. Denn in der Hansestadt ist einiges in Bewegung geraten.

Nicht erst seit es Olaf Scholz zurück zur Bundespolitik zog, stürzt die SPD in den Umfragen ab. Die Grünen drängen nach vorne, in Hamburg nominierten sie erstmals eine eigene Kandidatin für das Bürgermeisteramt. Mehr Selbstbewusstsein war nie. Die Sozialdemokraten dagegen blicken mit Schaudern auf den 26. Mai: Wenn nicht mal mehr Bremen sicher ist, was hält der Wähler bereit für Metropolen, die mal als SPD-Hochburgen galten?

Hamburg-Wahl wird bundespolitisch eher zur Fußnote

Mit den typischen Großstadt-Themen wird diesmal im Hamburger Winter-Wahlkampf wenig anzufangen sein. Vordergründig mag man über Hafenpolitik, Wohnungsbau und den Verkehr der Zukunft debattieren.

Fakt ist: An der Elbe wird dann entschieden, wenn das Superwahljahr 2019 vorbei ist. Erst Europa, dann die Landtage in Sachsen, Brandenburg und Thüringen, und alles gefolgt von der Frage, ob die Bundes-SPD zum Thema GroKo-Fortsetzung den Daumen senkt.

Hamburg Regierungsentscheidung wird dann bundespolitisch eher zur Fußnote. Das Schicksal der hiesigen CDU womöglich auch.

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Weinberg soll CDU-Spitzenkandidat werden

Die Hamburger CDU will mit Marcus Weinberg an der Spitze in den Bürgerschaftswahlkampf ziehen. Der Vorschlag der Parteispitze wurde vom Landesvorstand einstimmig angenommen. mehr

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NDR Info | Kommentar | 25.03.2019 | 17:08 Uhr

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