Stand: 25.09.2020 10:36 Uhr

Was sich im MKG in Hamburg seit Corona verändert hat

von Annette Matz

Schon seit Anfang Mai haben Hamburgs Museen wieder geöffnet - vergleichsweise früh nach dem Lockdown. Es gibt genug Platz, um Abstand zu halten, oft sind nicht einmal Masken verpflichtend. Am Anfang waren die Museen noch leer. Inzwischen gewöhnen sich die Besucherinnen und Besucher immer mehr an die Umstände. Doch nicht nur für die Kundschaft ist alles anders in Corona-Zeiten - auch für diejenigen, die im Museum arbeiten, wie Sabine Reimers. Seit vielen Jahren ist sie Aufsicht im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG).

Aufsicht Sabine Reimers steht im Eingangsbereich des Museums für Kunst und Gewerbe. © Linda Dibra
Sabine Reimers arbeitet als Aufsicht im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg.

Besonders erinnert sich Sabine Reimers an den 13. März: "Um kurz nach halb sechs am Abend wollte ich in die Verwaltung gehen, um meine Kasse abzurechnen. Da stürmt die Leitung der Aufsicht an mir vorbei und sagt: 'Wir schließen.' Ich bin wie angewurzelt stehengeblieben und sagte: 'Das glaube ich dir nicht!'"

"Ein Gefühl wie Schule schwänzen"

Blick aufs Museum für Kunst und Gewerbe. © NDR Foto: Ralf Meinders
Das Museum für Kunst und Gewerbe liegt in unmittelbarer Nähe zum Hamburger Hauptbahnhof. (Archivfoto)

Dann begann auch für Sabine Reimers der Lockdown. "Ich habe ein Gefühl gehabt wie Schule schwänzen, ich kann es gar nicht anders erklären", erzählt sie. Ihr Chef habe wöchentlich angerufen und gesagt, dass sie und ihre Kolleginnen und Kollegen noch zuhause bleiben müssen. Er versprach, sich zu melden, wenn es wieder losgeht. Trotzdem war Reimers "vom Gefühl her immer auf dem Sprung".

Die 57-Jährige hatte aber viel Verständnis für die Maßnahme. Lüften zum Beispiel sei im Museum nicht möglich. Außerdem ist das MKG mit seiner Lage am Hauptbahnhof eigentlich ein großer Anziehungspunkt für Zwischenstopps. Zu Beginn der Corona-Pandemie waren noch viele Touristinnen und Touristen gekommen.

Blick auf die Fassade des Museums für Kunst und Gewerbe in Hamburg © picture alliance Foto: Bildagentur-online/Joko

AUDIO: Arbeiten im Museum unter Corona-Auflagen (4 Min)

Unsicherheit bei der Wiedereröffnung

Ein volles und ein leeres Regal für Flyer hängen nebeneinander an einer Wand im Museum für Kunst und Gewerbe. © Sabine Reimers
Zuvor ein bunter Blickfang, dann war die Flyerwand halb leer: Sabine Reimers hält die Corona-Zeit in Fotos fest.

Am 7. Mai kam der Anruf mit der Nachricht, dass das MKG wieder geöffnet wird. Niemand wusste, was passieren würde, sagt Reimers - ob der Andrang groß wird oder sich niemand traut. Es sei zwar langsam angelaufen, aber viele Besucherinnen und Besucher hätten sich sehr über die Öffnung gefreut. Mit der Ausstellung des Starfotografen Peter Lindbergh sei dann der erste große Ansturm gekommen.

Sabine Reimers gibt zu, dass ihr am ersten Sonntag, an dem wieder viele Menschen das MKG besuchten, mulmig war: "Das war gruselig und unangenehm, weil ich wusste, da sind jetzt plötzlich so viele Besucher im Haus."

Führungen mit Abstand und Anmeldungen

Mit entsprechenden Veränderungen ging aber alles gut. In den Schlangen wird Abstand gehalten, an der Kasse gibt es einen Spuckschutz, das Kinderreich ist geschlossen und für öffentliche Führungen muss man sich anmelden. Die Museumsaufsicht bedauert, dass spontan kaum noch etwas möglich ist.

Die meisten Leute tragen eine Maske, wenn sie die Ausstellungen besuchen, obwohl diese nur eine Empfehlung ist. Das Aufsichtspersonal trägt immer eine. Das gehört für Sabine Reimers zu den größten und unangenehmsten Veränderungen: "Das freundliche Lächeln im Vorbeigehen geht nicht mehr. Ein Stück Freundlichkeit ist weg."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal Spezial | 23.09.2020 | 20:00 Uhr

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