Stand: 16.12.2018 10:42 Uhr

Was Lkw-Fahrer vom EU-Kojen-Verbot halten

Die EU-Verkehrsminister wollen die Arbeitsbedingungen von Lkw-Fahrern verbessern. Unter anderem sollen die Trucker ihre wöchentliche Ruhezeit nicht mehr in ihren Führerhäusern verbringen - auch um Missstände auf überfüllten Autobahnparkplätzen zu beenden. Das Hamburg Journal hat sich unter Lkw-Fahrern auf der beliebten A1-Raststätte Stillhorn umgehört.

Der Rastplatz ist restlos voll. Bis in die Ein- und Ausfahrt stehen Lastwagen aus aller Herren Länder. Aus Deutschland ist keiner zu sehen. Mindestens 45 Stunden am Stück müssen die Trucker pro Woche pausieren. Die meisten kombinieren das mit dem Sonntagsfahrverbot.

Doch so soll es nicht mehr lange bleiben: Gegen heftigen Widerstand aus östlichen Mitgliedsstaaten haben sich die EU-Verkehrsminister Anfang Dezember auf eine Reform der Regeln für Lkw-Fahrer geeinigt. Fernfahrer sollen demnach ihre gesetzlichen wöchentlichen Ruhepausen nicht mehr in ihren Kabinen verbringen dürfen. Die Arbeitsbedingungen der Trucker würden so verbessert, sagte der österreichische Verkehrsminister Norbert Hofer.

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Was bringt ein neues Trucker-Gesetz?

Kaum Kontrollen, kaum Hotels in der Nähe der Parkplätze: Deutsche Verbände kritisieren die neuen EU-Pläne für Lkw-Fahrer. tagesschau.de berichtet. extern

Bald neue Unterkünfte auf dem Acker?

An den Lkw-Fahrern in Stillhorn scheint diese Entwicklung vorbeigegangen zu sein. "Ich weiß nichts darüber, worum geht es?", fragt einer. "Sicher, ein Hotel wäre ganz nett, aber sehen Sie hier eins?" Stillhorn liegt immerhin nahe einer Großstadt. Aber sollen jetzt europaweit entlang der Autobahn Unterkünfte auf dem Acker entstehen? Und selbst wenn: "Da wird doch alles gestohlen, wenn ich hier weg bin - der Diesel, das Navi, die Ladung", sagt der Lkw-Fahrer.

Ein moderner Laster ist fast ein Hotel

Georgi ist aus Rumänien und kocht auf der Ladefläche selbstgemachten Eintopf. In ein Hotel möchte der 27-Jährige nicht. Seine niederländische Spedition habe ihm einen modernen Lkw anvertraut, sagt er stolz, sauberer als ein billiges Hotelzimmer. Sogar frische Bettwäsche gibt es. "Ruhe ist das Wichtigste nach einem harten Tag", sagt Georgi. "Ich versuche daher, auf den Raststätten so zu parken, dass das Führerhaus von der Autobahn abgewandt ist. Dann ist alles gut."

Minister Hofer, der als Vertreter der österreichischen Ratspräsidentschaft die Verhandlungen führte, hatte zuvor ein "wahres Nomadentum" im Fernfahrsektor beklagt: Lkw-Fahrer seien monatelang unterwegs und schliefen in der Kabine oder kampierten neben ihren Fahrzeugen. Ob die Reformen der Verkehrsminister Gesetz werden, ist noch nicht ganz klar. Die EU-Mitgliedstaaten müssen die Überarbeitung der Transport-Richtlinie mit dem EU-Parlament endgültig aushandeln.

Internetzugänge für mehr Lebensqualität

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Georgi aus Rumänien kocht auf der Ladefläche einen selbstgemachten Eintopf.

Rumäne Georgi hat inzwischen sein Handy geholt und zeigt seine Tochter Eva, zwei Monate alt. Er hat sie bislang nur einmal gesehen. Das ist vier Wochen her. "Auf der Straße telefonieren wir. Und abends dann sehen wir uns per Facebook-Live-Stream, wenn mein Guthaben reicht", sagt er. Wenn sich die EU statt für Hotelzimmer für kostengünstige Internetzugänge auf den Raststätten einsetzte, würde sich die Lebensqualiät vieler Trucker vermutlich wirklich steigern.

Viele kommen nicht aus der EU

Die Bedürfnisse der internationalen Lkw-Fahrer und die Vorstellungen der Europäischen Union: Hier auf dem Rastplatz Stillhorn prallen Welten aufeinander. Maximal vier Wochen sollen die Fahrer, wenn es nach Brüssel geht künftig fern der Heimat sein. Doch viele Fahrer, die in Stillhorn Pause machen, kommen nicht der EU, sondern aus der Türkei. Manchmal seien sie mehrere Monate auf Achse, erzählen drei türkische Trucker. 1.200 Euro würden sie im Monat verdienen. Und wenn die Hotelübernachtung Vorschrift wird? "Das müssten wir dann selbst bezahlen", meinen Metin, Muzaffer und Atalay.

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Streit über neue Trucker-Standards

Weniger Stau an Raststätten: Auch das ist ein Ziel der neuen EU-Regeln für Lkw-Fahrer. Doch ob das gelingt, ist fraglich. tagesschau.de berichtet. extern

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Hamburg Journal | 16.12.2018 | 19:30 Uhr

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