Warnstreik bei U-Bahn und Bussen in Hamburg: Chaos blieb aus

Stand: 16.10.2020 00:15 Uhr

Am Donnerstag sind in Hamburg die U-Bahnen und Busse ausgefallen. Die Gewerkschaft ver.di hatte bis Mitternacht den öffentlichen Nahverkehr lahmgelegt.

Hamburgs U-Bahn- und Busbahnhöfe waren seit den Morgenstunden leer wie sonst nur in der Nacht. Keine Bahnen, keine Busse und kaum Kundinnen und Kunden, die nicht vorgewarnt waren. Mehrere hunderttausend Fahrgäste mussten sich andere Verkehrsmittel suchen - wie Auto oder Fahrrad. Oder sie mussten - soweit möglich - umsteigen auf S-Bahn, Regionalzüge, AKN und die Hadag-Fähren, denn die wurden nicht bestreikt. Das große Chaos blieb allerdings aus. Die Gewerkschaft ver.di zog schon tagsüber ein positives Fazit.

Es sei gelungen, den U-Bahn- und Busverkehr zu 100 Prozent stillzulegen, erklärte Natale Fontana, Fachbereichsleiter von ver.di. Tatsächlich verließ in Hamburg kaum ein Bus die Depots. Aus Sicht der Gewerkschaft verdienten die Nahverkehrs-Mitarbeiter mehr Aufmerksamkeit, mehr Geld und kürzere Schichten.

Gewerkschaft verteidigt Ausstand trotz Pandemie

Zur Frage, ob ein Warnstreik mitten in der Corona-Pandemie angemessen sei, wenn sich Pendlerinnen und Pendler in den noch rollenden übervollen S-Bahnen anstecken könnte, erklärte Sieglinde Frieß, Vize-Landesbezirksleiterin bei ver.di: "Haben Sie Verständnis, dass wir auch in so einer Zeit Druck machen müssen." Den Zeitpunkt des Streiks habe man der Arbeitgeber-Seite zu verdanken, die dafür verantwortlich sei.

"Fridays for Future" begrüßt den Warnstreik

Die Klimabewegung "Fridays for Future" begrüßte den Warnstreik. Bessere Arbeitsbedingungen bei Bus und Bahn dienten dem Klimaschutz. Allerdings nahm der Autoverkehr am Donnerstag zu. 

Streik auch bei VHH-Bussen

Wegen des 24 stündigen Warnstreiks ist das Busdepot in Hamburg bis auf den letzten Platz gefüllt. Luftaufnahme.  Foto: René Schröder
Wegen des 24 stündigen Warnstreiks ist das Busdepot in Hamburg bis auf den letzten Platz gefüllt.

Ebenfalls gestreikt hatten die Busfahrer der Verkehrsgesellschaft Hamburg-Holstein (VHH), die ein Drittel der HVV-Buslinien bedient. Sie hatten ihren Warnstreik am Donnerstagnachmittag beendet. Betroffen waren dadurch auch das südliche Schleswig-Holstein, denn die VHH ist mit ihren Bussen auch in den Kreisen Pinneberg, Segeberg, Stormarn und Herzogtum-Lauenburg unterwegs.

Normalerweise 2,6 Millionen Kunden unterwegs

Nach Auskunft des Hamburger Verkehrsverbundes sind normalerweise 2,6 Millionen Kundinnen und Kunden werktäglich unterwegs. Aber es sind Herbstferien, viele arbeiten zudem im Homeoffice.

Kritik von Hochbahn und VHH

Eine Anzeigetafel der U-Bahnlinie zeit an, dass zum gegebenen Zeitpunkt kein U-Bahnverkehr stattfindet. © NDR Foto: Stefanie Döscher
Auch der U-Bahn-Verkehr war von dem Warnstreik betroffen.

Die Hochbahn hatte zuvor Sorgen um ihre Hunderttausenden Fahrgäste ausgedrückt. Man befürchtete, dass der Ausstand massive Auswirkungen haben könnte. Ausgerechnet in der zugespitzten Corona-Pandemie wolle die Gewerkschaft den Nahverkehr in Hamburg weitgehend lahmlegen. "Aus unserer Sicht sollten die Fahrgäste nicht in Geiselhaft für die bundesweiten Aktionen genommen werden", sagte Hochbahn-Vorständin Claudia Güsken. Auch der VHH bezeichnete den kurzfristigen Streikaufruf der Gewerkschaft ver.di als nicht nachvollziehbar. Ein zweiter Verhandlungstermin für den Haustarifvertrag sei bereits abgestimmt.

Hochbahn: Kein Zusammenhang mit Tarifstreit im öffentlichen Dienst

Bei der Hamburger Hochbahn geht es um den Haustarifvertrag. Die Gewerkschaft ver.di will aber Aufmerksamkeit für den bundesweiten Tarifkampf im öffentlichen Dienst. Und noch etwas ärgert die Hochbahn: Ver.di begründete den Warnstreik mit einem verschleppten Verhandlungstermin. Den habe man aber gemeinsam vereinbart. Am 29. Oktober sollte in einer zweiten Runde weiter verhandelt werden.

Verdi will weiter verhandeln

Die Kritik der Hochbahn wies Gewerkschafter Fontana scharf zurück: "Mein Appell an die Arbeitgeber wäre, massiv abzurüsten. Wenn wir so weitermachen: Müssen wir dann die Waffen rauspacken? Oder können wir uns am Verhandlungstisch irgendwann mal einigen?"

Weitere Informationen
Auf einer Anzeigentafel in Hamburg steht während des Warnstreiks im öffentlichen Dienst der Hinweis "Aktuell kein Bus- und U-Bahn Verkehr". © picture alliance / dpa Foto: Bodo Marks

HVV-Kundinnen und -Kunden droht großer Streik am Donnerstag

Ver.di hat einen weiteren Warnstreik angekündigt. Am Donnerstag von 3 Uhr an sollen keine U-Bahnen und Busse fahren. (13.10.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 15.10.2020 | 19:00 Uhr

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