Stand: 11.05.2019 15:15 Uhr

Wandsbek: Bezirk der Gegensätze

Mit mehr als 435.000 Einwohnern ist Wandsbek der mit Abstand bevölkerungsreichste Hamburger Bezirk. In der nach Einwohnerstärke geführten Liste der größten Städte Deutschlands käme Wandsbek an 16. Stelle zwischen Duisburg und Bochum. Der Name Wandsbek leitet sich von dem Flüsschen Wandse ab, das durch den Bezirk fließt. Zum Bezirk gehören 18 Stadtteile, die so unterschiedlich sind wie in kaum einem anderen Bezirk: urban wie Eilbek und Marienthal, dörflich wie Bergstedt und Wohldorf-Ohlstedt. Rahlstedt ist mit knapp 92.000 Einwohnern der größte Stadtteil - nicht nur im Bezirk Wandsbek, sondern in ganz Hamburg.

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Ritzenhoffs Herz schlägt für Farmsen und Rahlstedt

Thomas Ritzenhoff (SPD) ist seit 2011 Bezirksamtsleiter in Wandsbek. Der Jurist wurde am 23. Februar 2018 für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Für ihn schlägt das Herz des Bezirks in Farmsen, denn dort sei geografisch die Mitte. Persönlich schlage sein Herz in Rahlstedt, sagt Ritzenhoff. Dort ist er mit seiner Familie zu Hause. Inzwischen ziehe es immer mehr Familien in den Bezirk Wandsbek, sagt Ritzenhoff. Er ist überzeugt: In jedem Stadtteil seines Bezirks findet sich ein Platz, an dem es sich gut leben lässt.

Armer Süden, reicher Norden

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Mehr als 435.000 Menschen leben im Bezirk Wandsbek - viele deutsche Großstädte haben weniger Einwohner.

Wohl in keinem anderen Hamburger Bezirk ist das soziale Gefälle so groß wie in Wandsbek: Während in Rahlstedt mit knapp 9.000 Menschen die meisten Hartz-IV-Empfänger des Bezirks leben, sind es im kleinen Wohldorf-Ohlstedt gerade mal 68. Das geht aus den Daten des Statistischen Amtes für Hamburg und Schleswig-Holstein von 2016 hervor. Auch bei der Kinderarmut zeigt sich die soziale Spaltung im Bezirk: 49,1 Prozent der Kinder, die in Steilshoop aufwachsen, beziehen staatliche Leistungen. In Wellingsbüttel sind es dagegen nur 1,5 Prozent.

Viel Grün und viel Verkehr

In Wandsbek gibt es viele Naherholungsgebiete und Grünflächen. Am grünsten und dörflichsten ist es im Norden des Bezirks - in den Walddörfern Bergstedt, Duvenstedt, Lehmsahl-Mellingstedt, Volksdorf und Wohldorf-Ohlstedt. Bekannte Ausflugsziele sind etwa der Alsterwanderweg, das Rodenbeker Quellental, der Wohldorfer Wald mit dem ältesten Forstrevier Hamburgs und der Duvenstedter Brook sowie das Volksdorfer Museumsdorf. In Wandsbek liegen auch einige Naturschutzgebiete, etwa das Wittmoor in Duvenstedt und die Sievertsche Tongrube in Hummelsbüttel. Neu hinzukommen ist gerade das sumpf- und laubwaldreiche Naturschutzgebiet Duvenwischen in Volksdorf, in dem mehr als 825 Tierarten nachgewiesen sind.

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Andererseits leiden viele Wandsbeker unter Lärm, verursacht durch den zunehmenden Verkehr in ihrem Bezirk. Denn viele Autofahrer aus dem angrenzenden Schleswig-Holstein pendeln täglich in die Innenstadt. Die Autobahn 24, der Horner Kreisel und die Sievekingsallee und der Friedrich-Ebert-Damm sind nur einige von täglich verstopften Straßen. Die sechsspurige Wandsbeker Chaussee in Eilbek ist zur beliebten Raser- und Autoposer-Strecke geworden.

Besser an die Innenstadt anbinden

Derweil sollen Bramfeld und Rahlstedt deutlich besser als bisher an die Innenstadt angebunden werden. Denn trotz seiner Größe sind weite Teile Bramfelds im öffentlichen Nahverkehr nur durch Buslinien angebunden. Nach jahrelangen Planungen bekommt der Stadtteil nun eine U-Bahnstation. Der Bau des ersten Abschnitts der U5 zwischen Bramfelder Dorfplatz und dem New-York-Ring in der City Nord soll 2021 beginnen, die Fertigstellung ist für 2026 vorgesehen. In Farmsen-Berne soll noch in diesem Jahr die neue U-Bahnstation Oldenfelde zwischen den Haltestellen Farmsen und Berne eröffnet werden. Außerdem sollen die Bauarbeiten zur S-Bahnlinie 4 im nächsten Jahr beginnen. Die erste Teilstrecke zwischen Hauptbahnhof und Rahlstedt soll fünf Jahre später fertig sein. Entlang der Bahnlinie befürchten Anwohner mehr Lärm und protestieren gegen die Trasse.

Wandsbek schafft Wohnraum

Auch im Bezirk Wandsbek muss und soll Wohnraum geschaffen werden. Auf dem ehemaligen Parkplatz des Unternehmens Otto in Bramfeld etwa entstehen derzeit 650 neue Wohnungen an der Bramfelder Chaussee. Das Quartier soll als Beispiel dafür dienen, wie an den großen Verkehrsachsen der Stadt Wohnbebauung möglich sein kann. Auch das 30.000 Quadratmeter große Vattenfall-Grundstück gleich nebenan wird für den Wohnungsbau genutzt werden. Noch steht dort das Vattenfall-Ausbildungszentrum, das wird aber Anfang 2020 abgerissen und dann sollen dort im sogenannten Moosroosenquartier rund 500 Wohnungen entstehen.

Darüber hinaus soll das Wandsbeker Zentrum neu gestaltet werden. Die Idee: quirliges Wohnviertel und Wirtschaftsstandort. Dort, wo die Wandsbeker Chaussee, Wandsbeker Marktstraße, Hammer Straße und Brauhausstraße aufeinandertreffen, soll das Wandsbeker Tor entstehen. In Planung sind zwei Hochhäuser mit jeweils 18 Stockwerken für Büroflächen und Wohnraum.

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Der Sozialdemokrat Thomas Ritzenhoff ist Bezirksamtsleiter in Wandsbek.
Bezirkswahl 2014: SPD koaliert mit Grünen 

Bei der vergangenen Bezirksversammlungswahl im Mai 2014 wurde die SPD mit 37,9 Prozent und 23 Sitzen wieder stärkste Kraft, verlor jedoch vier Mandate. Die CDU verbesserte sich auf 29,3 Prozent und 17 Sitze. Die Grünen bekamen acht Sitze (13,2 Prozent), die Linke vier (7,2 Prozent) und die FDP kam lediglich auf zwei Sitze bei 3,9 Prozent. Die AfD gelangte mit 5,5 Prozent der Stimmen erstmals in die Bezirksversammlung Wandsbek. Am 26. Mai 2015 hat sich die AfD-Fraktion in Wandsbek aufgelöst.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Treffpunkt Hamburg | 16.05.2019 | 20:00 Uhr

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