Vor 50 Jahren: Die Meckerwiese auf der Moorweide

Stand: 24.01.2021 07:23 Uhr

Der Hamburger Senat richtet 1966 auf der Moorweide eine Art öffentlichen Debattierclub ein. Ein echtes Bürgerforum wird aus der sogenannten Meckerwiese allerdings nicht.

Dampf ablassen, öffentlich sagen, was auf der Seele brennt - darum soll es beim Hamburger Bürgerforum gehen. 1966 hat der Senat die Idee dazu und richtet auf der Moorweide am Dammtor den Debattierclub ein. Heinz Ruhnau (SPD), damals Innensenator sagte: "Ich hoffe, dass sich dieser Platz zu einem echten Bürgerforum entwickeln wird."

Anfangs herrscht großer Andrang

Aus der unscheinbaren Moorweide soll ein Hort der Demokratie werden - immer sonnabends von 14 bis 17 Uhr. Zur Premiere Anfang Februar 1966 strömen 400 Menschen auf die Wiese am Dammtor. Einer von ihnen ist der damals 14-jährige Axel Schildt: "Ich fand das damals nicht besonders beeindruckend, eher so ein bisschen Klamauk." Die Presse sieht das anders. Sogar Journalisten aus dem Ausland reisen an, um über Deutschlands erste öffentliche Redebühne zu berichten. Reporter taufen sie "Meckerwiese". "Ich find's ganz interessant, die Meinungen die man so hört. Einmal war einer hier, der sprach erst über Alimente und kam dann auf Schweinepreise zu sprechen", erzählt eine Frau.

Die Meckerwiese öffnet auch sonntags

Weil immer mehr Hamburgerinnen und Hamburger auf die Moorweide pilgern, öffnet der Senat die Meckerwiese auch am Sonntag. Und er stellt drei Hochstühle auf, von denen aus die Rednerinnen und Redner sich an die bis zu 1.000 Zuhörenden wenden können. "Hamburg hat sich ja immer gern mit London verglichen. Also dass man diese ehrwürdige Tradition Speakers Corner im Hyde Park von 1872 dachte, hier noch einmal aufführen zu können. Aber das war ein Flop", sagt Axel Schildt.

Denn die anfängliche Begeisterung lässt schnell nach. Bald tummeln sich nur noch ein paar Jugendliche auf der Moorweide, wie eine NDR Reporterin im Oktober 1966 feststellt: "Vor allen Dingen wurden Rocker Stammgäste. Sie wollen nicht zuhören oder Reden. Sie wollen nur die neueste Herrenmode vorführen, ein wenig Radau machen und gebührend beachtet werden."

Schnell ist die Meckerwiese Geschichte

Laufsteg statt Debattierclub - für die verbliebenen Anhänger der Meckerwiese ist das ein Unding. "Dat geit so nicht. So ist die Meckerwiese vollkommen überflüssig", sagt damals ein Anwesender. Als es draußen kälter wird, bleiben dann selbst die Rocker weg und die Meckerwiese ist nach wenigen Monaten wieder Geschichte.

Weitere Informationen
Schriftzug "Hamburg damals" auf einer schwarz-weiß Luftaufnahme vom Jungfernstieg.

Hamburg damals

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 24.01.2021 | 19:30 Uhr

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