Stand: 19.04.2019 06:25 Uhr

Vom Pflegeheim in die eigene Wohnung

Dass sie einmal fliegend in ihren Tag startet - wie sie selbst sagt - hätte Nadin Schindel bis vor Kurzem nicht geglaubt. Doch nun "fliegt" sie mit einem speziellen Gerät aus ihrem Bett, direkt in den Rollstuhl. Als Baby wurde sie von ihren Eltern geschüttelt, seitdem ist sie spastisch gelähmt, lebte lange im Pflegeheim. Dort war sie immer auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen, musste manchmal stundenlang im Bett warten, bevor sie aufstehen konnte.

Frau in einer Hängevorichtung

Inklusion: Vom Pflegeheim in die eigene Wohnung

Hamburg Journal -

Vor eineinhalb Jahren war Nadin Schindel im Rollstuhl rund um die Uhr auf Pflege angewiesen, nun lebt sie größtenteils eigenständig in einer Wohnung im Neubaugebiet Mitte Altona.

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Ein Traum erfüllt sich

Doch dann erfüllte sich für sie ein Traum und sie fand über das Projekt Qplus der Stiftung Alsterdorf eine rollstuhlgerechte Wohnung in der Mitte Altona. Die Mitte Altona ist eines der größten Stadtentwicklungsprojekte in Hamburg, das inklusiv geplant wurde. Mit sogenannten Quartierslotsen und speziellen Angeboten kann Nadin Schindel heute fast selbstständig leben. "Das ist immer noch ein Triumph, den ich jeden Morgen feiere, ich muss auf keinen mehr warten", sagt Schindler. Ein Mal am Tag kommt der Pflegedienst, den größten Teil ihres Alltages gestaltet Schindel selbst.

Dank der Unterstützung von Steffen Sauthoff lebt sie heute in ihrer ersten eigenen Wohnung. Sauthoff ist ein sogenannter Quartierlotse und unterstützt für die evangelische Stiftung Alsterdorf Menschen wie Nadin Schindel dabei, selbstbestimmter zu leben. "Wenn ich darüber rede, was jemand braucht, dann bin ich schnell bei: Wer kann helfen, wer kann unterstützen. Und das macht diesen Menschen kleiner", sagt Sauthoff. "Wenn ich aber darüber rede, was ein Mensch will, dann steckt da auch Energie drin. Dann ist da auch eine Vision von einem zukünftigen Alltag, der mich antreibt, den ich so erreichen will. Und dann hat man automatisch den Blick auf mehr Möglichkeiten. Der Blick weitet sich."

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Vorzeigestadtteil in Sachen Inklusion

Die Mitte Altona ist Hamburgs Vorzeigestadtteil in Sachen Inklusion. "Mit QPlus und den Lotsen begleiten wir Menschen mit Behinderung dabei, dass sie sich entsprechend ihrer Vorstellung auf den Weg machen können, auch neue und ungewöhnliche Wege gehen können. Das braucht natürlich auch neue und ungewöhnliche und weiterentwickelte Strukturen", sagt Karen Haubenreisser von der Stiftung Alsterdorf. Die Mitte Altona sei ein solches Quartier und biete auch Menschen im Rollstuhl ein Umfeld, in dem sie selbstbestimmt leben könnten, so Haubenreisser.

Spontane Ausflüge möglich

Früher konnte Schindel nicht einfach so spontan Freunde treffen, jetzt ist ein Ausflug jederzeit möglich. "Wer weiß, wo ich in ein paar Jahren stehe, wo ich mir das heute noch überhaupt nicht vorstellen kann", sagt sie. "Ich hätte mir ja auch nie vorstellen können, so viele großartige Menschen kennenzulernen, die so viel Potenzial in mir sehen und sagen: Komm, da geht noch was, wir fangen mal an und gucken, mit was wir sonst noch anfangen können", sagt Schindel. Ein neuer Anfang - für Nadin Schindel beginnt er in der Mitte Altona.

Karte: Wo ist die Neue Mitte Altona?
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 13.04.2019 | 19:30 Uhr

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