Stand: 10.08.2019 10:00 Uhr

Verkehrswende: Hamburgs Innenstadt autofrei?

von Bert Beyers

In der Nähe des Rathauses sind die Kleine Johannisstraße und Teile der Schauenburgerstraße mittlerweile autofrei. Auch in Ottensen werden ab September einige Straßenzüge für ein halbes Jahr den Fußgängern und Fahrradfahrern überlassen sein. Die Verkehrswissenschaftlerin Philine Gaffron von der TU Hamburg begleitet das Projekt. Sie geht noch einen Schritt weiter und plädiert dafür, dass die gesamte Hamburger Innenstadt 2030 autoarm wird. NDR 90,3 hat sie auf einem Spaziergang rund um die Binnenalster begleitet.

Philine Gaffron ist Verkehrswissenschaftlerin an der TU Hamburg © NDR Foto: Bert Beyers

Forderung: Autofahren in der City teurer machen

NDR 90,3 - NDR 90,3 Aktuell -

Die Verkehrswissenschaftlerin Philine Gaffron von der TU Hamburg erläutert, wie die Hamburger Innenstadt bis 2030 weitgehend frei von Autos sein kann. Sie fordert höhere Parkgebühren.

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Fahrradweg am Jungfernstieg "Fehlkonstruktion"

Rund um die Binnenalster nimmt Gaffron viele "konkurrierende Nutzungen" wahr: Autos, Busse, Fußgänger, Fahrrad- und E-Roller-Fahrer. Es gibt Menschen, die in der City arbeiten, Hamburger, die flanieren oder einkaufen und jede Menge Touristen. Der Radfahrstreifen auf der Wasserseite des Jungfernstiegs sei eine glatte Fehlkonstruktion, meint Gaffron. "Der ist schwer zu erkennen, Fußgänger und Radfahrer kommen sich laufend in die Quere."

"Mehr Raum für Menschen"

"Wir wollen hin zu einer Stadt, die mehr Raum für Menschen und weniger für Fahrzeuge bietet", sagt Gaffron. Dazu saubere Luft und deutlich weniger CO2-Ausstoß, weniger Lärm, weniger Unfälle und mehr Sicherheit. Also eine Stadt, die die Funktionen und Aufgaben, die sie für die Gemeinschaft hat, gut erfüllen kann. Das ist der Wunsch der Wissenschaftlerin. Der Straßenverkehr ist der einzige Sektor, der während der vergangenen Jahre bei den Klimagasemissionen zugelegt hat.

Philine Gaffron ist Verkehrswissenschaftlerin an der TU Hamburg © NDR Foto: Bert Beyers

Lösungen für Lieferverkehr gesucht

NDR 90,3 - NDR 90,3 Aktuell -

Eine komplett autofreie Innenstadt kann es nicht geben. Dafür spricht alleine der Lieferverkehr für die Geschäfte. Philine Gaffron mit einem Vorschlag.

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Vorschlag: Mehr Parkplätze an Haltestellen

"Wir werden natürlich keinen Zaun um die Innenstadt bauen und sagen: Hier kommt niemand mehr durch." Aber die Erwartung, dass man mit dem privaten Auto in die dichtbesiedelte City fährt, die sei heutzutage nicht mehr zu halten. Nicht mit einem Fahrzeug, das geparkt ungefähr zwölf Quadratmeter Fläche benötigt. Vor allem nicht, wenn dieser Teil der Stadt gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder von neuen Anbietern wie Moia oder Uber bedient werde. Um die Innenstadt zu erreichen, sieht Gaffron im weiteren Umfeld von Hamburg durchaus noch Verbesserungsbedarf. An den Haltestellen von Bussen und Bahnen sollte es zum Beispiel mehr Parkmöglichkeiten geben.

Preise fürs Parken in der City sollen steigen

"Was in Stockholm oder Oslo oder London funktioniert, muss noch lange nicht in Hamburg funktionieren", sagt Gaffron. Eine Citymaut in Hamburg hält sie nicht für sinnvoll, eine strengere Parkraumbewirtschaftung dagegen schon. Parkplätze in der Innenstadt sind ohnehin rar. Und die meisten kosten bereits, Parkhäuser sowieso. "Grundsätzlich muss es teurer sein, mit dem Auto in die Innenstadt zu fahren als mit Bus oder Bahn." Da es aber noch immer Menschen gäbe, die bereit sind, für das Parken mehr zu zahlen, müssten die Preisschwellen schon sehr hoch sein.

Fahrverbot für die meisten Autofahrer

Eine komplett autofreie Innenstadt hält Philine Gaffron jedoch für keine gute Idee. "Wenn ich auf einen Rollstuhl angewiesen bin und mich flexibel bewegen möchte, und keine drei Stunden auf einen Fahrdienst warten will, dann ist natürlich ein eigenes Auto in vielen Fällen eine gute Möglichkeit." Der Ballindamm wird im Zuge des Ausbaus der Velorouten demnächst breitere Fahrradwege erhalten. Ginge es nach Gaffron, würde dann zugleich der Parkstreifen auf der dem Wasser abgewandten Seite wegfallen. Dann bliebe noch eine Spur für Busse oder Sammel-Taxis übrig. Der Individualverkehr dagegen sollte ihrer Meinung nach bis 2030 vollständig von Ballindamm und Jungfernstieg verschwinden. Mit Einschränkungen - etwa für Menschen mit körperlichen Behinderungen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 10.08.2019 | 14:20 Uhr

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