Stand: 09.08.2019 08:07 Uhr

Verfassungsschutz warnt vor Scientology-Stand

Der Hamburger Verfassungsschutz hat vor einem Anti-Drogen-Infostand gewarnt, mit dem die unter Beobachtung stehende Scientology-Organisation (SO) unter falscher Flagge neue Anhänger gewinnen wolle. Unter dem Motto "Für eine drogenfreie Welt" solle am Sonnabend in Harburg vorgeblich über die Gefahren von Drogen aufgeklärt werden, sagte der Sprecher des Landesamts, Marco Haase.

Tarnorganisation "Sag Nein zu Drogen"

Was ist Scientology?

- Religiöse Lehre und Bewegung, die 1953 vom Schriftsteller L. Ron Hubbard in den USA begründet wurde
- Mitgliederzahl unklar: Zehn Millionen nach eigenen Angaben, tatsächlich aber wohl maximal 150.000 weltweit
- These: Mensch durch traumatische Erlebnisse beeinträchtigt, Psycho- und Sozialtechniken ("Auditing", "Clearing") sollen ihn therapieren ("reinigen")
- Kritik: Geldmaschine (Produkte und Therapien überteuert), fragwürdige Gesundheitspraktiken, Mitglieder werden bis ins Intimleben durchleuchtet, Menschenrechte außer Kraft gesetzt, Aussteiger bedroht
- bekannte Unterstützer: Tom Cruise, John Travolta, Juliette Lewis

Auch in der Hamburger Innenstadt und in Bergedorf gebe es in unregelmäßigen Abständen solche Info-Stände. Aus taktischen Gründen trete Scientology dabei mit der Tarnorganisation "Sag Nein zu Drogen" auf. "Die SO instrumentalisiert das gesellschaftlich breit akzeptierte Engagement gegen den Drogenmissbrauch, um mit Bürgerinnen und Bürgern, aber auch mit sozialen Einrichtungen und Organisationen ins Gespräch zu kommen." Zudem versuche die Organisation, ihr angeschlagenes Image zu verbessern.

Immer wieder würden auch Info-Flyer in Hamburger Geschäften ausgelegt oder in die Briefkästen von Privathaushalten geworfen. "Wer in einem Geschäft SO-Anti-Drogen-Flyer entdeckt, sollte den Inhaber informieren, dass es sich nicht um harmlose Info-Heftchen handelt, sondern um die Publikationen einer verfassungsfeindlichen Organisation", sagte Haase.

Zahl der Scientology-Anhänger seit Jahren rückläufig

Die Anti-Drogen-Masche werde auch nicht nur von Scientology genutzt. "Auch Rechtsextremisten haben diese Thematik bereits für ihre Zwecke instrumentalisiert." Haase zufolge ist die Zahl der Scientology-Anhänger seit Jahren rückläufig. Seien es vor zehn Jahren noch 650 gewesen, würden derzeit in Hamburg nur noch 300 Personen der SO zugerechnet.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 09.08.2019 | 07:00 Uhr

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