Stand: 06.03.2019 19:45 Uhr

Ver.di: Flughafen Hamburg droht neuer Warnstreik

Der Streit um die Tarife für das Bodenpersonal am Hamburger Flughafen spitzt sich zu. Die Gewerkschaft ver.di hat am Mittwoch die Stadt Hamburg aufgerufen, sich als Mehrheitseigner des Flughafens in den Konflikt einzuschalten, um weitere Warnstreiks noch abzuwenden. "Wir erwarten, dass sich die Stadt für die Mitarbeiter in Unternehmen mit ihrer Mehrheitsbeteiligung verantwortlich fühlt", sagte die stellvertretende ver.di-Chefin Sieglinde Frieß. In einer boomenden Stadt, in der alles teurer werde, sei es unwürdig, mit Bruttoverdiensten von unter 2.000 Euro auskommen zu müssen. Die Stadt müsse eine Eskalation des Tarifkonflikts verhindern, so die Gewerkschaft, die auch einen erneuten Warnstreik nicht ausschloss. "Es muss von irgendeiner Seite ein Signal kommen", sagte Frieß. Sollte es das von Arbeitgeberseite bis Freitag nicht geben, könnte es noch in den Ferien zum Streik kommen.

Die Wirtschaftsbehörde erklärte, sie würde sich grundsätzlich nicht zu Tarifverhandlungen bei städtischen Tochterunternehmen äußern. Die nächste Tarifrunde soll am 20. März stattfinden.

Ver.di fordert 220 Euro mehr im Monat

Ver.di handelt für Beschäftigte in der Gepäckabfertigung, der Flugzeugreinigung und im Bustransport für Passagiere Tarife aus. Dabei sind bereits fünf Tarifrunden ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Die Gewerkschaft fordert für die fast 1.000 Mitarbeiter der Bodenverkehrsdienste (BVD) eine monatliche Tariferhöhung von 220 Euro für alle. Das seien rund acht bis zwölf Prozent bei einer kürzeren Laufzeit von 20 Monaten, damit möglichst schnell alle Beschäftigten mindestens zwölf Euro pro Stunde verdienen, erläuterte ver.di-Verhandlungsführerin Irene Hatzidimou das Angebot. Das hätte schließlich auch die Stadt als Mindestlohn für ihre Betriebe ausgerufen.

Tarifstreit: Kritik von Arbeitgeberseite

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Schon Anfang Februar war das Bodenpersonal in Streik getreten.

Die Arbeitgeberseite wird durch die Flughafentochter HAM Ground Handling GmbH vertreten. Nach eigenen Angaben bietet sie aktuell eine Lohnerhöhung von sieben Prozent bei 24 Monaten Laufzeit an. Die angebotene Erhöhung für Einsteiger von 11,3 Prozent bringe das Grundgehalt auf über zwölf Euro, dem geplanten Mindestlohn in städtischen Firmen. HAM-Chef Christian Noack kritisierte die Gewerkschaft. Trotz der laufenden Verhandlungen verharre ver.di auf ihren Forderungen und drohe mit erneuten Warnstreiks sogar in den Hamburger Ferien. Am 4. Februar hatte ein ganztägiger BVD-Warnstreik den Hamburger Flughafen lahmgelegt. Der Gewerkschaft ginge es einzig und allein um die größtmögliche Eskalation, so Noack.

Bodenpersonal am Flughafen rechnet mit Streik

Das Bodenpersonal stelle sich auf einen Arbeitskampf ein, sagte Martin Huisinga, der seit 13 Jahren am Flughafen Gepäck abfertigt. "Niemand möchte streiken und irgendjemandem seine Ferien versauen, nur was bleibt uns anderes übrig?", sagte er im Gespräch mit NDR 90,3. Mehrere BVD-Mitarbeiter erzählten am Mittwoch von ihren Arbeitsbedingungen. So bewege eine Drei-Mann-Gruppe beim Entladen von rund 3.000 Kilogramm Gepäck pro Maschine - und dies bis zu neun Mal täglich. Die Abfertigung der Maschinen werde durch den Druck der Airlines immer schneller, erklärte ein Oberlader. Die hohe Verantwortung für die Sicherheit müsse sich aber in der Bezahlung widerspiegeln.

Mitarbeiter steckten in der zweiten Gehaltsstufe von etwa 1.860 Euro monatlich fest, weil die Prüfung zum zertifizierten Flugzeugabfertiger gestrichen worden sei. Nur durch Extra-Schichten mit zehn Euro netto Stundenlohn könne er die monatlichen Ausgaben bestreiten, so ein Familienvater. Sie gingen dann aber von seinen freien Tagen nach dem Sieben Tage-Schichtintervall ab. Wegen der körperlichen Belastung sei die Fluktuation hoch, berichteten die Mitarbeiter weiter.

Eine Teilnehmerin eines Streiks der Hamburger Bezirksämter steht vor dem Bezirksamt Wandsbek und bläst in eine Trillerpfeife. © dpa-Bildfunk Foto: Daniel Bockwoldt

Flughafen-Bodenpersonal: Tarifstreit geht weiter

NDR 90,3 - NDR 90,3 Aktuell -

Der Streit um die Tarife des Bodenpersonals am Hamburger Flughafen geht weiter. Die Gewerkschaft ver.di forderte die Stadt Hamburg als Mehrheitseigner dazu auf, Stellung zu beziehen.

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Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version dieses Beitrages ist uns ein Fehler unterlaufen. Derzeit fordert ver.di 220 Euro mehr pro Monat, nicht 275 Euro. Die Ursprungsforderung zu Beginn der Tarifgespräche betrug 275 Euro. Die Redaktion bittet für diesen Fehler um Entschuldigung.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 06.03.2019 | 16:00 Uhr

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