Stand: 04.09.2020 21:01 Uhr

Vattenfall will Kohlekraftwerk Moorburg stilllegen

Das Hamburger Kohlekraftwerk Moorburg. © picture alliance/dpa Foto: Bodo Marks
Das Kohlekraftwerk ist offiziell erst seit rund fünf Jahren in Betrieb.

Vattenfall möchte das umstrittene Hamburger Kohlekraftwerk Moorburg schon in wenigen Monaten ganz oder teilweise stilllegen. Dazu habe man sich an einer Auktion der Bundesnetzagentur zur Stilllegung von Kraftwerkskapazitäten beteiligt, teilte der Betreiber Vattenfall am Freitag mit. "Wenn wir den Zuschlag bekommen, würden wir die entsprechenden Kapazitäten Mitte nächsten Jahres schließen", sagte Konzernchef Magnus Hall der "Süddeutschen Zeitung".

VIDEO: Kohlekraftwerk Moorburg soll stillgelegt werden (2 Min)

Netzagentur entscheidet im Dezember

In einer ersten Runde hat die Bundesnetzagentur 4.000 Megawatt Kraftwerkskapazität in Norddeutschland ausgeschrieben, die gegen eine Entschädigung stillgelegt werden sollen. Das Verfahren erfolgt wie bei Auktionen. Entschieden wird nach der CO2-Bilanz und danach, wer für Stilllegungen am wenigsten Entschädigung fordert. Die Netzagentur will bis Dezember entscheiden, wer den Zuschlag erhält. Ob Vattenfall dabei Erfolg hat, ist offen.

Kerstan: "Wäre ein Riesenfortschritt"

Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) begrüßte den Schritt Vattenfalls zu einer möglichen Stilllegung. "Wenn es wirklich so sein sollte, dass Vattenfall bei der Auktion des Bundes den Zuschlag bekäme, dann würde der Kohle-Koloss Moorburg sehr viel schneller vom Netz gehen können", sagte Kerstan auf der Hamburger Nordsee-Insel Neuwerk. "Das wäre ein Riesenfortschritt für den Klimaschutz in Hamburg." Auch die Umrüstung des Kraftwerks auf Gas wäre damit hinfällig.

Hamburger CDU spricht von "Schildbürgerstreich"

Anders sieht das die Hamburger CDU. Sie spricht von einem teuren Schildbürgerstreich - ausgerechnet das effizienteste Kohlekraftwerk Europas werde möglicherweise vorzeitig abgeschaltet.

Eigentlich bis 2038 in Betrieb

Moorburg gilt als wichtiger Baustein in der norddeutschen Stromversorgung. Das Kraftwerk besteht aus zwei Blöcken mit einer Leistung von jeweils gut 800 Megawatt und ist offiziell seit 2015 in Betrieb. Es ist eines der modernsten und effizientesten Kohlekraftwerke in Deutschland und sollte eigentlich bis 2038 am Netz bleiben. Das Kraftwerk kann bis zu elf Terawattstunden Strom pro Jahr erzeugen und stößt bei voller Last jährlich rund acht Millionen Tonnen CO2 aus, im vergangenen Jahr waren es 4,7 Millionen Tonnen.

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hatte sich in der Vergangenheit für einen früheren Ausstieg aus dem Kohlekraftwerk Moorburg ausgesprochen. Immer wieder hatten Klima-Aktivisten und -Aktivistinnen eine schnellere Abschaltung gefordert. Das Kraftwerk wurde Mitte der Nuller-Jahre geplant und fiel auf Wunsch des damaligen CDU-Senats unter Ole von Beust doppelt so groß aus wie zunächst vorgesehen. Den Grünen gelang es später in Senatsverantwortung aus rechtlichen Gründen nicht, den Bau zu stoppen, wie sie es zuvor angekündigt hatten.

Urteil gab Umweltschützern recht

Am Mittwoch hatte das Hamburgische Oberverwaltungsgericht entschieden, dass das Kraftwerk kein durchlaufendes Elbwasser zur Kühlung nutzen darf - und damit dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) recht gegeben, der dagegen geklagt hatte.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 04.09.2020 | 13:00 Uhr

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