Vattenfall kann Kohlekraftwerk Moorburg stilllegen

Stand: 01.12.2020 16:43 Uhr

Das Kraftwerk Moorburg ist erst seit 2015 offiziell im Betrieb, darf aber demnächst stillgelegt werden. Der Betreiber Vattenfall hatte sich an einer Auktion bei der Netzagentur beteiligt - mit Erfolg.

Der schwedische Betreiber erhielt am Dienstag die Genehmigung der Bundesnetzagentur für eine Stilllegung beider Blöcke. "Jetzt werden wir die Planungen für die vorzeitige Schließung vorantreiben. Dazu gehört auch, unsere Mitarbeiter bei der Suche nach neuen Arbeitsplätzen zu unterstützen beziehungsweise in verantwortungsvoller Weise andere Optionen zu vereinbaren", sagte Vattenfall-Deutschland-Chef Tuomo Hatakka. Allerdings steht vor einer möglichen Abschaltung noch eine Überprüfung durch die sogenannten Übertragungsnetzbetreiber an. Dort wird abgeklärt, ob Moorburg systemrelevant ist. Kommt von dort auch ein Okay, wird Moorburg spätestens Mitte 2021 abgeschaltet.

Eigentlich Betrieb bis 2038 geplant

Moorburg gilt bislang als wichtiger Baustein in der norddeutschen Stromversorgung. Das Kraftwerk besteht aus zwei Blöcken mit einer Leistung von jeweils gut 800 Megawatt und ist offiziell seit 2015 in Betrieb. Es ist eines der modernsten und effizientesten Kohlekraftwerke in Deutschland und sollte eigentlich bis 2038 am Netz bleiben. Das Kraftwerk kann bis zu elf Terawattstunden Strom pro Jahr erzeugen und stößt bei voller Last jährlich rund acht Millionen Tonnen CO2 aus, im vergangenen Jahr waren es 4,7 Millionen Tonnen.

Umweltsenator Kerstan begrüßt Entscheidung

Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) begrüßte die Stilllegung. "Das Kraftwerk Moorburg war von Anfang an überdimensioniert, unwirtschaftlich und aus der Zeit gefallen", sagte der Grünen-Politiker. "Es ist für den Klimaschutz eine gute Nachricht, wenn es jetzt deutlich früher vom Netz geht als ursprünglich geplant." Mit der Stilllegung Moorburgs werde der Kohleausstieg in Hamburg nun nicht nur in der Wärme deutlich früher vollzogen als im Rest der Republik. "Wir schaffen so auch den gesamten Kohleausstieg in Hamburg bis spätestens 2030." Am Standort Moorburg könne nun "die Energieversorgung der Zukunft" beginnen. Neben der Produktion von grünem Wasserstoff in großem Stil könne dort auch ein innovativer Hochtemperatur-Stahlspeicher entstehen.

"Es wird hier keine Blackouts geben"

Der Industrieverband Hamburg fürchtet nach dem Aus für Moorburg um die Versorgungssicherheit. Kerstan widersprach: "Also niemand braucht Sorgen zu haben, dass Hamburg oder die Hamburger Industrie jetzt nicht mehr ausreichend mit Strom versorgt werden kann. Es wird hier keine Blackouts geben", sagte er am Dienstag im Rahmen der Landespressekonferenz.

CDU befürchtet Engpässe

CDU-Umweltexperte Stephan Gamm warnte dennoch vor Engpässen. Derzeit werde Hamburg in windärmeren Monaten bis zu 90 Prozent mit Strom aus Moorburg versorgt, sagte Gamm. "Mit der Abschaltung des Kernkraftwerkes Brokdorf Ende 2021 wäre das Kohlekraftwerk Moorburg das letzte verbleibende Großkraftwerk in Norddeutschland." Bei der AfD war von "ideologischem Irrsinn" die Rede.

"Ökologischer Irrsinn und Steuerverschwendung"

Angesichts des noch bis 2025 geplanten Weiterbetriebs des Kohleheizkraftwerks in Wedel bezeichnete der Vorsitzende des Hamburger Steuerzahlerbundes, Lorenz Palte, die geplante Stilllegung "des saubersten Kohlekraftwerks der Republik" als "ökologischen Irrsinn und Steuerverschwendung".

Umweltschützer hatten schnellen Ausstieg gefordert

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hatte sich in der Vergangenheit für einen früheren Ausstieg aus dem Kohlekraftwerk Moorburg ausgesprochen. Immer wieder hatten Klima-Aktivisten und -Aktivistinnen eine schnellere Abschaltung gefordert. Das Kraftwerk wurde Mitte der Nuller-Jahre geplant und fiel auf Wunsch des damaligen CDU-Senats unter Ole von Beust doppelt so groß aus wie zunächst vorgesehen. Den Grünen gelang es später in Senatsverantwortung aus rechtlichen Gründen nicht, den Bau zu stoppen, wie sie es zuvor angekündigt hatten.

Bundesnetzagentur gab Stillegungesprämien bekannt

Die Bundesnetzagentur gab am Dienstag die Stilllegungsprämien für insgesamt elf deutsche Kraftwerksblöcke bekannt. Die Betreiber der Anlagen erhalten rund 317 Millionen Euro. Sie dürfen ab dem 1. Januar 2021 keinen Strom aus diesen Anlagen mehr verkaufen. Das Verfahren bei der Netzagentur erfolgt wie bei Auktionen. Entschieden wird nach der CO2-Bilanz und danach, wer für Stilllegungen am wenigsten Entschädigung fordert.

Höhe der Prämie unbekannt

Wie hoch die Stilllegungsprämie für Vattenfall ist, wurde nicht mitgeteilt. Auch der schwedische Energieriese hatte im Vorfeld nicht bekannt gegeben, wie viel er für die Stilllegung der beiden Blöcke mit einer Kapazität von jeweils 800 Megawatt gefordert hatte. Laut Bundesnetzagentur lag der durchschnittliche Zuschlagswert bei 66.259 Euro pro Megawatt.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 01.12.2020 | 12:00 Uhr

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