Stand: 17.10.2019 09:06 Uhr

Uni Hamburg: Protest gegen Lucke-Rückkehr

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Zahlreiche Demonstranten protestierten gegen Luckes Rückkehr und störten die geplante Vorlesung.

Mehrere Hundert Demonstranten haben an der Universität Hamburg die erste Vorlesung von AfD-Mitgründer Bernd Lucke seit dessen Rückkehr an die Uni verhindert. Der 57-jährige Wirtschaftswissenschaftler wollte in einem Hörsaal des Uni-Hauptgebäudes zum Thema Makroökonomik sprechen. Allerdings kam er wegen des lautstarken Protests nicht dazu. Immer wieder riefen Störer "Hau ab". Die Protestierenden zeigten mehrere Transparente, auf einem stand "Keinen Raum den geistigen Brandstiftern". Die Polizei hielt sich zurück, der Saal wurde nicht geräumt.

Professor verlässt Vorlesung

Lucke verließ das Pult und setzte sich zunächst auf einen freien Platz im Auditorium. Nach etwa zwei Stunden verließ er auch den Hörsaal. Er wurde von Polizeibeamten an einem Seitenausgang des Gebäudes abgeholt und zur Straße gebracht.

AStA: "Unzumutbar"

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Lucke konnte seine geplante Vorlesung wegen der Proteste nicht halten und setzte sich ins Auditorium.

Die Studierendenvertretung AStA hatte bereits für den Vormittag zu einer Protestkundgebung vor dem Hauptgebäude der Uni aufgerufen. Die Rückkehr Luckes sei unzumutbar, so der AStA. Lucke trage eine Mitverantwortung für die heutigen gesellschaftlichen Verwerfungen in Deutschland. Der AStA betonte, dass er zu den Störungen im Hörsaal nicht aufgerufen hatte.

Der Volkswirtschaftler widersprach den Vorwürfen und hat dem AStA ein Gespräch angeboten. Dieses werde in den kommenden Tagen stattfinden, bestätigte AStA-Referent Niklas Stephan NDR 90,3.

Hamburgs Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) und Universitätspräsident Dieter Lenzen hoben am Mittwoch hervor, dass die Durchführung freier wissenschaftlicher Lehre zu den grundgesetzlich garantierten Pflichten und Rechten jedes Hochschullehrers gehöre. "Unabhängig davon ist festzustellen, dass Universitäten als Orte der Wissenschaft die diskursive Auseinandersetzung auch über kontroverse gesellschaftliche Sachverhalte und Positionen führen und aushalten müssen - insbesondere vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte."

Lucke maßgeblich an AfD-Gründung beteiligt

Lucke lehrt seit 1998 an der Uni Hamburg. Der Euro-Kritiker war 2013 maßgeblich an der Gründung der AfD beteiligt und einer ihrer ersten Bundessprecher. 2014 hatte er sich von der Uni Hamburg beurlauben lassen, um als Berufspolitiker für die AfD ins Europaparlament zu wechseln. Nachdem er 2015 im Streit um eine stärker nationalkonservative Ausrichtung der Partei von Frauke Petry als AfD-Bundessprecher abgelöst worden war, hatte er die Partei verlassen und in der Folge fremdenfeindliche und rechtsextreme Tendenzen angeprangert.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 16.10.2019 | 14:00 Uhr

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