Tschentscher macht Hoffnung auf weitere Lockerungen

Stand: 24.06.2021 08:13 Uhr

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hat im Sommerinterview mit dem Hamburg Journal und NDR 90,3 angekündigt, dass er weitere Lockerungen erwartet. Er zog auch eine positive Bilanz der strikten Corona-Regeln, die für Hamburg beschlossen wurden.

Tschentscher präzisierte im Sommerinterview, wie die nächsten Lockerungsschritte ganz konkret aussehen könnten: Tanzveranstaltungen unter freiem Himmel hält der Hamburger Regierungschef für denkbar, wenn dabei alle Abstand halten, sich für die Kontaktnachverfolgung registrieren und auch testen lassen. Ein solcher Schritt könnte in den kommenden 10 bis 14 Tagen vollzogen werden, wenn es die Inzidenz weiter zulasse. Voraussetzung sei, dass die Infektionslage stabil bleibe: "Ich glaube, wir haben eine sehr stabile Entwicklung bisher und ich hoffe, dass wir die auch bis in den Herbst durchhalten", sagte Tschentscher in dem Interview.

Corona-Maßnahmen: schwere Entscheidungen

Der Bürgermeister schilderte auch, wie er die Zeit der Corona-Pandemie erlebt hat. Am schwersten sei für ihn die Zeit vor Ostern gewesen. "Eigentlich waren wir auf einem guten Weg, und dann kam die britische Mutation nach Deutschland." Der Senat musste neue Beschränkungen wie eine Ausgangssperre beschließen. "Das war schon sehr schwer." Die Entscheidungen damals habe er zunächst mit sich alleine abgemacht. Er habe damals auch eine Intensivstation besucht. "Wir hatten Höchstzahlen dort", eine Entlastung sei nötig gewesen: "Ich glaube, wir haben viele schwere Erkrankungsfälle und auch manch einen Todesfall dadurch verhindert, dass wir hier so konsequent vorgegangen sind." Geholfen habe ihm bei alledem auch seine Ausbildung als Mediziner. Er müsse sich von Ärztinnen und Ärzten nicht erklären lassen, worum es bei Corona gehe. "Das ist hilfreich."

Tschentscher erzählte im Interview auch, dass er diese Woche einen ersten Impftermin bekommen hat. "Ich habe immer gesagt, ich lasse mich impfen, wenn ich an der Reihe bin."

Reinwachsen ins Amt

Tschentscher beantwortete im Sommerinterview auch persönliche Fragen danach, wie das Amt des Bürgermeisters ihn verändert hat. "Man wächst ein Stück weit in dieses Amt hinein." Es sei so wie sonst im Leben wenn man eine neue Stelle antrete. "Es ist eine große Herausforderung." Seine sieben Jahre als Senator seien aber eine gute Vorbereitung gewesen. Es mache Freude zu sehen, dass Dinge so funktionierten, wie man sie sich vorgenommen habe.

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Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher. © NDR Foto: Screenshot
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Fragen zur Baupolitik

Der Erste Bürgermeister äußerte sich im Sommerinterview auch zu der Diskussion über Einzel- und Reihenhäuser im Bezirk Hamburg-Nord. Wo diese Häuser vorgesehen seien, soll es sie auch weiter geben. Wichtig sei aber für eine Metropole wie Hamburg auch die Diskussion, wie man mit dem Wohnungsbau verstärkt in die Höhe bauen könne, um Platz für Grünflächen zu sparen. Auch er wohne in einem Mehrfamilienhaus mit mehreren Stockwerken: "Ich fühle mich dort sehr wohl. Es ist nicht so, dass das Leben nur attraktiv ist, wenn man einen riesigen eigenen Garten hat." Und auch wenn es weiter Stadtteile in Hamburg geben werde, in denen man im Einzel- oder Reihenhaus lebe, so hält es Tschentscher auch für notwendig, stärker in die Höhe zu bauen. Auch für Wohnungen, die dann gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden sind.

Klimaschutz im Hafen

Tschentscher bekräftigte in dem Interview das Ziel, den Hafen bis 2040 klimaneutral zu machen. Dafür werden zurzeit Anlagen gebaut, die die Versorgung mit Landstrom sicherstellen. "Wir sind der einzige große Seehafen Europas, der jetzt an allen großen Container- und Kreuzfahrtterminals eine Landstromversorgung aufbaut." Er hoffe, dass die Reedereien das Angebot annähmen. Der Senat hat dafür nach Angaben von Tschentscher auch wirtschaftliche Anreize gesetzt, sei aber auch bereit, durch Regulierung dafür zu sorgen, dass der Landstrom genutzt werde.

Regenbogen als gutes Signal

Tschentscher kommentierte in dem Interview auch die Idee, das Münchner Stadion in Regenbogenfarben zu hüllen. Die UEFA hatte dies nicht erlaubt. Tschentscher sagte dazu: "Ich fand es eine passende Idee, ein Signal für Toleranz und Vielfalt zu senden." Aber es gebe ja viele Möglichkeiten ein solches Signal zu senden. Hamburg beteilige sich an vielen Stellen daran. Zum Beispiel die Fußballvereine, die Elbphilharmonie und auch die Hamburg Towers.

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Ein Mikrofon im Studio von NDR 90,3.  Foto: Larissa Gumgowski

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal 18.00 | 23.06.2021 | 18:00 Uhr

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