Tschentscher: "Wellenbrecher-Maßnahmen wirken"

Stand: 17.11.2020 06:44 Uhr

Die aktuellen Corona-Einschränkungen bleiben bestehen, weitere Verschärfungen gibt es vorerst nicht. Das ist das Ergebnis von Beratungen der Länderchefs und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) äußerte sich dazu im Hamburg Journal des NDR Fernsehens.

Merkel hatte vor der Videokonferenz einen Maßnahmenkatalog zur Bekämpfung der Corona-Pandemie vorgelegt. Entscheidungen über diese verschärften Maßnahmen wurden nach den Beratungen mit den Ministerpräsidentinnen und - präsidenten der Länder auf den 25. November vertagt. Tschentscher bewertete das Treffen dennoch als wichtigen Schritt. Man habe, wie zuvor vereinbart, die Pandemielage erneut beurteilt. Außerdem sprach er von einem Erfolg der bisherigen Maßnahmen. "Nachdem wir vor zwei Wochen in größter Sorge sein mussten, haben wir jetzt festgestellt, dass diese Wellenbrecher-Maßnahmen gewirkt haben", so der Bürgermeister. Man sei jetzt in einer stabileren Lage, die Infektionszahlen seien nicht weiter exponentiell angestiegen. Es gebe in den letzten Tagen sogar einen leichten Abwärtstrend - und das sei wichtig. "Denn wir wollen in der nächsten Woche auch endgültig entscheiden, wie es in Richtung Weihnachten und Silvester weitergeht", ergänzte Tschentscher.

"Hamburg hat eine gute Strategie"

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) spricht über neue Corona-Maßnahmen. © picture alliance/dpa Foto: Christian Charisius
Apelliert noch mal daran, private Kontakte so weit wie möglich zu reduzieren: Hamburgs Bürgemeister Peter Tschentscher.

Die Stadt Hamburg habe eine sehr gute Strategie, die Infektionszahlen hätten sich hier im Verhältnis zu den bundesweiten Zahlen und denen in anderen großen deutschen Metropolen sehr gut entwickelt. Er hoffe, dass sie in den nächsten Wochen weiter sinken. Er fühlt sich und den Senat in seiner Arbeit bestärkt: "Unsere Strategie steht, die setzen wir fort: Wir sind sehr vorsichtig, wir haben viele der Maßnahmen, die jetzt überall in Deutschland wirken, schon sehr früh eingeführt."

Eindringlicher Appell: Kontakte vermeiden

Für die Beratungen über die Corona-Maßnahmen in der kommenden Woche würden die Infektionszahlen ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Gerade im privaten Bereich sei es wichtig, möglichst alle Kontakte zu vermeiden, die nicht unbedingt nötig sind. "Deswegen auch heute noch einmal der gemeinsame Appell, diese Kontaktrisiken im privaten Umfeld so weit wie möglich zu reduzieren, damit wir eben Ende November auch verlässlich eine Perspektive formulieren können, wie es Weihnachten und Silvester weitergeht", sagte Tschentscher. Auch auf Reisen solle möglichst ganz verzichtet werden. Wichtig sei jetzt, den Kurs zu halten, denn es gebe sehr gute Nachrichten aus der Impfstoff-Entwicklung. Es sei am Montag gemeinsam beschlossen worden, dass man Impfzentren einrichten werde, damit man mit einer nationalen Impfstrategie sofort beginnen könne, wenn in Deutschland ein zugelassener Impfstoff zur Verfügung stehe.

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Darüber hinaus habe man weitere, kleinere Beschlüsse gefasst. So solle die Digitalisierung in den Gesundheitsämtern vorangebracht werden. Und den besonders gefährdeten Personengruppen sollen FFP2-Masken zur Verfügung gestellt werden. Konkret sollen über 65-Jährige und Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen insgesamt 15 dieser Masken gegen eine geringe Eigenbeteiligung erhalten können, heißt es in dem Beschluss. Die Kosten übernimmt demnach der Bund.

Blick auf die Schulen

Bei der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz in der kommenden Woche solle noch einmal ein Blick auf die Schulen geworfen werden. Die Kultusminister aller Länder würden sich mit größter Übereinstimmung um den Infektionsschutz in den Schulen kümmern, das müsse natürlich auch weiterhin so sein, so Tschentscher. Das Thema Schule war bei dem Treffen ein großer Streitpunkt. Merkel wollte eine Maskenpflicht für alle und eine Halbierung der Klassen durchsetzen - und hatte dies nicht erreicht. Tschentscher sagte, die Länder seien der Meinung, dass man in den Schulen schon einen sehr guten Infektionsschutz erreicht habe, es solle aber erörtert werden, ob noch weiter nachgebessert werden könne.

Am 25. November sollen nach dem Willen von Angela Merkel Bund und Länder Beschlüsse auf den Weg bringen, die auch über den Jahreswechsel hinweg gelten, sagte sie bei einer Pressekonferenz.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 16.11.2020 | 19:30 Uhr

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