Thering will die CDU zur Kümmererpartei in Hamburg machen

Stand: 29.06.2021 16:06 Uhr

Dennis Thering, Fraktionsvorsitzender der CDU in der Hamburgischen Bürgerschaft, hat im Sommerinterview mit dem Hamburg Journal und NDR 90,3 angekündigt, wieder in den Oppositionsmodus zu schalten. Nun müsse man zeigen, was besser gemacht werden könnte.

Die Inzidenz in Hamburg liegt gerade unter zehn, was Dennis Thering sehr freut: "Es ist eine tolle Nachricht, dass wir es geschafft haben, durch die großartige Disziplin der Hamburgerinnen und Hamburger die Inzidenz auf unter zehn zu drücken. Und es ist einfach schön, die Menschen zu sehen, zu sehen, dass sie wieder glücklich sind." Klar sei aber auch, dass man weiter vorsichtig sein müsse. "Man sieht, wenn man zu leichtsinnig und zu fahrlässig ist, das zeigt das Beispiel in Großbritannien, dass das schnell wieder nach hinten losgehen kann."

Thering befürwortet Alkoholverbot

Zu den ausufernden Feiern im Stadtpark sagte Thering, er habe grundsätzlich vollstes Verständnis dafür, wenn sich junge Leute nach einer langen Zeit der Entbehrungen wieder treffen und Spaß haben. Was aber laut Thering nicht geht ist, dass man aggressiv gegenüber der Polizei ist und alle Regeln außer Kraft setzt. Da müsse der Senat auch mit aller Härte durchgreifen. Daher finde er die Entscheidung gut dort ein Alkoholverbot durchzusetzen. "Wichtig ist, dass man es nicht nur verhängt, sondern dass die Polizei es dann auch kontrolliert. Wir erwarten, dass der Senat hier für Recht und Ordnung sorgt."

Über Politik in der Pandemie

Der 37-jährige Thering ist seit den Wahlen im Frühjahr 2020, bei denen die CDU nicht gut abschnitt, Fraktionsvorsitzender der CDU. Das empfindet er als eine "ganz besondere Aufgabe". "Ich wurde gewählt, mitten in der Corona-Pandemie und da stellte sich natürlich die Frage: Wie möchte man sich verhalten? Wie möchte man auftreten? Man hat natürlich ganz viele tolle Ideen, die man der Stadt auch mitteilen möchte. Aber für mich war klar in dieser Corona-Pandemie, dass wir uns eng an die Seite des Senats stellen, dass wir gemeinsam diese Corona-Krise bewältigen, das haben wir getan." Jetzt, wo die Inzidenz wieder deutlich niedriger ist, sei die CDU wieder voll in den Oppositionsmodus gegangen. "Wir zeigen auf, wo es nicht so gut läuft, aber zeigen auch immer auf, wie man es besser machen müsste."

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Der CDU-Bürgerschaftsabgeordneter Dennis Thering.  Foto: Arman Ahmadi
26 Min

Sommerinterview mit Dennis Thering (CDU)

Der Fraktionsvorsitzende der CDU in der Hamburgischen Bürgerschaft zu Gast bei NDR 90,3 zum Sommerinterview. 26 Min

Thering fordert Luftfilter für Klassenräume

Das gelte auch für die Schulpolitik: "Wir haben gesehen, dass die Schülerinnen und Schüler hier bei uns in Hamburg die großen Verlierer der Corona-Pandemie gewesen sind. Die Schulen waren schlecht vorbereitet, sie hatten keine Hygienekonzepte, die Schulen waren oftmals auf sich alleine gestellt." Das müsse nach den Sommerferien deutlich besser werden. Denn in der Schule soll es erst einmal mit Masken und Tests weitergehen, das hatte Schulsenator Ties Rabe (SPD) verkündet. Thering fordert zusätzlich Luftfilter für jeden Klassenraum. "Schulen müssen aufbleiben. Und dafür braucht es gute Konzepte. Neben einer guten Teststrategie brauchen wir vor allem auch gute Lüftungskonzepte. Es kann nicht mehr sein, dass unsere Schülerinnen und Schüler im Winter mit einem dicken Mantel mit einer Mütze und Schal in den Klassenräumen sitzen und frieren. Hier geht es um das Wichtigste, was wir haben: unsere Kinder. Und da dürfen wir nicht sparen."

Teamwork mit Christoph Ploß

Christoph Ploß, Landesvorsitzender der CDU, ist präsent in der Stadt und umtriebig. Die Zusammenarbeit zwischen ihm und Thering scheint zu funktionieren: "Christoph Ploß und ich sind nicht nur gleich alt, wir sind auch sehr gut befreundet über Jahre hinweg. Wir stimmen unsere Vorschläge immer eng miteinander ab, treten als Team auf. Er hat seine Bühne in Berlin als Landesvorsitzender der CDU Hamburg. Ich hier in Hamburg als Fraktionsvorsitzender und von daher ergänzen wir uns hier ganz ausgezeichnet." Mit Franziska Hoppermann auf Landeslistenplatz zwei habe man "eine ganz tolle Bundestagskandidatin". Und auch in der Bürgerschaftsfraktion seien mit Birgit Stöver, Anke Frieling und Silke Seif "ganz hervorragende Frauen", die in ihren Themen gute Akzente setzen. Thering sagt, er glaube, "das Thema Frauen und CDU haben wir längst hinter uns".

Mit dem Thema Gendern hatte sich Christoph Ploß im Mai bundesweit ins Gespräch gebracht. Er fordert ein Gender-Verbot bei staatlichen Stellen. Thering unterstützt das: "Wir haben selten so viel Rückmeldung bekommen auf einen Vorstoß der CDU Hamburg. Ich bin der Meinung, im Privaten soll jeder so sprechen und schreiben, wie er möchte. Aber in öffentlichen Institutionen, Schulen, Universitäten oder auch in den Behörden sollten wir die deutsche Rechtssprache anwenden." Und die sehe eben keine Sternchen oder Doppelpunkte vor.

CDU will besser in Hamburg wahrgenommen werden

Die Hamburger CDU wolle laut Thering wieder wahrnehmbarer werden in der Stadt mit guten Konzepten - mit einem Innenstadtkonzept, einem Baum-Nachpflanzungskonzept und dem Grundschulkonzept. "Wir möchten als die Kümmererpartei in Hamburg wahrgenommen werden. Mein Motto ist raus aus dem Rathaus, rein in die Stadtteile, und das werde ich bis zur nächsten Wahl sehr intensiv tun, weil wir Vertrauen zurückgewinnen wollen." Er freue sich auf die Gespräche mit den Menschen in den Stadtteilen.

Neues Konzept für City Nord gefordert

Auch Stadtentwicklung sei ein Thema, das die CDU bewegt. "Als CDU sagen wir ganz klar: Wir wollen Hamburg als grüne Stadt am Wasser erhalten, wollen keine Grünflächen bebauen, so wie SPD und Grüne das tun, sondern wollen bereits versiegelte Flächen mit Wohnungen bebauen. Das kann man an den Magistralen machen. Da gibt es ein Potenzial von 150.000 neuen Wohnungen", sagte Thering. Der Politiker forderte auch ein neues Konzept für die City Nord und sprach sich für neuen Wohnraum dort aus: "Wir sehen ein Potenzial von 3.000 bis 5.000 Wohnungen."

"Alle Verkehrsteilnehmer im Blick"

Auch die Verkehrspolitik sei eines der Themen, das laut Thering nach der Pandemie prägend sein werde: "Wir haben alle Verkehrsteilnehmer im Blick, nicht nur die Fahrradfahrer. Wir sagen auch, dass jeder mit dem Verkehrsmittel seiner Wahl von A nach B kommen soll, auch der Autofahrer." Zudem gingen die Menschen in Hamburg auch zu Fuß, da solle ein Fokus gesetzt werden. Hamburg habe das raueste Verkehrsklima in Deutschland. "Das liegt natürlich auch daran, dass die Verkehrsteilnehmer untereinander ausgespielt werden. Aber viele Hamburgerinnen und Hamburger schätzen die Individualität mit ihrem Auto. Und das muss Politik einfach akzeptieren", sagte Thering. "Ich freue mich auch über jeden, der das Auto stehen lässt, mit dem Fahrrad, mit Bus oder Bahn in die Innenstadt, zur Arbeit oder zum Einkaufen fährt. Aber die Realität sieht halt einfach anders aus." Er glaube, dass sich Klimaschutz und Autofahren nicht immer widersprechen. Es gebe ja auch alternative Antriebsformen wie Elektroautos. "Dafür muss natürlich die Ladeinfrastruktur in Hamburg noch deutlich ausgebaut werden", sagte Thering. Er wünsche sich ein gutes Miteinander zwischen Fahrradfahrenden, Autofahrenden, Fußgängerinnen und Fußgängern und Menschen, die Bus und Bahn fahren.

Sommerferien: Thering macht Praktika

Nun aber freut sich Thering auf den Sommer, er sei in den Sommerferien immer mehrere Tage in verschiedenen Institutionen unterwegs. "Diesmal bin ich zum Beispiel bei der Arche in Jenfeld. Ich bin in einem Altenheim. Ich werde auf einem Milchhof gucken, wie dort Milch produziert wird", so der Politiker. "Und ich habe gemerkt, dass Politik dort auch noch sehr viel lernen kann". Zur Frage, wie die Hamburgerinnen und Hamburger seiner Meinung nach am besten ihren Urlaub verbringen sollten, sagte Thering: "Ich habe absolut Verständnis dafür, dass viele Menschen gerade nach den Entbehrungen der letzten Monate jetzt Lust haben, einfach mal wieder Urlaub zu machen. Schön wäre es natürlich, wenn das Ganze in Deutschland passiert oder in Ländern, wo die Inzidenz nicht so hoch ist." Wer trotzdem meine, in Hochrisikogebiete wie nach Großbritannien oder nach Portugal zu fahren, der müsse damit rechnen, dass die Quarantäne-Maßnahmen gegebenenfalls verschärft werden.

"Laschet wird Bundeskanzler"

Bei der anstehenden Bundestagswahl im September hätte Thering sich lieber Markus Söder als Kanzlerkandidat der Union gewünscht. "Aber auch Armin Laschet macht das ganz hervorragend. Man merkt, dass er Profil gewonnen hat, dass die Zustimmungswerte auch steigen. Ich bin fest davon überzeugt, dass Armin Laschet zum neuen Bundeskanzler bei uns in Deutschland gewählt wird." Seine Wunschkoalition wäre ganz klar eine zwischen CDU und FDP.

Weitere Informationen
Ein Mikrofon im Studio von NDR 90,3.  Foto: Larissa Gumgowski

Sommerinterviews bei NDR 90,3 und im Hamburg Journal

Hamburger Politikerinnen und Politiker stellen sich den Fragen von NDR 90,3 und dem Hamburg Journal. mehr

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal 18.00 | 29.06.2021 | 18:00 Uhr

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