Ein Bildschirm mit einer Videokonferenz zeigt Peter Sellers im Film "Der Partyschreck". © NDR Foto: Peter Helling

Thalia Theater: "Poesie-Ambulanz" macht Kultur virtuell

Stand: 24.02.2021 14:49 Uhr

Wenn die Menschen nicht ins Theater können, geht das Theater eben zu den Menschen. So macht es zumindest das Thalia Theater. Das bietet eine "Poesie-Ambulanz" an: Ein virtuelles Projekt für ausgesuchte Vereine und Abonnenten.

Marina Galic, Ensemblemitglied des Thalia Theaters, ist zu einer Zoom-Konferenz gekommen. Nach der allgemeinen Begrüßung "Guten Morgen allerseits!" ploppen etwa 30 Gesichter auf dem Bildschirm auf und begrüßen sich wie alte Bekannte. Denn seit fast einem Jahr treffen sich die Mitglieder des Vereins "Wege aus der Einsamkeit" fünfmal die Woche in ihrer Zoom-Videokonferenz. Das Thalia Theater besucht diesen und andere Vereine und Gruppen im Rahmen des Projekts "Poesie-Ambulanz". Das Ziel: In Zeiten von Corona virtuelle Kultur-Angebote schaffen.

Videokonferenz: Teilnehmende über 60

Sie alle sind Zoom-Profis, die meisten ab Mitte 60 aufwärts und nicht mehr im Job. Also genug Zeit, gemeinsam Stadt-Land-Fluss zu spielen, zu diskutieren, syrisch zu kochen und sogar Hip-Hop zu tanzen. Alles per Videokonferenz. Und heute haben sie sich die Schauspielerin aus dem Thalia Theater eingeladen: Marina Galic. Zuletzt konnte man sie noch in "Der Geizige" von Molière sehen, das war letzten Sommer.

Kultur virtuell: Diskussion über Lieblingsfilm

Ein Bildschirm mit einer Videokonferenz zeigt die Schauspielerin Marina Galic. © NDR Foto: Peter Helling
Marina Galic erzählt in einer Videokonferenz für den Verein "Wege aus der Einsamkeit" von ihrem Lieblingsfilm "Der Partyschreck".

Der Ton beim Videochat ist familiär. "Wir duzen uns hier alle, ist das okay, wenn ich hier zu euch allen 'Du' sage?" - "Natürlich! Willkommen, Marina!" Marina Galic hat diesmal keine Lesung aus einem Gedichtband geplant, sie wollte etwas ganz Neues ausprobieren. So hat sie Ausschnitte aus ihrem Lieblingsfilm mitgebracht. Der Film heißt "Der Partyschreck" mit Hauptdarsteller Peter Sellers. Der britische Schauspieler gehört zu den größten Komikern der Filmgeschichte. "Er wird gerne auch mit Charly Chaplin verglichen", erzählt die Schauspielerin.

"Der Partyschreck" mit Peter Sellers

In dem Comedy-Klassiker von 1968 geht es um einen witzig-satirischen Blick hinter die Kulissen Hollywoods, in die Welt der Macht- und Sex-versessenen Filmbosse, lange vor der Me-Too-Debatte. Hauptdarsteller Peter Sellers verkörpert einen erfolglosen Statisten, der es plötzlich auf die angesagteste Party der Filmbranche schafft. Und das per Zufall.

Der Humor überträgt sich auch über den Bildschirm Zuhause. Marina Galic erzählt, dass sie diesen Film, seitdem sie Theater spielt, vielleicht schon ungefähr 60 Mal gesehen hat. Und als sie einmal in München ein Stück probte, "da hat sich das bei mir wie so eine Sucht entwickelt, dass ich jeden Abend zum Entspannen ein paar Szenen sehen musste und dann war alles gut!"

Marina Galic erzählt vom Theater

Marina Galic outet sich als glühender Fan von Peter Sellers. Besonders seine Wandlungsfähigkeit bewundert sie. Und sie lässt tief in ihre eigene Motivation blicken, warum sie Theater macht: "Er ist eben ein Antiheld. Und das interessiert mich. Ich wäre froh, wenn es mehr Frauen geben würde, die man so sehen könnte, in Filmen und auch im Theater."

Nach rund einer halben Stunde grotesker Filmszenen ist Schluss. Tatsächlich: die kleine Filmpräsentation im Zoom-Format war ungewöhnlich, kommt aber an. Es gibt Applaus. Marina Galic ist von der geballten Energie der virtuellen Veranstaltung begeistert. Und Dagmar Hirche vom Verein mit seinem Videochat gegen Einsamkeit ist überzeugt: "Wir sind die Zoom-Könige und Königinnen aus Deutschland".

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 24.02.2021 | 19:20 Uhr

Kinosaal © Picture-Alliance Foto: Selva/Leemage

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