Stand: 22.10.2019 15:33 Uhr

Terror-Pläne: Iraker kündigen Geständnisse an

Sie sollen einen islamistischen Anschlag vorbereitet haben, bei dem sie offenbar viele Menschen umbringen wollten: Vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg haben drei Iraker am Dienstag Geständnisse angekündigt.

Strafrahmen gegen Geständnisse

Das Gericht, die Bundesanwaltschaft und die Angeklagten verständigten sich auf einen Strafrahmen. Danach erwartet die beiden 23-jährigen Hauptangeklagten eine Haftstrafe zwischen vier Jahren, drei Monaten und fünf Jahren. Der dritte Angeklagte, der wegen Beihilfe vor Gericht steht, muss mit einer Strafe zwischen einem Jahr, neun Monaten und zwei Jahren rechnen, die jeweils zur Bewährung ausgesetzt werden könnten. Im Gegenzug haben die Angeklagten und ihre Verteidiger umfassende Aussagen angekündigt.

Ein solcher Deal ist in der Strafprozessordnung geregelt. Er dient dazu, lange Verfahren zu verkürzen, die Prozesse effizienter zu gestalten und die Täter zügig ihrer Strafe zuzuführen. Im Gegenzug können die Strafen etwas milder ausfallen.

2015 nach Dithmarschen gekommen

Die beiden mutmaßlichen Haupttäter sind Cousins. Die Kurden waren 2015 als Flüchtlinge nach Meldorf im Kreis Dithmarschen (Schleswig-Holstein) gekommen. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass sie sich erst in Deutschland radikalisiert hatten. Sie sollen sich im Internet Propagandavideos des sogenannten Islamischen Staates angesehen und immer mehr mit der Terrororganisation sympathisiert haben.

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Die beiden mutmaßlichen Drahtzieher (l., mit Kapuze) sind Cousins, der dritte Angeklagte (r.) sollte eine Waffe besorgen.

Im November haben sie dann damit begonnen, einen Anschlag vorzubereiten, heißt es in der Anklage. Demnach experimentierten sie mit einem selbstgebastelten Sprengsatz und versuchten, sich über den dritten Angeklagten eine Schusswaffe zu besorgen - "um eine möglichst große Anzahl von Menschen nichtmuslimischen Glaubens zu töten oder zu verletzen". Das angebotene Modell sei dem Mittelsmann dann aber zu teuer gewesen. Die Männer sollen auch Fahrunterricht genommen haben, um das Attentat auch mit dem Auto begehen zu können.

Für den Prozess sind bislang neun weitere Verhandlungstage bis zum 6. Dezember terminiert. Sie werden nun vermutlich nicht alle benötigt. In der nächsten Verhandlung am 4. November sollen die Angeklagten aussagen. Sie waren Ende Januar in Schleswig-Holstein festgenommen worden und sitzen seither in Untersuchungshaft.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 22.10.2019 | 15:00 Uhr

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