Eine ehrenamtliche Telefonseelsorgerin im Auftrag der Diakonie Hamburg telefoniert. © picture alliance/dpa Foto: Daniel Reinhardt

Telefonseelsorge in Corona-Zeiten: Von Ängsten und Einsamkeit

Stand: 04.12.2020 15:21 Uhr

Bei der Telefonseelsorge der Diakonie stehen die Telefone nicht still. Schon immer rufen Menschen hier an, wenn sie Sorgen oder Probleme haben, Rat suchen, oder einfach jemanden zum Reden und Zuhören brauchen.

von Melisa Job

"Wir haben eigentlich immer eine ausgelastete Leitung", meint Babette Glöckner, Leiterin der Telefonseelsorge Hamburg. "Das ist das ganze Jahr so, auch ohne Corona, aber wir spüren, dass es jetzt nochmal deutlich mehr ist." Dabei gäbe es seit Beginn der Corona-Pandemie nicht nur mehr Anrufe, sondern auch mehr Personen, die zum ersten Mal anrufen. Aber was ist es, was die Menschen in dieser Zeit besonders bewegt?

Ängste werden unterschiedlich vorgetragen

Glöckner hat beobachtet, dass verschiedene Ängste eine große Rolle spielen. "Manche ältere Menschen sorgen sich beispielsweise um ihre Enkel, weil die berufliche Probleme haben durch Corona. Andere sorgen sich um das Thema Beziehung, weil Kontakte weniger oder gar nicht gepflegt werden können." Diese Ängste werden auch sehr unterschiedlich vorgetragen: Einige Menschen tendieren zu großer Wut, andere zu Verzweiflung. Darunter läge aber immer viel Verunsicherung und Angst, meint Glöckner.

Eine bedrückte Frau telefoniert. © picture-alliance/ZB Foto: Marion Gröning

AUDIO: Auftakt NDR Benefizaktion: Corona-Hilfe für den Norden (29 Min)

Einsamkeit wirkt sich stärker aus als zuvor

Auch das Thema Einsamkeit beschäftigt Menschen aller Altersstufen. In der Telefonseelsorge wird deutlich, dass sich das Alleinsein während der Corona-Krise sehr viel stärker auswirkt als zuvor: Begegnungsstätten wie Sportvereine, über die sonst noch soziale Kontakte gepflegt werden konnten, brechen nun häufig weg. "Dann rufen die Leute bei uns an und sagen: Ich fühle mich jetzt wirklich einsam. Ich merke jetzt, ich kann keine Leute treffen, ich habe irgendwie viel weniger Zugang nach draußen", erklärt Babette Glöckner. In vielen Fällen sei die Einsamkeit zwar schon vor der Corona-Pandemie da gewesen, aber noch nicht so gravierend gespürt worden.

Gleichzeitig könnten die rund hundert ehrenamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorger in dieser besonderen Phase häufig auch ihre eigenen Erfahrungen mit den Anrufenden teilen und Rückmeldung geben: Mit dem Thema Corona haben schließlich alle zu tun.

Ehrenamtliche bereiten sich mit Schulungen vor

Um die Gesprächspartnerinnen und -partner umfassend auszubilden, organisiert die Leiterin der Telefonseelsorge immer wieder Schulungen und Fortbildungen. "Die sind ungeheuer wichtig, weil sie eine Vorbereitung für diesen schweren, anspruchsvollen Dienst am Telefon sind. Wir gehen jedes Thema, das am Telefon vorkommen kann, durch und bearbeiten es." Dabei wird auch immer nach neuen Ehrenamtlichen gesucht.

Die Telefonseelsorge ist seit über 50 Jahren rund um die Uhr erreichbar - anonym und ohne Gebühren. Jährlich werden in Hamburg mehr als 20.000 Anrufe entgegengenommen. Wer für die NDR-Benefizaktion Hand in Hand für Norddeutschland spendet, unterstützt auch die Telefonseelsorge. Die Spenden fließen in die Ausbildung der Ehrenamtlichen.

Weitere Informationen
Landesfunkhausdirektorin Sabine Rossbach und NDR Intendant Joachim Knuth halten einen symbolischen Scheck in den Händen. © NDR Foto: Marco Peter

"Hand in Hand" bei NDR 90,3 und Hamburg Journal

Reportagen, Hintergrundberichte, Talks und viele Aktionen bei NDR 90,3 und im Hamburg Journal zugunsten der NDR Benefizaktion "Hand in Hand" für die Corona-Hilfe im Norden. mehr

Ein Kind mit Maske sitzt vor einem Computer. © NDR Foto: Petra Volquardsen

Auftakt NDR Benefizaktion - Corona-Hilfe für den Norden

Der NDR startet heute gemeinsam mit Diakonie und Caritas eine Aktion für Corona-Hilfe im Norden: "Hand in Hand für Norddeutschland". mehr

Eine bedrückte Frau telefoniert. © picture-alliance/ZB Foto: Marion Gröning

Telefonseelsorge in Zeiten von Corona: Wir können Krise!

Die Telefonseelsorge ist in diesem Jahr wichtiger denn je. "Hand in Hand für Norddeutschland" unterstützt das Projekt in MV. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Treffpunkt Hamburg | 30.11.2020 | 20:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

Ein Mann sitzt bei der Bundesagentur für Arbeit in Lehrte. © dpa - Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Neues Beratungsangebot der Jobcenter: Sozialpädagogen

Ab Februar gibt es an zunächst zwölf Standorten in Hamburg auch Hilfe, die nicht unbedingt mit Geld zu tun hat. mehr

Hans Klose, Chefarzt der Abteilung für Lungenkrankheiten am UKE im Interview mit dem Hamburg Journal

Coronavirus: Langzeitfolgen auch bei mildem Verlauf

Der Mediziner Hans Klose leitet am UKE eine Studie zu den Corona-Spätfolgen. Die können offenbar jeden Patienten treffen. mehr

Der HSV besiegt Braunschweig mit 4:2  Foto: Axel Heimken

HSV siegt in Braunschweig mit 4:2 nach Rückstand

2:0 führten die Niedersachsen gegen den Tabellenführer, verloren dann aber noch 2:4. Der HSV ist damit Hinrundenmeister. mehr

Passanten sind an den St. Pauli Landungsbrücken am Hamburger Hafen unterwegs. © picture alliance/Bodo Marks/dpa

204 neue Corona-Fälle in Hamburg gemeldet

Der Inzidenzwert ist in der Hansestadt nach Angaben der Sozialbehörde auf 90,9 gesunken. mehr