Synagoge: Bundesmittel für Wiederaufbau freigegeben

Stand: 27.11.2020 13:34 Uhr

Der Haushaltsausschuss des Bundestags hat die Bundesmittel für den Wiederaufbau der Synagoge im Hamburger Grindelviertel freigegeben.

Für 2021 seien 150 Millionen für Mehrkosten für Maßnahmen zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus sowie zur Stärkung des interreligiösen Dialogs bereitgestellt worden, teilte der Hamburger Bundestagsabgeordnete Rüdiger Kruse (CDU) mit. Davon könne ausdrücklich auch der Bundesanteil am Wiederaufbau der Bornplatz-Synagoge finanziert werden. Dieser beträgt 65 Millionen Euro. Die gleiche Summe soll noch einmal aus dem Hamburger Haushalt kommen.

Kruse: "Ganz großer Schritt"

"Jetzt ist der ganz große Schritt möglich geworden", sagte Kruse am Freitag. "Die Zeit ist reif, dieses herausragende Projekt in Angriff zu nehmen und mit dem Wiederaufbau ein starkes Zeichen gegen Antisemitismus und für jüdisches Leben zu setzen." Der SPD-Bundestagsabgeordnete Niels Annen ergänzte: "Es ist uns gelungen, den Wiederaufbau der Bornplatz-Synagoge im Bundeshaushalt zu verankern. Das ist ein großer Erfolg für Hamburg und das jüdische Leben in unserer Stadt." Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) sagte: "Die heutige Botschaft aus dem Bundestag, die gibt uns Rückenwind, die motiviert, jetzt noch schneller voranzukommen. Heute ist ein wirklicher Freudentag."

Tschentscher unterstützt Wiederaufbau

Der Joseph-Carlebach-Platz, ehemals Bornplatz, im Hamburger Grindelviertel. © NDR Foto: Tina Zemmrich
Auf dem heutigen Joseph-Carlebach-Platz ist der frühere Grundriss der Synagoge zu sehen.

Seit gut einem Jahr wird in Hamburg über den Wiederaufbau des Gotteshauses diskutiert. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hat erst kürzlich den Aufruf für den Wiederaufbau der Bornplatz-Synagoge unterzeichnet. Die Initiatoren wollen bis zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar die Unterschriften von 100.000 Hamburgern für den Wiederaufbau der Bornplatz-Synagoge im Grindelviertel gewinnen. Tschentscher betonte, jüdische Religion und Kultur müssten einen festen Platz in der vielfältigen Hamburger Stadtgesellschaft haben. "Mit einem Wiederaufbau der von den Nationalsozialisten zerstörten Synagoge am Bornplatz kann dort erneut ein zentraler Ort des jüdischen Lebens in Hamburg entstehen."

Einst größte norddeutsche Synagoge

Das jüdische Gotteshaus wurde 1906 fertiggestellt und war die größte Synagoge Norddeutschlands mit Platz für mehr als 1.000 Besucher. Im Zuge der Pogrome des 9. November 1938 wurde die Synagoge von NS-Anhängern verwüstet und schwer beschädigt. 1939 ließ die Stadt sie abreißen. Heute erinnert nur der Grundriss des Gebäudes auf dem leeren Platz an die ehemalige Synagoge. Der einstige Bornplatz heißt heute Joseph-Carlebach-Platz nach dem Hamburger Rabbiner Joseph Carlebach (1883-1942).

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 27.11.2020 | 14:00 Uhr

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