Stand: 12.02.2020 17:23 Uhr  - NDR 90,3

Synagoge: Bürgerschaft einstimmig für Wiederaufbau

Bild vergrößern
Die Synagoge soll im Grindelviertel gebaut werden - am Joseph-Carlebach-Platz hatte die Bornplatzsynagoge gestanden.

Die Hamburgische Bürgerschaft hat den Weg frei gemacht für den Wiederaufbau der zerstörten Synagoge am früheren Bornplatz. Zunächst sollen mit einer Machbarkeitsstudie verschiedene Möglichkeiten geprüft werden, wie das jüdische Gotteshaus im Grindelviertel neu gebaut werden kann. Ein fraktionsübergreifender Antrag zur Erstellung einer Machbarkeitsstudie wurde am Mittwoch einstimmig angenommen.

Wiederaufbau "ein starkes Signal"

"Wir wollen dazu beitragen, dass es wieder eine neue Synagoge an diesem historischen Ort geben wird - in der Mitte unserer Stadt", sagte der Vorsitzende der SPD-Bürgerschaftsfraktion, Dirk Kienscherf. Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) meinte, 75 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz sei der Wiederaufbau der Synagoge ein starkes Signal gegen Antisemitismus und Rassismus.

Carsten Ovens von der CDU sagte: "Wenn wir diesen Impuls mitnehmen in die nächste Legislatur, haben wir ein weiteres, wichtiges Signal gesetzt." Bei diesem Thema ständen die Parlamentarier zusammen.

AfD: "Ohne Einschränkungen, von ganzem Herzen"

Der Antrag war von SPD, Grüne, Linke, CDU und FDP eingebracht worden. Alexander Wolf von der AfD beklagte zwar, dass seine Partei bislang nicht eingebunden war, unterstützte den Plan für den Wiederaufbau aber: "Ohne Einschränkungen, von ganzem Herzen."

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Anjes Tjarks, hofft, dass die wiederaufgebaute Synagoge bereits am Ende der nächste Legislaturperiode eröffnet werden könne. Der FDP-Politiker Carl-Edgar Jarchow sagte, dass es keinen Platz für Antisemitismus in Hamburg gebe. Nun müssten den Worten Taten folgen. Linken-Politikerin Christiane Schneider sagte aber auch, es müsse noch viel mehr getan werden, um jüdisches Leben in Hamburg wieder zu ermöglichen: "Der Wiederaufbau der Synagoge darf das Gewissen nicht beruhigen."

Machbarkeitsstudie soll Ende des Jahres fertig sein

Im Publikum verfolgten Vertreter der jüdischen Gemeinde die Debatte. Die größte Synagoge Norddeutschlands war von den Nationalsozialisten in der Pogromnacht 1938 so schwer beschädigt worden, dass sie wenig später abgerissen werden musste. Die Machbarkeitsstudie wird vom Bund mit 600.000 Euro unterstützt. Sie soll bis Ende des Jahres vorliegen und zeigen, was an dem Platz möglich und nötig ist.

 

Weitere Informationen

Kommentar: "Die Bornplatz-Synagoge ist ein Signal"

Der Bau der neuen Synagoge zeigt, dass Jüdinnen und Juden in Hamburg willkommen sind. Dennoch müssen wir alle aufstehen, wenn Jüdinnen und Juden angegriffen werden, meint Karl-Henry Lahmann. mehr

Parteien unterstützen Synagogen-Wiederaufbau

Der Wiederaufbau der Hamburger Bornplatzsynagoge ist einen großen Schritt vorangekommen. Fünf von sechs Bürgerschaftsparteien unterstützen in einem Antrag entsprechende Pläne. (28.01.2020) mehr

Historikerin kritisiert Wiederaufbau von Synagoge

Die Synagoge am Bornplatz im Hamburger Grindelviertel soll wieder aufgebaut werden. "Das ist kein Signal für jüdisches Leben heute", findet die Historikerin Miriam Rürup. (07.02.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 12.02.2020 | 18:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

02:29
Hamburg Journal
02:33
Hamburg Journal
01:16
Hamburg Journal