Der Saugbagger "Al-Idrisi" hat im Hamburger Hafen Schlick ausgebaggert. © picture alliance / rtn

Streit im Hamburger Senat über Entsorgung von Hafenschlick

Stand: 30.09.2020 12:09 Uhr

Wohin mit dem Schlick aus dem Hamburger Hafen? Im Hamburger Senat bahnt sich Streit darüber an, wo er verklappt werden soll.

Die Wirtschaftsbehörde plant, den Schlick in der Elbmündung nahe der Insel Scharhörn zu verklappen. Das hatte Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) in den vergangenen Tagen gesagt. Doch dagegen wendet sich nun Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne). Die Umweltbehörde sei für die Genehmigung einer neuen Schlickdeponie zuständig, sagte Kerstan. Seine Behörde sei über die Pläne der Hafenverwaltung Hamburg Port Authority (HPA) "informiert", künftig Hafenschlick in der Elbmündung abzuladen. Abgestimmt sei das aber noch nicht. Es gebe im Senat keine favorisierte Variante, sagte Kerstan. Auf Senatsebene sei das Thema politisch noch nicht weiter erörtert worden.

Damit stellt sich der Umweltsenator gegen die Wirtschaftsbehörde - und geht auch auf Distanz zum Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). Der hat in Sachen Schlickdeponie bei Scharhörn bereits mit dem Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein, Daniel Günther (CDU), gesprochen. Hamburg braucht spätestens in zwei Jahren einen neuen Ablageplatz für seinen Hafenschlick. Kritik an den Plänen der Hafenverwaltung übten auch schon die Umweltverbände BUND, NABU und WWF.

Höchstmenge vor Helgoland bald erreicht

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Die HPA will den Hamburger Hafenschlick künftig in der Elbmündung bei Scharhörn verklappen.

Hamburg muss im Hafen seit Jahren immer mehr Schlick baggern, um die Fahrwasser auf Tiefe zu halten. Laut HPA liegt das vor allem daran, dass vom Oberlauf der Elbe weniger Wasser als sonst kommt, das den Schlick in die Nordsee spült. Jahrelang wurde der Hafenschlick vor allem in der Nordsee nahe Helgoland verklappt - auf schleswig-holsteinischem Gebiet. Dort aber ist die vereinbarte Höchstmenge bald erreicht. Ob die Landesregierung in Kiel die Verklappung noch länger genehmigt, ist offen. Deshalb kam die Idee einer Unterwasserdeponie vor Scharhörn ins Gespräch - auf Hamburger Gebiet in der Elbmündung.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 30.09.2020 | 12:00 Uhr

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