Stand: 24.09.2020 17:40 Uhr

Statt Papierbergen: Hamburger Justiz startet mit E-Akten

Für die Hamburger Justiz hat am Donnerstag eine neue Zeitrechnung begonnen: An fünf Kammern des Landgerichts werden Verfahren in der ersten Instanz jetzt nur noch mit elektronischen Akten geführt. Die Zeit der Aktenberge gehe zu Ende, sagte Justizsenatorin Anna Gallina (Grüne), als sie den Start des Projektes "E-Akte" in Saal A234 verkündete. Es ist einer der Säle, die auch bereits mit modernster Videokonferenz-Technik und großen Bildschirmen ausgestattet sind, die zur Digitalisierungsoffensive in der Justiz gehören.

83.000 Verfahren pro Jahr

Pro Jahr werden an Hamburger Gerichten rund 83.000 Verfahren geführt. Manchmal mit einer kleinen Akte, manchmal mit einigen Metern Aktenordnern. Das soll mit der elektronischen Akte einfacher werden. Sieben Verfahren sind am Donnerstag bereits so bearbeitet worden.

Die Vorteile werden schnell klar: In digitaler Form können mehrere Personen gleichzeitig daran arbeiten. Und man kann Dinge machen, die in Papierakten streng verboten sind: Textabschnitte farbig markieren oder einige Seiten quasi elektronisch rausreißen, weil man sie zur besseren Übersicht in einem anderen Ordner ablegen will. Das können Richter und Anwälte jetzt erledigen, ohne dabei die Original-Akte durcheinanderzubringen.

Weitere Gerichte folgen

Landgerichtspräsident Marc Tully freute sich, dass an seinem Hause Pionierarbeit geleistet werde. Dies gelinge aber nur, wenn Gericht, Behörde und die Anwaltschaft zusammenarbeiteten. Im kommenden Jahr soll die elektronische Akte dann auch nach und nach Einzug ins Hanseatische Oberlandesgericht, ins Amtsgericht sowie in verschiedene Fachgerichte halten.

Etwas Unmut klang bei Christian Lemke, dem Präsidenten der Hanseatischen Rechtsanwaltskammer, durch. Das sei ein "toller erster Schritt", aber er komme reichlich spät.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 24.09.2020 | 17:00 Uhr

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