Sommerinterview: Jasberg fordert Nachbesserungen beim Klimaschutz

Stand: 07.07.2021 18:33 Uhr

Die Fraktionsvorsitzende der Hamburger Grünen hat im Sommerinterview mit dem Hamburg Journal und NDR 90,3 über Corona-Maßnahmen und die Klimakrise gesprochen.

Die Corona-Inzidenz ist weiterhin einstellig in der Stadt, daher schätzt auch Jennifer Jasberg die Corona-Lage momentan eher entspannt ein: "Ich glaube, dass wir im Moment eine Situation haben, die wir alle sehr genießen sollten, weil ich glaube, wir haben uns alle als Gesellschaft, nachdem wir jetzt sehr lange sehr solidarisch miteinander umgegangen sind, verdient, mal wieder mehr Freiheiten zu genießen." Sie weist allerdings darauf hin, dass die Pandemie "mitnichten vorbei" sei. Wir kämen jetzt in eine hochsensible Phase, in der es darum gehe, durch Impfungen die Ausbreitung der Delta-Variante einzudämmen. Jasberg betont die aktuell hohe Impfgeschwindigkeit, gibt aber auch zu bedenken, dass viele Menschen in der Stadt noch nicht geimpft seien, vor allem auch Kinder und Jugendliche, die nach Ende der Sommerferien wieder mehr Zeit miteinander verbringen würden. "Dementsprechend glaube ich, dass wir uns auch vergewissern müssen, dass wir auch weiterhin miteinander solidarisch durch diese Pandemie kommen."

Menschen ohne Impfangebot müssen weiter geschützt werden

Die Diskussion darüber, im Herbst alle Corona-Maßnahmen fallen zu lassen, hält sie allerdings für "völlig realitätsfern". Die CDU hatte gefordert, alle Corona-Regeln aufzuheben, sobald jede oder jeder ein Impfangebot bekommen hätte. "Auf der einen Seite ist es völlig selbstverständlich, dass wirklich grundrechtseinschränkende Maßnahmen für diejenigen, die tatsächlich auch keine Gefährdung mehr der gesamten Gesellschaft darstellen, auch wegfallen müssen. Das ist ja klar." Darüber gebe es ihrer Ansicht nach auch keine verschiedenen Meinungen im politischen Spektrum. Auf der anderen Seite gebe es aber viele Menschen, die nicht geimpft werden können: "Das sind aber sehr, sehr viele Menschen, auch in dieser Stadt, die eben nicht davon betroffen sind, dass ein Impfangebot ausgesprochen wird und die wir immer noch weiterhin schützen müssen."

Dafür sehe sie ein gutes Mittel, nämlich, dass sich viele Erwachsene gegen Corona impfen lassen sollten. "Ich glaube, jede Person, die mit Kindern und Jugendlichen Umgang hat und auch geimpft ist, ist natürlich schon auch ein Mehrwert für die Jugendlichen, weil da einfach eine Übertragungskette auch möglicherweise gebrochen werden kann", so die Grünen-Fraktionschefin. Noch gibt es keine Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission für die unter 18-Jährigen. Jennifer Jasberg sagt aber: "Ich fände schon sinnvoll, diese Impfmöglichkeit auch den Schülerinnen und Schülern anzubieten. Und wenn die entsprechende Empfehlung kommt, und ich würde mir wünschen, dass sie kommt, dann wäre das sicherlich auch eine große Entlastung für Familien."

Schule besser vorbereitet

Mit Blick auf das neue Schuljahr ab August sehe sie die Stadt deutlich besser vorbereitet, was die Schutzmaßnahmen angehe: "Es sind jetzt ja zum Beispiel auch digitale Geräte angeschafft worden, um die Lehrerinnen und Lehrer auch auszustatten für einen möglichen Fall, in dem wieder Unterricht aus der Ferne stattfinden soll." Sie fordert eine Diskussion über Luftreinigungsgeräte für alle Schulen, was der SPD-Schulsenator Ties Rabe allerdings noch ablehnt. Jasberg glaubt, dass mobile Lüftungsanlagen als Schutzmaßnahme aber noch einmal geprüft werden sollten. "Denn ich finde nach über einem Jahr der Pandemie sollte dann auch ein gerade mit Blick auf den Herbst und Winter, wo wahrscheinlich immer noch sehr viele Kinder dem Infektionsrisiko ausgesetzt sein werden, auch eine Möglichkeit bestehenden jenseits von Fensteröffnungen."

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Die Grünen-Fraktionschefin Jennifer Jasberg. © NDR / Marco Peter Foto: Marco Peter
28 Min

Sommerinterview mit Jennifer Jasberg (Grüne)

Die Fraktionsvorsitzende der Hamburger Grünen zu Gast bei NDR 90,3 zum Sommerinterview. 28 Min

Hamburg hat sich ehrgeizige Klimaziele gesteckt

Neben der Corona-Pandemie war auch die Klimakrise Thema im Sommerinterview. Das Bundesverfassungsgericht hat kürzlich entschieden, dass das bisherige Klimaschutzgesetz des Bundes verfassungswidrig ist, weil unter anderem auch die Jüngeren die Hauptlast tragen müssten. Hamburg habe sich aber bereits sehr ehrgeizige Ziele gesteckt, vor allem im Vergleich mit den anderen Ländern, so Jasberg. "Wir sind hier ziemlich weit fortgeschritten. Auch dadurch, dass wir uns sehr früh ein Klimaschutzgesetz gegeben haben und das auch mit einem Klimaplan hinterlegt haben, der sehr, sehr viele Maßnahmen beinhaltet."

Trotzdem müsse nachgebessert werden, vor allem im Bereich der Wärmewende. Die Grünen hätten sehr klare Forderungen, die im Moment aber vor allen Dingen durch entsprechende Gesetzgebungen verhindert würden. "Beispielsweise was den Einbau von Ölheizungen angeht. Wenn man sich anschaut, wo wir da in Hamburg stehen mit Blick auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, dann müssen wir feststellen, dass auch unser Klimaschutzgesetz und auch unsere Pläne im Moment noch unzureichend sind."

Um die Klimaziele zu erreichen, müsse es eine Transformation im CO2-Verbrauch geben, die auch von vielen Menschen mitgegangen werden könne. Man müsse im Budget denken und viele Sektoren miteinbeziehen, wie den Bereich der Energie, der Mobilität oder auch der Landwirtschaft.

 

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Ein Mikrofon im Studio von NDR 90,3.  Foto: Larissa Gumgowski

Sommerinterviews bei NDR 90,3 und im Hamburg Journal

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal 18.00 | 07.07.2021 | 19:30 Uhr

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