So soll sich Hamburg an seinen Hauptverkehrsstraßen verändern

Stand: 17.01.2021 21:42 Uhr

Hamburg will die Stadt entlang der sieben Hauptverkehrsstraßen verändern. Altona will dabei noch weitergehen und ist Pilotbezirk bei der Entwicklung der Magistralen. Auch in Wandsbek gibt es Ideen.

Einfamilienhäusern und Flachbauten werden abgerissen, dafür lärmgeschützte Wohnblocks gebaut und Platz für kleine Geschäfte, Restaurants und Stadtteilkultur geschaffen. So könnte die Zukunft entlang der Haupteinfallstraßen aussehen, also zum Beispiel der Kieler Straße, Meiendorfer Straße oder auch der B5 nach Bergedorf.

Konzept für Hamburgs sieben Hauptverkehrsstraßen

Im Koalitionsvertrag von SPD und Grünen heißt das Zukunftskonzept: "Masterplan Magistralen". Altona und Wandsbek sind am weitesten bei den Planungen.

Altona will noch weiter gehen

Altonas Bezirksamtsleiterin Stefanie von Berg hatte die bestehenden Planungen um ein neues Ziel ergänzt. Anfang Januar sagte sie NDR 90,3: "Wir brauchen in diesen neuen Hauptstraßen auf jeden Fall eigene Busspuren. Wir müssen die Fahrbahnen für den Autoverkehr reduzieren. Und wir müssen Platz schaffen für den Fußverkehr und den Radverkehr." Mit mindestens 3.400 zusätzlichen Wohnungen an den großen Ausfallstraßen rechnet das Bezirksamt Altona.

Bis zu 40.000 Autos pro Tag auf der Sülldorfer Landstraße

Eine der sieben Magistralen der Stadt ist die B 431. Hier fahren jeden Tag 30.000 bis 40.000 Autos durch die Sülldorfer Landstraße. So viel Verkehr gibt es häufig nur in Ortszentren. Eine Idee des Bezirkes ist nun die Nachverdichtung. Das bedeutet, dass mehrgeschossige Neubauten in die erste Reihe gebaut werden könnten und damit der Raum besser genutzt würde.

Flächen vor den Häusern sollen attraktiver werden

"Natürlich muss man immer ein bisschen ortsangepasst bauen“, sagt Altonas Baudezernent Johannes Gerdemann. Bei dem gleichen Straßenquerschnitt sei es schwierig, vernünftige, qualitätsvolle Wohnbauen hinzubekommen. "Aber je mehr wir vor den Häusern und möglicherweise auch im Straßenraum mit mehr Bäumen eine attraktivere Qualität schaffen, ist es möglich, die Leute davon zu überzeugen, dass dies auch zukünftig Wohnorte sein können, in denen man gut leben kann“.

Fast 40 Millionen Auto-Kilometer in Hamburg pro Tag

Täglich werden in Hamburg von Autos 39 Millionen Kilometer zurückgelegt. Deshalb ist die Entwicklung der Magistralen auch für die Behörde für Verkehr und Mobilitätswende eine große Chance. Anjes Tjarks (Grüne), Senator für Verkehr und Mobilitätswende, erklärt: "Kern für mich wird eine verkehrliche Entwicklung sein." Es bestehe die Frage, wie man auch auf den Magistralen eine Mobilitätswende schaffe und für mehr Radverkehr und Busverkehr sorge. Oder, wie man bestimmte Strecken auch durch Schnellbahnen ersetzen könne.

Reduzierung von Fahrspuren auf der Wandsbeker Chaussee?

Die Veränderungen bedeutet auch einen Wegfall von Fahrspuren. Im Osten der Stadt gibt es da vor allem schon Planungen für die Wandsbeker Chaussee. Diese von drei auf zwei Spuren zu reduzieren, wäre eine Möglichkeit. Und die Schloßstraße direkt am Bahnhof könnte sogar ganz wegfallen.

Aufenthaltsqualität soll steigen

Arne Klein, Baudezernent des Bezirks Wandsbek, meint: Umgeben von viel befahrenen Straßen gebe es dort einen abgetrennten Bereich des Marktes. Bei der Entwicklung der Magistralen gehe es jetzt darum zu fragen, ob das so sein müsse. "Oder kann man diesen Fleck nicht auch in eine bessere Form der Aufenthaltsqualität überführen, wo man auch Gastronomie anbieten kann?", fragt Klein.

Opposition warnt vor Verlagerung des Verkehrs

Die Opposition im Bezirk bezweifelt, dass sich die Ideen überhaupt im Viertel umsetzen lassen. Natalie Hochheim, von der CDU-Fraktion in Wandsbek, hält das Magistralen-Konzept an sich für eine gute Sache. Aber die Herausforderung und die Probleme lägen eindeutig in den Verkehrsfragen. "Eine Reduzierung von Fahrspuren kann nur insofern erfolgen, wenn keine Verlagerung der Verkehre in die anliegenden Wohnstraßen erfolgt", so Hochheim.

Fertigstellung nicht vor 2030

Ab dem Sommer stehen nun Gespräche mit Eigentümern an. Mit fertigen Abschnitten auf den Magistralen rechnen die Bezirke nicht vor 2030.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 17.01.2021 | 19:30 Uhr

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