Stand: 02.12.2019 09:21 Uhr  - NDR 90,3

Skepsis in Hamburger SPD nach Mitgliedervotum

In der Hamburger SPD geben sich viele Mitglieder nach dem Votum über die neue Doppelspitze überrascht. Der Sieg des Duos Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans hat nach Informationen von NDR 90,3 bei den Hamburger Sozialdemokraten eher skeptische Reaktionen hervorgerufen. Einige Parteimitglieder bemängeln demnach, es sei nebulös, was die designierte Führung überhaupt wolle. Die beiden Politiker hätten von einer Proteststimmung in der Partei profitiert, bei der es mehr um Emotionen als um Inhalte gegangen sei.

Kahrs: Hätten gerne Scholz/Geywitz gesehen

In der Mitgliederbefragung hatte der frühere Erste Bürgermeister Hamburgs, Olaf Scholz, gemeinsam mit Klara Geywitz weniger als die Hälfte der abgegebenen Stimmen bekommen. Damit steht fest, dass die beiden Politiker nicht die Führung in der SPD übernehmen. Der Hamburger SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs sagte zu NDR 90,3: "Wir hätten, glaube ich, in der Masse in Hamburg gern gesehen, dass Olaf Scholz das gewonnen hätte mit Klara Geywitz. Es hat nicht sollen sein, deswegen werden wir trotzdem hier fröhlichen Wahlkampf machen".

Tschentscher sieht keine Zerreißprobe

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sieht die Große Koalition nach der Wahl des designierten neuen SPD-Spitzenduos nicht vor einer Zerreißprobe. Tschentscher sagte auf NDR Info, das Votum der SPD-Basis bedeute keine radikale Kursänderung. Bereits im Vorfeld habe seine Partei festgelegt, dass die Personalien nicht verknüpft seien mit der Frage, ob die schwarz-rote Koalition beendet werden müsse. Wie im Koalitionsvertrag vereinbart, gebe es jetzt eine Evaluation der Regierungsarbeit. Dann entscheide die gesamte Partei, unter welchen Bedingungen das Bündnis mit der Union fortgesetzt werden könne.

SPD-Spitzen im Norden sagen Unterstützung zu

Hamburgs SPD-Landesvorsitzende Melanie Leonhard wünschte Esken/Walter-Borjans "viel Kraft für die nun anstehende Aufgabe". Niedersachsens SPD-Landeschef Stephan Weil kündigte an, die neue Führung loyal zu unterstützen. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig gratulierte der künftigen SPD-Parteispitze ebenfalls. "Ich erwarte vor allem, dass wir den Erneuerungsprozess, den wir begonnen haben, weiter voranbringen, dass gerade auch die Themen soziale Gerechtigkeit und ökologische Vernunft weiter eine Rolle spielen", sagte sie dem NDR Nordmagazin.

Weitere Informationen

Tschentscher: SPD steht nicht vor Zerreißprobe

Hamburgs Bürgermeister Tschentscher sieht keine Gefahr einer Zerreißprobe für die SPD. Das Votum für das Duo Walter-Borjans/Esken bedeute keine radikale Kursänderung. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 02.12.2019 | 06:00 Uhr

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