Stand: 22.10.2018 17:06 Uhr

Senat bereitet sich auf "No-Deal"-Brexit vor

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Bereiten sich intensiver auf einen möglichen "No-Deal"-Brexit vor: Bürgermeister Tschentscher und die Senats-Außenbeauftragte Tabbara (Archivfoto).

Der Hamburger Senat bereitet sich mit Hochdruck auf den Brexit vor. Eine Koordinierungsstelle kümmert sich um die weitreichenden Folgen für Hamburgs Wirtschaft, Wissenschaft und Zollverwaltung. Nach dem ernüchternden Ausgang der Verhandlungen in der vergangenen Woche sehe sich der Senat gezwungen, einen ungeregelten Brexit "noch intensiver als bisher in den Fokus zu nehmen", hieß es am Montag in einer Mitteilung.

Hamburg "sehr stark betroffen"

Wünschenswert sei dieser Fall nicht, sagte Annette Tabbara, die Außenbeauftragte des Senats, doch ihr Leitspruch sei "Be prepared" (Sei vorbereitet). "Hamburg gehört zu den Standorten in Deutschland, die vom Brexit sehr stark betroffen sein werden. 17,5 Prozent der Wirtschaftsleistung im produzierenden Gewebe ist potenziell vom Brexit betroffen." Großbritannien sei eines der wichtigsten Partnerländer der Hansestadt, betonte sie. Auffällig sei das stark gestiegene Interesse von Briten an Einbürgerungen in Hamburg: Die Zahl habe sich von 2016 auf 2017 verdreifacht.

Doch der Brexit betrifft nach nach Angaben des Senats nicht nur die Wirtschaft, sondern auch beispielsweise Online-Kunden und Tierbesitzer. Zehntausende Hamburger Kunden von britischen Online-Versendern müssten ihre Pakete dann im Zollamt Hafencity abholen, sagte Tabbara zu NDR 90,3. "In dem Moment, wo das Vereinigte Königreich ausscheidet, werden auf jede Ware, auf jedes Gut, das sie aus Großbritannien importieren, Zölle oder Abgaben fällig."

Mehr Veterinäre und Zöllner gebraucht

Auch Reisen würde beschwerlicher. England-Reisende müssten ihren Pass vorzeigen. Mitreisende Haustiere kämen in Quarantäne. Selbst bei der Rückreise drohten Formalitäten, meint Tabbara. "Wenn sie mit ihrem Haustier am Hamburger Flughafen ankommen, dann wird das Veterinäramt noch mal ein Wörtchen mitzureden haben." Hamburg bräuchte mehr Veterinäre und Zöllner. Rund 100 könnten es schon sein, so Schätzungen.

Auch Vorteile für Hamburg

Immerhin hätte der harte Brexit auch Vorteile für Hamburg, so Tabbara: "Wir sehen ein gestiegenes Interesse am Hamburger Standort. Es gibt Unternehmen aus Großbritannien, die sich vorstellen können, in Hamburg verstärkt Niederlassungen zu gründen." Zudem würden Logistik- und Handelsfirmen aus Nordamerika und Asien anklopfen, um ihre Londoner Büros nach Hamburg zu verlagern.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 22.10.2018 | 17:00 Uhr

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